VG-Wort Pixel

Lena Meyer-Landrut "Der Anker in meinem Leben"


Erstmals spricht Sängerin Lena Meyer-Landrut über die Beziehung zu ihrer Mutter - und verrät GALA, wann sie selbst auch mal knallhart sein kann

Sie gibt wirklich alles - wedelt mit den Armen und springt sogar vom Tisch auf, während sie ihre Antworten gibt. Beim GALA-Interview in Berlin zeigt sich Lena Meyer-Landrut als extrem emotionale Frau, die vor Energie fast übersprudelt. Dabei ist die 23-Jährige reifer geworden - nicht zuletzt dank ihrer Mama ...

Nach dem ersten Lena-Hype gab es eine Phase, in der Sie von fast allen Seiten als überschätzte Zicke kritisiert wurden...

Vor dieser Gefahr hatten mich viele Menschen in meinem Umfeld von Anfang an gewarnt. Ich war also gut auf die Tatsache vorbereitet, dass man sich irgendwann auch auch auf mich einschießen würde. Das hat mir sehr geholfen, das alles nicht zu persönlich zu nehmen und mich nicht verletzen zu lassen.

Wie gut können Sie Enttäuschungen und Niederlagen wegstecken?

Ich bin maximal eine halbe Stunde genervt, und dann ist aber wieder alles okay. Als pragmatischer Mensch vergesse ich schnell – auch persönliche Streitigkeiten. Es ist schrecklich, wenn Menschen nicht vergeben und vergessen können. Generell kann ich Streitereien kaum aushalten und will mich immer am liebsten sofort wieder vertragen.

Das hört sich nach einer sehr harmoniebedürftigen Frau an. Können Sie denn nicht auch mal knallhart sein?

Ohja, zum Beispiel in der Hundeerziehung. So sehr ich meine zweijährige Hündin Kiwi auch liebe, so habe ich in der wichtigen Phase in den ersten drei Monaten trotzdem nichts durchgehen lassen; habe streng und konsequent mein Programm durchgezogen. Ohne Ausnahme! Das war am Anfang schwer, dafür habe ich es heute umso leichter. Ich muss Kiwi oft überall hin mitnehmen und da darf sie nun mal nicht rumspinnen.

Apropos rumnerven. Mit welchen Songs in Dauerschleife haben Sie Ihre Mutter als Kind genervt?

Oh, da gab es etliche Lieder. Aber angefangen hat alles mit der CD „Die Schlümpfe Megaparty“. Darauf wurden Techno-Stampfhits auf Deutsch nachgesungen und die Stimmen am Computer hochgepitcht.

Das ist tatsächlich sehr harter Tobak!

Für meine Mutter war es der absolute Horror. Später hielt sie mir dann mehrfach vor, dass ich sie mit dieser CD fast zu Tode gequält hatte. (lacht) Und ich kann sie heute so gut verstehen. Das ist wirklich das Grauen für alle Eltern. Das Schlimmste ist: Das gibt es immer noch. Also wenn ich jemals Kinder haben sollte, dann werde ich persönlich dafür sorgen, dass sie diese CD niemals in die Finger bekommen.

Was hatte Ihr musikalisches Mama-Nerv-Repertoire noch zu bieten?

Mein erstes Album war „Mein Tag“ von Oli P – da habe ich natürlich „Flugzeuge im Bauch“ rauf und runter gehört. Das fand sie natürlich auch ganz toll. Danach kamen die "Bravo"-Hits. Erst als ich Xavier Naidoo für mich entdeckt habe, war die Welt für meine Mutter endlich wieder in Ordnung. Auf den steht sie nämlich bis heute.

Wie gehen Sie mit gut gemeinten Ratschlägen Ihrer Mutter um?

Wie die meisten Teenager konsequent gegen Dinge geblockt habe, die sie mir gesagt hat. Wo ich dann still bei mir dachte: Oh Mann, das ist doch der allergrößte Mist! Ich mach das sowieso alles ganz anders! Auf der anderen Seite habe ich mir im Nachhinein schon ein paar Mal gedacht: Der Tipp war dann doch gar nicht so verkehrt. Heute bin ich da natürlich offener.

Wie wichtig ist Ihnen heute die Meinung Ihrer Mutter?

Meine Mutter ist für mich einer der wichtigsten Anker im Leben und immer für mich da. Ich kann mich darauf verlassen, dass sie immer hundertprozentig ehrlich zu mir ist: Wenn sie etwas super findet, sagt sie mir das und wenn ihr etwas gar nicht gefällt, auch. Auf ihre Meinung lege ich sehr viel Wert. Da können sich noch so viele Leute beschweren, dass ich angeblich Quatsch gemacht habe: Wenn Mutti meint, dass es nicht so schlimm war, ist alles gut. Dieses Gefühl fängt mich auf und erdet mich.

Mit 19 sind Sie in Ihre erste eigene Wohnung gezogen. Wie verlief der Abnabelungsprozess?

So wie bei fast jedem in dem Alter. Ich habe still bei mir gedacht: Geil! Die Schule ist vorbei, und ich ziehe aus. Yeah! Für die Eltern ist das schlimmer als für die Kinder. Ich fand es cool, meine eigene Wohnung zu haben, und traurig war ich ehrlich gesagt auch nicht. Wobei es mir am Anfang ziemlich schwer gefallen ist, dass ich im Haushalt auf einmal alles selbst erledigt habe.

Vorher war Hotel Mama angesagt?

Das ist doch in fast allen Familien so, wenn die großen Kinder noch zu Hause wohnen, oder? Mutti ist halt Mutti! (lacht)

Alexander Nebe Gala

Mehr zum Thema


Gala entdecken