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Lewis Hamilton Während seiner Schulzeit machte er traumatische Rassismuserfahrungen

Lewis Hamilton
© Bryn Lennon / Formula 1 / Getty Images
Lewis Hamilton wurde von Mitschüler:innen rassistisch beleidigt, regelmäßig verprügelt und von Lehrpersonen schikaniert. In einem Podcast hat der Formel-1-Rekordpilot über seine schwere Schulzeit gesprochen.

Es sind Schilderungen, die unter die Haut gehen: Im Erfolgspodcast "On Purpose" spricht der siebenfache Formel-1-Rekordweltmeister Lewis Hamilton, 38, mit dem preisgekrönten Digitalstrategen Jay Shetty, 35, über den "traumatischsten und schwierigsten Teil [s]eines Lebens": seine Schulzeit. "Ich wurde schon im Alter von sechs Jahren gemobbt", erinnert sich der Mercedes-Pilot. Mitschüler:innen beschimpften ihn mit dem "N-Wort", verprügelten ihn regelmäßig und bewarfen ihn sogar mit Bananen.

Lewis Hamilton "wurde oft von größeren, stärkeren und schikanierenden Kindern herumgeschubst"

Lewis Hamilton musste früh lernen, sich zu verteidigen. Bereits im Alter von fünf Jahren lernte er Karate, um sich gegen rassistische Anfeindungen zu behaupten. Darüber sprach Hamilton bereits 2020 auf Instagram. Der Formel-1-Rennfahrer besuchte erst die Peartree Spring Grundschule, dort sei er "eines von drei farbigen Kindern" gewesen. "Ich wurde oft von größeren, stärkeren und schikanierenden Kindern herumgeschubst", erinnert sich Lewis im Gespräch mit Jay Shetty, das am Montag, 23. Januar 2023, veröffentlicht wurde. In der weiterführenden Schule habe es lediglich "sechs oder sieben Schwarze Kinder unter 1200 Schüler:innen" gegeben.

Die ständigen Sticheleien, die Dinge, die entweder nach dir geworfen wurden, wie Bananen oder Leute, die das N-Wort benutzten … einfach so, ganz entspannt. Die Leute nennen dich 'halbe Kaste' und wissen nicht, wo du hingehörst. Das war schwierig.

"Drei" von seinen Schwarzen Mitschüler:innen seien "ständig vor das Büro des Schulleiters gestellt" worden, erinnert sich Hamilton. "Der Schuldirektor hatte es einfach auf uns abgesehen – und ganz besonders auf mich", so Lewis weiter. Mit über hundert Rennsiegen gilt er heute als der erfolgreichste Formel-1-Fahrer aller Zeiten.

Mit den Narben aus seiner Kindheit und Jugend kämpfe Lewis aber noch immer, hat im Zuge der "Black Lives Matter"-Bewegung 2020 angefangen, seine Geschichte zu erzählen. 

Hamilton verschwieg rassistische Anfeindungen: "Ich wollte nicht, dass mein Vater denkt, ich sei nicht stark"

Der heute 38-Jährige wuchs zunächst bei seiner aus Birmingham stammenden Mutter Carmen Larbalestier und seinem Stiefvater in der Stadt Stevenage in Hertfordshire, England, auf. Mit zwölf Jahren zog er zu seinem Vater Anthony Hamilton, dessen Eltern in den 50er-Jahren aus dem Karibikstaat Grenada nach Großbritannien auswanderten. Während seinen traumatischen Schuljahren sei Vater Anthony einer der wichtigsten Anker für Lewis gewesen – ein "starker farbiger Mann, zu dem ich aufschauen konnte", schrieb er 2020 auf Instagram.

Dennoch hatte Lewis Hamilton "damals nicht das Gefühl, dass ich nach Hause gehen und meinen Eltern erzählen konnte, dass diese Kinder mich ständig mit dem N-Wort beschimpft haben oder dass ich heute in der Schule schikaniert oder verprügelt wurde, denn ich wollte nicht, dass mein Vater denkt, ich sei nicht stark", erklärt er im Podcast "On Purpose". Hamilton habe das Gefühl gehabt, "dass sich das System gegen [ihn] stellte und [er] gegen den Strom schwamm. Es gab eine Menge Dinge, die [er] unterdrückt habe."

Formel-1-Pilot zeigt öffentlichen Widerstand und Stärke

Seine schmerzhaften Erlebnisse nutzt Lewis Hamilton mittlerweile, um sich für andere Betroffene einzusetzen, sich so gegen Rassismus aufzulehnen. Auf der Rennstrecke trägt er "Black Lives Matter"-Shirts, lässt sich kniend, manchmal mit der Faust nach oben fotografieren – ein Zeichen von Solidarität, Stärke und Widerstand.

Lewis Hamilton kniet, um die "Black Lives Matter"-Bewegung zu unterstützen. Das Foto entstand vor dem Start des Großen Preises von Bahrain am 28. März 2021.
Lewis Hamilton kniet, um die "Black Lives Matter"-Bewegung zu unterstützen. Das Foto entstand vor dem Start des Großen Preises von Bahrain am 28. März 2021.
© ASSOCIATED PRESS / Andrej Isakovic / Picture Alliance

Der Formel-1-Pilot nimmt an Demonstrationen teil, erhebt in den sozialen Medien seine Stimme und hat die Wohltätigkeitsorganisation "Mission 44" gegründet, die sich um die Unterstützung junger Menschen aus unterrepräsentierten Schichten bemüht. In der Formel 1, in der Hamilton als einziger Schwarzer Rennfahrer gilt, hat er sich mit seinem Rennstall Mercedes zusammengetan, um die Vielfalt in den eigenen Reihen zu erhöhen.

Verwendete Quellen: podcasts.apple.com, telegraph.co.uk, instagram.com

jse Gala

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