VG-Wort Pixel

Lilli Hollunder Nach der Hochzeit kam eine frustrierende Phase

Lilli Hollunder & René Adler 
Lilli Hollunder & René Adler 
© Picture Alliance
Endlich schwanger! Die Freude ist groß. Doch vorher haben die Schauspielerin und ihr Mann René Adler sehr gelitten. Und auch jetzt ist nicht alles rosarot. 

Das Kinderzimmer wird blau, auch falls in Zukunft ein Mädchen darin schläft. Die Farbe im Gästezimmer der Hamburger Villa, die nun umfunktioniert werden soll, gefällt Lilli Hollunder, 33, so gut – sie möchte sie nicht verändern. Von Klischees hält die Schauspielerin und Bloggerin sowieso nichts, sie ist amüsiert darüber, wie viele ihr gerade jetzt begegnen: Zusammen mit Ehemann René Adler, 34, erwartet sie ihr erstes Baby. Nachdem der ehemalige Nationaltorwart, der zuletzt beim HSV und bei Mainz 05 spielte, im Sommer seine aktive Karriere beendet hat, wollte Lilli beruflich wieder durchstarten. Beim Treffen mit GALA im "25hours Hotel Altes Hafenamt" wird schnell klar, dass sie ihre Pläne nicht aufgibt, sondern jetzt richtig loslegt. 

Lilli Hollunder schreibt ein Buch über die Schwangerschaft

GALA: Wie fühlen Sie sich?
Lilli Hollunder: Super, ich habe – toi, toi, toi – eine Mega-Schwangerschaft, mache ganz viel Sport. Von Anfang an ging es mir gut, nur eine Woche lang hatte ich Kreislaufprobleme. Ich habe wahnsinnig viel Energie, schiebe Projekte an.

Was planen Sie?
Ich schreibe ein Buch über die Schwangerschaft, und zwar aus einer ironischen, lustigen und sehr ehrlichen Perspektive heraus. Politisch nicht immer korrekt, aber diese ganze Mami-Literatur, die auf dem Markt ist, finde ich unerträglich.

Warum?
Sobald man schwanger ist, müssen überall Pünktchen, Sternchen und Wölkchen drauf sein, da muss man sich ja nur die Stillkissen anschauen. Ich bin doch trotzdem noch ich, ich habe noch meinen Geschmack, auch wenn ich jetzt einen dicken Bauch habe. Mir hat mal jemand gesagt: Das Kind wird in dein Leben geboren, nicht du in seins.

Gibt es trotzdem Klischees, die auf Sie zutreffen?
Ja, die Launen. Das war eine Zeit lang sehr schlimm, die habe ich sehr gespürt, sehr zugelassen und sehr ausgenutzt. Mein armer Mann! Er hat versucht, die Situation mit einem Lachen zu meistern. An seiner Stelle wäre ich gegangen. Aber jetzt hat sich alles eingependelt.

Sie hat zweieinhalb Jahre versucht schwanger zu werden

Sie hatten gerade ihre Schauspielkarriere angekurbelt, nachdem Sie ihrem Mann jahrelang den Rücken freigehalten haben. Haben Sie jetzt Angst vor einem neuen Karriereknick? 
Ja, so eine Schwangerschaft geht mit Ängsten einher, gerade wenn es die erste ist. Ich habe immer wieder Angst, auch um meine berufliche Zukunft. Nach zwei internationalen Serien ist es jetzt wieder ruhiger. Aber vielleicht wäre ich sonst auch gar nicht schwanger geworden. Wir haben es zweieinhalb Jahre versucht. Das war eine frustrierende Zeit.

Dann war es nicht so geplant, gerade jetzt schwanger zu werden, wo Ihr Mann seine aktive Karriere beendet hat?
Nein, überhaupt nicht. Ich hatte schon direkt nach der Trauung in der Toskana 2017 die Pille abgesetzt. Wir hatten damals natürlich ein sehr unregelmäßiges Leben, und es war vielleicht einfach nicht die richtige Zeit. Aber es war frustrierend.

Kinderplanung wurde zur Belastungsprobe

Was hat Sie besonders frustriert?
Wir waren die Einzigen in unserem Freundeskreis, die keine Kinder haben, dazu das Alter, da ist ein gewisser Druck entstanden. Wir haben uns beide untersuchen lassen, aber medizinisch war alles in Ordnung. Da haben wir uns schon gefragt, was wir machen, wenn es nicht klappt, wenn wir uns vielleicht sogar damit auseinandersetzen müssen, kinderlos zu sein.

Wie hat sich das auf Ihre Ehe ausgewirkt?
Wir haben uns viel gestritten. Die Kinderplanung hat als lustiges, aufregendes Abenteuer begonnen, und mit der Zeit wurde sie dann zur Belastungsprobe. Irgendwann hat René gesagt, komm, wir haken das jetzt erst einmal ab. Er wollte sich auf seine neue Karriere konzentrieren. Und da hat es dann geklappt.

"Ich habe ständig ein Wesen vermisst, das noch gar nicht existierte"

Sind Sie vorher offen mit dem Problem umgegangen?
Ja, total, ich habe kein Geheimnis draus gemacht. Einmal bin ich sogar ausgerastet, als ein frischgebackener Vater sagte, jetzt macht ihr doch mal. Das war ein wunder Punkt.

Sie können nun mit Ihren Erfahrungen anderen Frauen Mut machen.
Ja, darüber schreibe ich auch ganz ehrlich in meinem Buch. Aber viele andere Frauen haben einen noch schwereren Leidensweg hinter sich. Ich war überrascht von mir selbst, dass mir das Thema so unter die Haut geht, dass nicht ein einziger Tag vergeht, an dem ich nicht darüber nachgedacht habe. Ich habe ständig ein Wesen vermisst, das noch gar nicht existierte.

Wie groß muss dann die Freude gewesen sein, als Sie endlich schwanger waren!
Ich hatte keine Panikattacke, was für mich schon mal gut ist. Als ich vorher zweimal gedacht hatte, schwanger zu sein, bekam ich furchtbare Attacken. Diesmal war ich ganz ruhig, alles war unwirklich, alles war fremd. Und ich freue mich jetzt sehr, aber ich bin ein Veränderungs-Angsthase, beobachte mich ganz häufig von außen. Jeder Tag ist ein Abenteuer. "Das sind doch nicht meine Brüste ..." (lacht)

René Adler freut sich auf seine Vaterrolle

Und wie geht es Ihrem Mann als werdender Vater?
René freut sich, er ist toll, er lässt mich nichts mehr tragen. Er wollte ja am liebsten schon Kinder, als wir gerade zusammenkamen. Er lässt mir aber auch Luft, hängt nicht die ganze Zeit an meinem Bauch. Ab und zu darf er dem Baby Hallo sagen. Aber mit zu viel Kitsch-Klischee fühle ich mich nicht gut.

Haben Sie Angst, keine gute Mutter zu sein?
Nein, überhaupt nicht. Ich habe eher Ängste um meine Freiheit, um meine Karriere. Aber meine Mutter hat eine Woche nach dem Kaiserschnitt schon wieder gedreht. Ich nehme mir das auch vor, ich bin für eine tolle Serie optioniert. Aber das ist dieser supermoderne Gedanke, dass wir Frauen wieder ganz schnell funktionieren wollen. Ich nehme mir vor, auf meine innere Stimme zu hören, mich nicht unter Druck zu setzen.

Sie wollen an einem Strang ziehen 

Sie sehen sich eher als Working Mum?
Ja, immer, aber das ist ja auch das Coole an meinem Job, dass ich nicht fünf Tage in der Woche weg bin. Ich will nicht, dass mein Kind zur Kindergärtnerin Mama sagt.

Ihr Mann kann doch Erziehungsurlaub nehmen.
René wird ein toller Vater, da bin ich mir ganz sicher, das Kind wird Priorität haben. Aber er ist ein Workaholic, wird immer viel arbeiten.

Wer wird strenger sein?
Auf jeden Fall ich. Ich habe schon gesagt, dass wir immer an einem Strang ziehen müssen.

Ihr Kind soll kein Leistungssportler werden 

Wollen Sie die gleichen Werte vermitteln?
Das wird sich zeigen. Ich hoffe inständig, dass mein Kind kein Leistungssportler werden möchte. Ich habe mir vorgenommen, dass ich ein Mikroskop kaufen werde und wir uns immer schön Käfer und Blätter anschauen, so wie ich das früher getan habe. Dann kommen andere Interessen dazu.

Was spricht gegen den Leistungssport?
Der Druck ist so wahnsinnig groß, die Branche so schnelllebig. Für die gesamte Familie dreht sich das ganze Leben nur noch um dieses Thema. Es gibt auch noch andere Dinge im Leben.

Und wenn es nun ein Mädchen wird, das Spielerfrau werden will?
(lacht) Davon rate ich ab. Übrigens auch vom Schauspieler-Dasein.

Warum?
Weil es so unbeständig ist und fremdbestimmt.

Sie haben seit Jahren Namenslisten 

Aber trotzdem bleibt die Schauspielerei Ihr Traumjob.
Ja, leider. Ich hatte tolle Rollen. Aber selbst wenn man Erfolge hat, kommt danach wieder eine frustrierende Zeit. Ich bin halt nicht Emilia Schüle, die sich die Rollen aussuchen kann. Ich werde hier in Deutschland immer wieder in Schubladen gesteckt. Und das sind Soap und Spielerfrau.

Wünschen Sie sich ein Mädchen oder einen Jungen?
Wenn ich das früher visualisiert habe, habe ich immer ein Mädchen gesehen. René wollte auch immer ein kleines Mädchen. Aber jetzt sagen wir beide: Hauptsache gesund.

Diskutieren Sie schon über Namen?
Wir haben seit Jahren unsere Namenslisten, haben immer wieder herumgesponnen. Er meint, ich sei gemein, er dürfe gar nichts vorschlagen. Aktuell sind wir uns, glaube ich, gerade gar nicht einig. Er hat einen Favoriten, aber bei dem Namen fühle ich gar nichts.

"Jetzt sind wir wieder die Alten"

Will er bei der Geburt dabei sein?
Er hat keine Wahl. Wenn ich da durchmuss, muss er das auch.

Sind Sie in Ihrer Beziehung jetzt wieder glücklich?
Wir hatten immer eine gute Beziehung, auch mit den Streitereien. Aber diese Dauerfrustration war schon furchtbar. Jetzt sind wir wieder die Alten.

Wird Ihr Kind ein Einzelkind bleiben?
Im besten Fall nicht. Für Kinder ist es toll, Geschwister zu haben.

Gala

Mehr zum Thema


Gala entdecken