Linda Evangelista Ihr Kampf für Gerechtigkeit

Es geht um viel Geld, aber auch um Gefühle: Linda Evangelista will Unterhalt für ihren Sohn, damit er im gleichen Luxus leben kann wie seine Halbschwester

Man kennt sie als die Prätentiöse.

"Für weniger als 10000 Dollar am Tag stehe ich gar nicht erst auf", lautet der berühmteste Satz, der dem einstigen Supermodel zugeschrieben wird - gesagt hat sie ihn so nie. Doch an dieses Luxus-Image fühlt man sich jetzt wieder erinnert: In dem seit Juli öffentlich ausgetragenen Unterhaltsstreit mit François Henri Pinault, dem Vater ihres vier Jahre alten Sohns Augustin James, verlangt die Kanadierin stolze 46000 Dollar im Monat. "So viel wurde noch nie vor diesem Familiengericht gefordert", sagte der zuständige Richter Matthew Troy der "New York Post".

Wofür genau braucht Evangelista das Geld? Und ist die Summe vielleicht sogar niedrig, wenn man bedenkt, dass der Kindsvater auf ein Vermögen von 11,5 Milliarden Dollar geschätzt wird? Vor Gericht erläuterte Linda Evangelista ihre Rechnung: Sie benötige 80000 Dollar im Jahr - das sind knapp 6700 Dollar im Monat - für Nannys, die sich "rund um die Uhr" um ihren Sohn kümmern, da sie beruflich sehr eingespannt sei: "Ich arbeite 16 Stunden am Tag. Und wenn ich nicht arbeite, arbeite ich an meinem Image." Das Model, das 2010 rund 1,8 Millionen Dollar verdient hat, trimmt sich im Fitnesscenter und bei der Kosmetikerin, um ihr Kapital, ihre Schönheit, zu wahren. Weitere 175000 Dollar - 14500 Dollar im Monat - brauche Evangelista, um ihren Sohn von einem "Team von Fahrern", ehemals Polizisten, chauffieren zu lassen. Insgesamt machen diese beiden Posten die Hälfte ihrer monatlichen Ausgaben aus. "Warum sollte mein Sohn mit weniger Annehmlichkeiten aufwachsen als seine Halbgeschwister?", lautet ihr Argument vor Gericht.

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Tatsächlich hat Pinault für seine Tochter Valentina, die er mit seiner zweiten Ehefrau Salma Hayek im selben Jahr zeugte, in dem Augustin James unehelich zur Welt kam, einen Treuhandfonds in Höhe von 12 Millionen Dollar eingerichtet. Den New Yorker Star-Anwalt Raoul Felder, der auch Luciana Morad, die Mutter von Mick Jaggers unehelichem Sohn Lucas, 11, vertreten hat, überraschen die Ansprüche Evangelistas nicht. "Ich kenne einige Fälle, in denen es um weit mehr Geld ging", sagte Felder zu Gala. "50000 Dollar im Monat sind bei extrem reichen Vätern nicht ungewöhnlich." Morad forderte 35000 Dollar von Jagger, einigte sich mit ihm schließlich außergerichtlich, da der Rolling-Stones- Sänger sein Vermögen nicht offenlegen wollte. Nach Felders Erfahrung haben Väter, die wie Pinault keine Rolle im Leben ihres Kindes gespielt haben, vermutlich keine Rolle spielen wollten, vor Gericht schlechte Karten.

Unklar ist, warum Linda Evangelista gerade jetzt Unterhalt von ihrem Ex-Lover fordert und ihn damit auch öffentlich als Vater outet. 2005 sollen beide eine wenige Monate lange Affäre gehabt haben, bevor sich Pinault in Salma Hayek verliebte. Seitdem hatte Evangelista zunächst geschwiegen und dann behauptet, der Vater sei ein New Yorker Architekt. Anwalt Felder glaubt, dass es zuvor eine stillschweigende Einigung zwischen den Pinault und ihr gegeben haben muss. In New York wird getratscht, der Franzose, Inhaber des Luxuskonzerns PPR, zu dem die Modehäuser Yves Saint Laurent und Gucci gehören, habe Evangelista angeboten, für Augustin in gleichem Maß aufzukommen wie für seine zwei Kinder aus erster Ehe. Sie aber habe mehr Geld gewollt. Vor Gericht gab Evangelistas Anwalt William Beslow jedoch an, Pinault habe keinen Penny locker gemacht. Laut New Yorker Gesetz stehen dem Kind 17 Prozent zu, allerdings nur bis zu einem Jahreseinkommen des Kindsvaters von 130000 Dollar. Ist das Einkommen größer, liegt die Höhe des Unterhalts im Ermessen des Gerichts.

Zwar schmetterte Richter Matthew Troy Evangelistas Antrag auf monatliche 7500 Dollar für Urlaubsreisen ab, ihre übrigen Ausgaben fand er aber weniger abwegig. "Sie gehören offenbar zum Alltag dieses High-Class-Kindes", so Troy. Der Prozess mache das Leben des Kleinen nicht unbedingt sicherer. "Wahrscheinlich braucht er die zwei Polizisten wirklich." Das "Wall Street Journal" rechnete vor, dass ein superreiches Kind in New York locker 50000 Dollar im Monat zum Leben benötige - davon die Hälfte für ein Team aus drei Nannys, den Rest für exklusive Schulen, Kleidung, Hobbys sowie zwei Chauffeure. Nur eines kann das Geld nicht ersetzen: den abhanden gekommenen Vater. Sandra Reitz

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gala.de


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