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Liza Tzschirner "Ich wäre nicht zu stolz gewesen, Hartz IV zu beantragen"

Liza Tzschirner
Liza Tzschirner
© dpa | Sebastian Kahnert / Picture Alliance
2020 lief gut für Liza Tzschirner, an Neujahr ist sie im ZDF-Klassiker "Das Traumschiff" zu sehen. Trotzdem war das Jahr nicht immer leicht für die sicherheitsliebende Schauspielerin.
Es gibt Gespräche, die im Kopf bleiben. Das Telefonat mit Liza Tzschirner, 33, zählt dazu. Die Schauspielerin ist herzlich und offen, ihre unglaubliche Lebensfreude ist ansteckend – sogar durch den Telefonhörer.

Liza Tzschirner: "Als Corona hier losging, habe ich totale Panik bekommen"

"Der Tag hat zu wenig Stunden und das Leben zu wenig Jahre", sagt Liza Tzschirner lachend, als sie von ihren vielen Projekten erzählt. Müde wirkt sie nicht, ganz im Gegenteil. Und auch von einem Lagerkoller fehlt jede Spur. Zum Glück! Die Schauspielerin konnte trotz Coronakrise oft vor der Kamera stehen, ist unter anderem an Neujahr im TV-Klassiker "Das Traumschiff" zu sehen. Dass sie die Krise so gut meistert, hätte Tzschirner allerdings nicht gedacht. "Als Corona hier in Deutschland so richtig losging, habe ich totale Panik bekommen, das war überhaupt nicht gesund für mich", verrät sie im Interview mit GALA.
GALA: Sie werden in vielen Artikeln als Schauspielerin beschrieben, die man aus dem "Wohlfühlfernsehen" kennt. Stört Sie das?
Liza Tzschirner: Nein, ich finde "Wohlfühlfernsehen" toll – es ist doch wundervoll, wenn sich Leute beim Fernsehen wohlfühlen. Im Theater habe ich hingegen oft böse und gebrochene Frauen gespielt und ich glaube ehrlich gesagt auch, dass mir dieses Rollenfach sogar besser liegt.
An Neujahr sind Sie auf dem "Traumschiff" zu sehen, allerdings war in diesem Jahr alles anders: Nachdem die ersten Szenen noch im Februar auf den Seychellen gedreht wurden, musste im Juni auf der Lloyd-Werft im Bremerhavener Kaiserhafen weitergedreht werden. Wie waren die Dreharbeiten unter diesen Umständen?
Als wir auf den Seychellen waren, war das Coronavirus noch gefühlt ziemlich weit weg – trotzdem haben wir viel darüber gesprochen und überlegt, ob auch unsere Dreharbeiten davon betroffen sein könnten. Und so war es dann auch: Im April sollten wir aufs Schiff gehen, reisen und weiterdrehen, doch daraus wurde nichts. Stattdessen haben wir jeden Tag auf gepackten Koffern gesessen und gewartet, ob es neue Infos gibt.
Und irgendwann kam dann die Nachricht, dass es keine Reise geben wird?
Genau. Aber wenn ich ehrlich bin, hat sich das auch sofort richtig angefühlt. Es wäre einfach zu gefährlich gewesen, in Zeiten einer globalen Pandemie eine Kreuzfahrt zu machen. Wir mussten alle auf die Pause-Taste drücken – und das war auch gut so.
Wie ging es dann weiter?
Erstmal gar nicht. (lacht) Das Schiff vom Südafrika-Dreh musste ja auch erstmal wieder sicher nach Hamburg gebracht werden und dann hieß es warten, warten, warten. Ob und wann wir weiterdrehen dürfen, stand ziemlich lange in den Sternen, bis sich die Werft in Bremerhaven gefunden hat.

"In einer globalen Pandemie fährt man mit etwas Bescheidenheit ganz gut"

Wie waren die Dreharbeiten dort?
Wir haben quasi auf einem Geisterschiff gedreht. (lacht) Das Schiff war komplett leer, nur die Film-Crew war vor Ort. Das hat sich wie eine Klassenfahrt angefühlt. Und wir haben trotz allem das Beste draus gemacht, obwohl wir abends nicht feiern oder ausgehen konnten.
Waren Sie deswegen enttäuscht? Normalerweise sind die Dreharbeiten für "Das Traumschiff" ja für die tollen Reisen bekannt …
Ich glaube, in einer globalen Pandemie fährt man mit etwas Bescheidenheit ganz gut. Ich war einfach nur froh, dass wir überhaupt drehen konnten. Eine große Reise hätte ich in dieser Krise nicht gerne unternommen. Trotzdem haben wir als Crew uns natürlich auf die ganzen tollen Orte gefreut und Pläne geschmiedet, was wir an den drehfreien Tagen alles unternehmen werden. Dass man während der Arbeit so viele wunderschöne Orte sehen darf, ist schließlich nicht normal und ein riesengroßes Geschenk!
Und es ist umweltfreundlicher, nicht um die halbe Welt zu reisen …
Das stimmt! (lacht)

Liza Tzschirner: "Ich war noch nie so glücklich wie als Single"

Glauben Sie, dass das die Zukunft des "Traumschiffs" sein könnte?
Oh, das weiß ich nicht. Eigentlich verkörpert "Das Traumschiff" ja den Traum von der weiten Welt und purer Freiheit. Aber wenn den Zuschauerinnen und Zuschauern unsere Folge gefällt, ist es mit Sicherheit eine gute Möglichkeit zu überlegen, inwieweit man "Das Traumschiff" in Zukunft nachhaltiger gestalten kann. Der Planet wäre uns jedenfalls sehr dankbar. (lacht)
Liza Tzschirner und Frederic Heidorn mit einer einzigartige Kokosnussart auf den Seychellen. "Das Traumschiff: Seychellen" sehen Sie am 01. Januar 2021 um 20:15 Uhr im ZDF.
Liza Tzschirner und Frederic Heidorn mit einer einzigartige Kokosnussart auf den Seychellen. "Das Traumschiff: Seychellen" sehen Sie am 01. Januar 2021 um 20:15 Uhr im ZDF.
© ZDF / Dirk Bartling
Beim "Traumschiff" dreht sich alles um Liebe, privat sind Sie aktuell Single. Was schätzen Sie am Single-Dasein am meisten?
Ich liebe es, Single zu sein! (lacht) Ich bin einfach jemand, der wahnsinnig gerne alleine ist und auch viel Zeit alleine braucht – auch wenn ich einen Partner habe. Das hat nichts mit mangelnder Liebe zu tun, sondern eher mit ganz viel Liebe für mich selbst. Ich war noch nie so glücklich wie als Single – und das ist nichts gegen meine wunderbaren Ex-Partner – aber ich bin einfach jemand, der sich in einer Beziehung zu sehr nach seinem Partner richtet. Und das ist nicht gesund. Das habe ich jetzt gemerkt und genieße es unheimlich, endlich all das zu tun, worauf nur ich Lust habe. Und wenn irgendwann der Mensch kommt, der mich so richtig umhaut, dann werde ich mich nicht wehren, ich finde Liebe super, aber meine Selbstliebe werde ich mir erhalten – egal, wie verliebt ich dann bin.

In einem Interview mit dem "Südkurier" haben Sie erzählt, dass Sie ein extrem großes Sicherheitsbedürnfnis haben. In der Coronakrise haben vor allem Künstlerinnen und Künstler mit Existenzängsten zu kämpfen. Kennen Sie dieses Gefühl?
Ja! Ich gehe mit Existenzängsten schlafen und wache morgens mit ihnen auf. Das ist Teil des Schauspielberufs, und ich bin durch mein großes Sicherheitsbedürfnis eigentlich komplett ungeeignet dafür. Als Corona hier in Deutschland so richtig losging, habe ich totale Panik bekommen, das war überhaupt nicht gesund für mich.

Weil Sie sich so große Sorgen um Ihren Job gemacht haben?
Auch. Ich habe – so wie wir alle – bisher noch keine Pandemie erlebt, deswegen war die gesamte, weltweite Situation total beängstigend für mich. Dazu kam dann noch die Angst, ob ich im nächsten Monat meine Miete zahlen kann.

"Der Tag hat zu wenig Stunden und das Leben zu wenig Jahre"

Und, konnten Sie?
Ja, zum Glück. Allerdings ist die Form einer unsteten Beschäftigung, die viele Künstler eben haben, in deutschen Behörden schlicht unbekannt. Jemandem mein Arbeitsverhältnis zu erklären, ist kompliziert. Hätte ich nicht das wahnsinnige Glück gehabt, trotz der Krise meine Projekte umzusetzen, wäre ich aber auch nicht zu stolz gewesen, Hartz IV zu beantragen. Es ist einfach schade, was aktuell mit der Kunst- und Kulturbranche passiert. Und wieso Gottesdienste, aber keine Theaterstücke stattfinden dürfen, verstehe ich sowieso nicht.
Sie arbeiten neben der Schauspielerei in einem Café. Werden Sie oft erkannt?
Ich mache das, weil es mir extrem viel Freude bringt und dabei einfach ein komplett anderer Teil meines Gehirns beansprucht wird. Leider fällt das aktuell ja wieder aus, aber ich freue mich jetzt schon, bald wieder hinter der Kaffeemaschine stehen zu dürfen. (lacht) Und klar, dabei werde ich auch oft erkannt. Vor allem aber, weil man mich einfach nicht als Kellnerin erwartet.
Wenn es mit der Schauspielerei nicht geklappt hätte: Welchen Beruf würden Sie dann heute ausüben?
Auf jeden Fall etwas Kreatives! Vielleicht wäre ich Journalistin oder Psychologin geworden, ich studiere aktuell auch nebenbei an einer Fernuni Psychologie.
Schauspielern, kellnern und nebenbei noch studieren, das hört sich nach einem ganz schön taffen Programm an …
(lacht) Das stimmt! Der Tag hat zu wenig Stunden und das Leben zu wenig Jahre. Ich will immer unheimlich viel machen und genieße es auch total, so viel für mich zu tun. Das ist Luxus für mein Gehirn, es geht mir gar nicht so sehr um Leistung.
Verwendete Quellen: eigenes Interview
Gala

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