Lindsay Lohan: Sie hat ihre Lektion gelernt

An ein Comeback hat keiner mehr geglaubt. Nun verließ Lindsay Lohan den Gerichtssaal als freie Frau, wurde von der Richterin sogar gelobt. Warum die Schauspielerin diese Chance tatsächlich nutzen wird

Genervtes Abwinken und Augenrollen:

Die Reaktionen sind eindeutig, wenn irgendwo die Sprache auf Lindsay Lohan kommt. Vielleicht wirft man noch schnell einen Blick auf Fotos, die zeigen, wie sie mal wieder peinlich overdressed ins Gericht geht. Tiefes Dekolleté, knappes Outfit. Die Göre lernt es einfach nicht. Doch halt! Die aktuellen Bilder der Schauspielerin verleiten zum Innehalten.

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Charlotte Würdig + Sido

Sie zeigen sich beim Sonnenbaden auf Santorini

Charlotte Würdig und SIdo
Charlotte Würdig und Sido sind seit acht Jahren verheiratet, als sie ihre Trennung bekannt geben.
©Gala

Erwachsen sieht Lindsay darauf aus. Im taubenblauen Hosenanzug, die Haare lässig zurückgesteckt, das Makeup dezent - die Skandalnudel zeigt zumindest optisch Klasse. Und auch darüber hinaus hat sich bei diesem - hoffentlich - letzten Auftritt vor Gericht eine geläuterte junge Frau präsentiert, die an der Schwelle zu einem neuen Leben steht. "Sie müssen erwachsener und reifer werden", wurde Lindsay von Richterin Stephanie Sautner ermahnt, die dabei geradezu mütterlich wirkte und nicht so streng wie sonst. Sie entließ Lindsay als freie Frau: "Sie hat alles getan, was das Gericht von ihr verlangt hat." Dass Lindsay die Haftstrafen, 480 Sozialstunden und18 Therapieeinheiten nicht nur aus formalen Gründen absolviert hat, sondern dass diese sie tatsächlich zum Nachdenken gebracht haben, war ihr deutlich anzumerken: "Was Sie getan haben, hat mir eine Menge Türen geöffnet. Sie waren sehr fair", dankte sie Sautner während der Verhandlung, die das Onlineportal "tmz" live übertrug.

Unsicher lächelnd, die Hände auf dem einfachen Holztisch vor sich gefaltet, schaute Lindsay die Richterin dankbar an und nickte, als diese forderte: "Ich will Sie hier nicht wiedersehen." Lediglich eine sogenannte inoffizielle Bewährung bis Mai 2014 wegen des Diebstahls einer Kette schränkt jetzt noch das Leben des einstigen Kinderstars ein. Und nicht nur die Richterin scheint da ran zu glauben, dass Lindsay diese womöglich letzte Chance auf ein selbst bestimmtes Leben ohne Drogen beherzt ergreift. 2012 könnte nach unzähligen Kokain- und Alkoholexzessen tatsächlich das Jahr ihres Comebacks werden. Was mit Marilyn-Monroe-Fotos in der Januarausgabe des "Playboy" fulminant begann (die Auflage brach laut Herausgeber Hugh Hefner alle Rekorde), setzt sich nun mit anspruchsvolleren Aufgaben fort: Der Vertrag für eine Gastrolle in der Kultserie "Glee" ist unterschrieben, und im TV-Film "Liz and Dick" des Senders "Lifetime" wird sie die junge Liz Taylor spielen. Was für ein Coup für die Schauspielerin! In dieser Rolle kann sie sich beweisen.

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Das Arbeitsvisum für Kanada, wo "Liz and Dick" gedreht wird, ist nach einigem Bangen erteilt. Bei Lindsays Vorstrafenregister war das keine Selbstverständlichkeit - ist nun aber ein Zeichen mehr, dass außer Richterin Sautner auch andere Menschen an ihr Talent glauben. Etwa ihre Anwältin Shawn Holley, die mit Lindsay stundenlang den Antrag für das Kanada-Visum ausgefüllt hat. Mit der kulleräugigen Schönheit haben alle Mitleid, hoffen, dass sie nicht wieder enttäuscht werden, und setzen Vertrauen in Lindsay. In diese junge Frau, die ihr Leben und ihre Karriere in den vergangenen fünf Jahren fast zerstört hat, die vielversprechende Rollen wegen ihrer Unzuverlässigkeit verlor, Gerichtstermine platzen ließ und im Rausch durch die Clubs von Los Angeles wankte. Jetzt ist ihr Blick wieder klar: Lindsay Lohan will ihr schauspielerisches Potenzial nutzen, vielleicht auch wieder singen, wie bereits vor einigen Jahren. Dabei sollen sie nicht in erster Linie ihre ehrgeizigen Eltern Dina und Michael begleiten, die sie schon als dreijähriges Mädchen vor die Kamera schoben und dann offenbar die Karriere ihres Kindes mehr genossen als die Kleine selbst es tat. Auch ihre langjährige Managerin Lou Taylor wird Lindsay beim Neustart nicht zur Seite stehen, von ihr hat sie sich vor vier Monaten getrennt. Heute, endlich, will sie selbst entscheiden, was sie möchte, was nicht und mit wem. Sie lässt nur noch Menschen an sich heran, die ihr guttun. Henry Hopper etwa, 21, Schauspieler und Sohn des verstorbenen Dennis Hopper. Henrys Devise: "Ich mach mein eigenes Ding." Ein Selbstbewusstsein, das auch Lindsay sich offenbar in den vielen Therapieeinheiten aufgebaut hat. Sie hat gelernt, in schwierigen Situationen Entspannungsmethoden anzuwenden und ihre Gefühle nicht zu betäuben. "Ich bin heute lieber zu Hause als auf Partys und trinke nur noch Wasser", so Lindsay vor Gericht. Ob sie den Wodka, den sie kürzlich mit Henry an einem Kiosk kaufte, wirklich nicht angerührt hat? Tatjana Detloff

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