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Lilli Hollunder Sexflaute, Baby-Blues und zu wenig Schlaf

Lilli Hollunder
© imago images
Keine Tabus! Lilli Hollunder hat ein Buch über ihre Schwangerschaft geschrieben, das sicher nicht nur ihren Mann René Adler überraschen wird.

Rosarot und him­melblau sind für Lilli Hollunder, 33, nicht die Kategorien, in denen sie denkt. Die Schauspielerin liebt das Leben mit all seinen Zwi­schentönen, den großartigen und den weniger schönen. Das gilt auch für ihre Schwangerschaft und die ersten Mona­te mit Söhnchen Casper, inzwischen fast schon ein Jahr alt. Deshalb schreibt sie in ihren Erinnerungen an diese Zeit nicht nur über Glückshor­mone und Babylachen, sondern auch über Heulkrämpfe und Still­-Frust.

Lilli Hollunder im GALA-Interview

GALA: Ganz schön ehrlich, Ihr Buch.
Lilli Hollunder: Ich wusste immer: Wenn ich dieses Buch schreibe und diese Einblicke gewähre, verzichte ich auf alles Gekünstelte. Es darf keine Grenzen geben, keine Tabus.

Warum ist Ihnen das so wichtig?
Ich möchte den Frauen das Gefühl geben, dass wir alle in einem Boot sitzen und mit unseren Problemen nicht alleine sind. Wir dürfen auch als Mütter wir selber bleiben und ruhig zugeben, mal negative Gedanken und Zweifel zu haben.

Ich zum Beispiel wollte keinen Jungen und hatte Angst, ein hässliches Kind zu bekommen.

Wie sind Sie mit diesen Gefühlen umgegangen?
Ich habe einen hysterischen Anfall bekommen, als ich erfahren habe, dass ich einen Jungen erwarte, und gleich­zeitig habe ich mich dafür geschämt. Dann habe ich mit einer Frau gespro­chen, die ich nur flüchtig kannte, ich habe meinen Vorhang fallen lassen und mich geöffnet. In diesem Gespräch habe ich gemerkt, dass ich kein Mons­ter bin, dass es anderen auch so geht. Das hat mir so, so sehr geholfen.

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"Das Buch war wie eine Therapie für mich"

Woher nehmen Sie den Mut, diese Tabus zu brechen?
Diese Themen sind nun mal da. Wenn wir schweigen, sind sie doch nicht weg. Wir müssen auch zu schlechten Gefüh­len stehen. Neid ist kein ehrenhaftes Gefühl, aber bitte hebe die Hand, wer noch keinen Neid gespürt hat. Das Buch ist total menschlich, gerade auch weil es diese Abgründe benennt, aber mit Ironie relativiert. Nimm’s mit Humor, dass du ein Arschloch und ein Monster bist. (lacht) Das Buch war wie eine Therapie für mich.

Hätten Sie so ein Buch gern vor Ihrer Schwangerschaft gelesen?
Ja, unbedingt. Ich habe mich in der bisherigen Literatur nicht wieder­ gefunden. Es ist ja gerade Trend, zu seinen Pfunden zu stehen und zu Brüsten, die nach dem Stillen nicht mehr in Form sind. Aber ist es denn so verwerflich, auch wieder geil aussehen zu wollen? Das sollte jede Frau für sich selber entscheiden dürfen. Auch als Mutter mache ich meine beruflichen Projekte weiter, gebe total Gas. Irgend­wann ist das Kind aus dem Haus. Und wie viele Frauen kriegen dann keinen Job, weil niemand auf die Teilzeit-­Mutti wartet. Man darf sich selbst nicht verlieren in diesem Kinder-­Kosmos.

Wie schaffen Sie das?
Mit gesunden Egoismus. Auch wenn ich alles für mein Kind tun würde, glaube ich nicht, dass es gut für das Kind ist, sich selbst als Frau aufzugeben.

Was hätten Sie über Schwangerschaft und Geburt gern vorher gewusst, was Sie nirgendwo gelesen haben?
Ich hätte nie geahnt, dass mich das Wochen­bett körperlich und emotional so aus der Bahn wirft. Das war eine schreckliche Zeit, überhaupt nicht so kuschelig, wie sie häufig dargestellt wird.

Ich war im konstanten Kampf mit mir selbst.

"René und ich wollen uns als Paar nicht verlieren"

Sie schreiben auch offen über Ihre Sexflaute.
Das Thema habe ich absolut falsch eingeschätzt. Dass der Sex nicht funk­tioniert hat, war für mich total beängs­tigend. Man hat Lust, aber der Körper reißt dich aus deinem Leben. Jetzt, wo mein Sohn zehn Monate alt ist, funktioniert es langsam wieder. Und das ist für mich sehr wichtig in einer Beziehung. Man hat wenig Zeit, Mann und Frau zu sein. René und ich wollen uns nicht als Paar verlieren, freuen uns schon darauf, Casper irgendwann zur Schwiegermutter zu bringen und zwei Tage nur für uns zu haben.

Wie geht René denn mit Ihrer Offenheit um?
Das weiß ich noch nicht, er hat das Buch noch nicht gelesen. Er durfte nicht. Er wollte es gern lesen und viel­leicht hier und da ein Veto einlegen. Aber ich habe gesagt: "Das geht nicht, Schatz." Ich wollte den Schreibprozess nicht unterbrechen, mir nichts verbieten lassen.

Ich habe große Angst vor Renés Reaktion. Ich hoffe, dass er wei­terhin stolz auf mich ist.

Das Buch ist auch eine Liebeserklärung an ihn.
Ja, eine Beziehung besteht ja nicht nur aus Blumen, die man geschenkt be­kommt und für Instagram fotografiert. Wir sind als Paar an unsere Grenzen gekommen. Stress, Schlafmangel, wir haben uns wahnsinnig gestritten. Das ist eine krasse Herausforderung, die man nicht so nebenbei meistert. Aber unsere Beziehung ist auch auf eine neue Ebene gekommen. Gewisse Themen werden gelassener behandelt, und neue kommen hinzu.

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Sind Sie bereit für das zweite Kind?
Seitdem die Nächte deutlich ruhiger sind und ich kein wandelnder Zombie mehr bin, kann ich mir das immer besser vorstellen. Aber ich habe das Gefühl, dass mein Körper noch etwas Pause verdient hat. Mal schauen, was das Leben bereithält.

Gala


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