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Linda Zervakis Köchin wider Willen

Linda Zervakis
© Markus Hibbeler / Getty Images
Moderatorin Linda Zervakis über ihre (Un-)Lust am Kochen, Malheure am Herd – und die Menschen, die ihrem Leben Würze verleihen.

Welch schöne Idee für bekennende Kochmuffel, zu denen sich Linda Zervakis, 47, selbst zählt: ein Buch mit unkomplizierten Rezepten, die auf jeden Fall gelingen, so wie etwa der aromatische Ofen-Feta (s. u.). Die Moderatorin hat das Kochbuch "Wenn ich das kann, kannst du das auch!" für all jene zusammengestellt, die eher wenig Zeit in der Küche verleben wollen.

Linda Zervakis: In der Küche sind ihre Kinder ihre größten Kritiker 

Sie schreiben, Sie hassen es zu kochen. Das klingt sympathisch ehrlich.

Und es stimmt! Ich bin darin einfach nicht so talentiert. Wenn ich am Herd stehe, rieche ich dreimal so sehr wie andere. Ich habe offensichtlich Poren, die wie kleine Schwämme jeden Fett- und Zwiebeldunst aufsaugen. (lacht)

Trotzdem kochen Sie oft.

Das habe ich den vergangenen beiden Jahren zu verdanken. Während des ersten Lockdowns, als meine Kinder immer zu Hause waren, konnte ich mich nicht mehr drücken. Jeden Tag etwas bestellen geht ja auch nicht. Also ab an den Herd! Kinder sind gnadenlos ehrlich, und meine haben mir nach dem Essen mit Daumen hoch, zur Seite oder runter gezeigt, wie sie es fanden.

Wie fiel das häufigste Urteil aus?

Anfangs Daumen runter. (lacht) Immerhin ging er bei meinen Kartoffelpuffern nach oben. Mein Huhn aus dem Ofen mochten die zwei hingegen gar nicht, es war nicht knusprig genug. Mittlerweile gelingt mir aber auch das – die Routine macht die Meisterin. Ich stehe aber weiter dazu, dass Kochen nicht meine größte Leidenschaft ist. Mit meinem Buch möchte ich alle ermutigen, die ähnlich fühlen, sich heranzuwagen.

Eine Ihrer größten Leidenschaften ist allerdings essen – was man Ihnen gar nicht ansieht.

Ich versuche zwischendurch so wenig wie möglich zu naschen. Weil ich weiß, dass ich von den leckeren Hauptmahlzeiten sonst weniger genießen kann. Und ich probiere, mit einer Fitness-App morgens ein Sieben-Minuten-Programm zu absolvieren. Bekomme ich aber leider auch nicht regelmäßig hin.

Ihre Mutter ist ihr Fels in der Brandung 

Sie haben Ihrer Mutter ein eigenes Kapitel gewidmet. Sie kam als Gastarbeiterin nach Deutschland, lebt schon lange in Hamburg. Wie wichtig ist sie für Sie?

Sehr. Ich bin unendlich stolz auf sie. Mein Vater ist früh gestorben – ich war damals erst 14. Wir hatten einen Kiosk, und meine Mutter musste sich mit drei Kindern allein durchkämpfen. Sie hat sich selbst Deutsch, Lesen und Schreiben beigebracht, damit sie unser Geschäft führen konnte. Meine Mama ist eine ganz wichtige Säule in meinem Leben.

War sie nie traurig, dass sie Ihnen in der Küche nichts beibringen durfte?

Nein, denn sie hatte darauf genauso wenig Lust wie ich. Also hat sie meine Weigerung eher belächelt. Meine Mama kocht aber sehr gut, ihre Pita ist legendär. Und ich habe glücklicherweise einen Mann, der kochen kann.

Wie Ihr Vater, ein gelernter Koch.

Da schließt sich der Kreis. Meine Mutter war sehr glücklich, als sie meinen späteren Mann kennenlernte. Weil sie wusste, dass ihre Tochter an seiner Seite nie verhungern würde. (lacht) Er braucht kein Rezept, macht viel frei Hand und serviert auch fürs Auge.

Köcheln Sie gemeinsam?

Nein, er mag dabei niemanden um sich haben. Also finde ich mich ein, wenn angerichtet ist.

Was können Sie besser als er?

Hinterher saubermachen. Von daher ergänzen wir uns wunderbar.

Sie wohnen in Hamburg, verbringen aber auch viel Zeit in Griechenland.

Als einer der wenigen Griechen hier besitze ich kein geerbtes Haus in der Heimat meiner Eltern. Das schenkt mir die Freiheit, mir jedes Jahr im Urlaub neue Ecken des Landes anzuschauen. Sobald ich in Griechenland bin, öffnet sich etwas in mir, und ich spüre, dass es einfach passt zwischen uns. Jüngst habe ich Athen erkundet, eine fantastische Stadt, die vor Kreativität brodelt.

Und was steht beruflich an?

In Sachen Podcast erscheint bald etwas Neues. Und nach der Sommerpause geht's mit unserer Sendung "Zervakis & Opdenhövel. Live" weiter. Mehr ist nicht in Planung. Bei mir geht's Schritt für Schritt, nur nicht alles auf einmal.

Sie brauchen ja auch Zeit zum Kochen.

Und das länger als andere! (lacht)

Gala


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