Laura Preiss: "Ich will beim Drehen nicht wie in einem Käfig gehalten werden"

Laura Preiss ist im deutschen Film- und Fernsehgeschäft zuhause. Mit GALA spricht die Schauspielerin darüber, wie Dreharbeiten in der Zukunft trotz Coronapandemie stattfinden könnten und verrät, wieso sie heute keine junge Geliebte mehr spielen will.

Laura Preiss

Laura Preiss, 34, ist im vergangenen Jahr zum ersten Mal Mutter geworden, seitdem hat die Schauspielerin auf Projekte vor der Kamera verzichtet. In der Amazon-Serie "Der Beischläfer" (Anm. d. Red.: Die Amazon-Serie "Der Beischläfer" läuft ab dem 29. Mai auf Amazon Prime Video) feiert sie nun ihr Comeback.

Laura Preiss: "Ich brauche am Set keine besondere Aufmerksamkeit"

Als Sprecherin war Preiss jedoch die ganze Zeit gut beschäftigt, vor allem in Zeiten von Corona konnte sie dank erhöhter Sicherheitsmaßnahmen an einigen Projekten weiterarbeiten. Trotzdem macht sie sich Gedanken, wie Dreharbeiten für Film- und Fernsehproduktionen in Zukunft stattfinden werden. Dürfen sich die Schauspielerinnen und Schauspieler während der Dreharbeiten ausschließlich im Hotel und am Set aufhalten? Familienbesuche ausgeschlossen?

Ob Dreharbeiten unter solchen Umständen für Laura Preiss in Frage kommen und wieso sie es schade findet, dass man im deutschen Fernsehen schnell als "Soap-Gesicht" abgestempelt wird, verrät die Schauspielerin im Interview mit GALA.

GALA: Stehen Sie im Moment unter den erschwerten Bedingungen vor der Kamera?
Laura Preiss: Nein, im Moment drehe ich "nur" mit meinem Handy. Mit unserer Web-Serie haben wir einen neuen Weg gefunden, trotz allem ein bisschen zu schauspielern. Ich sitze einfach vor meinem Smartphone und drehe – ist das nicht toll?!

Wurden viele Ihrer Projekte verschoben oder abgesagt?
Ja, ein paar Projekte und auch zwei Auslandsproduktionen wurden verschoben. Aber wann und ob wir damit loslegen, weiß ich noch nicht. Was das Drehen angeht, habe schon ich ziemlich großen Ausfall, beim Sprechen zum Glück nicht.

"Mir fehlt das Drehen, weil ich meine Arbeit liebe"

Ist das ein befriedigender Ersatz für Sie oder fehlt das "richtige" Drehen vor Kameras doch?
Natürlich fehlt das richtige Drehen! Glücklicherweise habe ich mit dem Sprechen etwas, das es mir erlaubt, entspannt zu bleiben. "Der Beischläfer" war mein erstes Projekt nachdem ich Mama geworden bin.

Spüren Sie als Schauspielerin denn mittlerweile eine Art "Bestätigungsentzug"?
Nein, ich brauche am Set keine besondere Aufmerksamkeit oder jemanden, der mir den Regenschirm hinterherträgt. (lacht) Mir fehlt das Drehen einfach, weil ich meine Arbeit liebe.

Auf dieses typische "Beweihräuchert-Werden" kann ich verzichten. Ich genieße eher die Resonanz, die ich nach meinen Szenen bekomme. Diese Art von Aufmerksamkeit macht etwas süchtig.

Viele Künstlerinnen und Künstler sprechen in dieser Zeit über die "Angst des Vergessenwerdens." Kennen Sie dieses Gefühl?
Auf jeden Fall, in gewisser Weise spürt man diese Angst jeden Tag. Vor allem, wenn man sich auf Projekte gefreut und mit ihnen gerechnet hat und plötzlich alles abgesagt wird. Mit einem Kind ist das alles doppelt schwierig. Aber ich habe natürlich das Glück, dass ich nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera schauspielere und die Studios haben gleich zu Beginn Desinfektionsmittel, Plexiglaswände und Co. besorgt, sodass ich meine Jobs als Sprecherin auch wie geplant durchziehen konnte. Ich habe ehrlich gesagt in dieser Krise ganz schön viel gearbeitet.

Sie haben also nicht mit Langeweile zu kämpfen?
Bisher zum Glück noch nicht! Das weiß ich aber auch sehr zu schätzen, vielen anderen in meiner Branche geht es da ganz anders.

Laura Preiss: "Kunst ist im Moment wichtiger denn je"

Wie ist die allgemeine Stimmung in Ihrer Branche? Leiden viele Ihrer Kolleginnen und Kollegen unter Existenzängsten?
Ich glaube, dass Kunst im Moment wichtiger denn je ist – für die Künstler selber sowie das Publikum. Wir müssen alle auch mal abschalten. Aber das Finanzielle ist natürlich ein großes Problem. Nur weil man zwei Filme im Jahr dreht, ist man nicht automatisch reich. Wenn also viele Projekte wegbleiben, wird es für den einen oder anderen wirklich schwierig – trotz der Hilfen von verschiedenen Organisationen, die es ja glücklicherweise schon gibt. Aber meine Branche nutzt diese Krise, um auf die Relevanz unseres Berufsstands aufmerksam zu machen.

Und vielleicht lohnen sich ja die vielen offenen Briefe, Online-Konferenzen etc. und wir gelten bei der nächsten Krise oder Pandemie auch als systemrelevant. Oder zumindest erhaltenswert.

Wie stellen Sie sich die kommenden Dreharbeiten vor? Wie können vor allem größere Produktionen stattfinden?
Ich habe höchsten Respekt vor meinen Kolleginnen und Kollegen, die in Daily-Soaps mitspielen: Sich bei dem Drehpensum noch selber zu schminken, umzuziehen etc. ist wirklich krass! Vielleicht werden in Zukunft alle Mitglieder des jeweiligen Teams zwei Wochen vor Drehbeginn in ein Hotel gekarrt, müssen dort die Quarantänezeit verbringen und dürfen sich während der Dreharbeiten nur im Hotelzimmer und am Set aufhalten. So einen Vorschlag habe ich jetzt schon ein paar Mal gehört.

Wie fänden Sie das?
Ganz schrecklich. (lacht) Ich will beim Drehen doch nicht wie in einem Käfig gehalten werden.

Und Sie wären viel länger als sonst von Ihrer Familie getrennt.
Das stimmt. Aber auch das würden mein Freund ich zusammen rocken. Und ich wähle meine Rollen auch mittlerweile ganz bewusst aus.

Wie meinen Sie das?
Es geht mir im Vergleich zu früher viel mehr darum, wen ich verkörpere. Seitdem ich Mama bin, denke ich da besonders viel drüber nach.

"Was sieht meine Tochter, wenn sie mich mal im Fernsehen sieht? Welche Art von Frau spiele ich? Bin ich ein Vorbild?" Diese Fragen stelle ich mir momentan oft.

Haben Sie schon Antworten gefunden?
Für mich hat sich der Preis, überhaupt vor der Kamera stehen zu dürfen, relativiert. Ich möchte nicht rigoros aussortieren, aber manchmal einfach bewusster hinschauen und mich fragen, ob es mir diese Rolle wirklich wert ist. Vor allem, wenn Dreharbeiten in Zukunft zwangsweise Isolation bedeuten.

Laura Preiss über Klischees in deutschen Filmen

Gibt es denn eine Rolle, die Sie heute bereuen?
Nein. Aber vielleicht würde ich heute nicht mehr die Ende 20-Jährige spielen wollen, die sich in einen 60-jährigen Mann verliebt. Dieses Klischee bedienen deutsche Filme ja besonders gerne. (lacht)

Welche Rolle würden Sie denn gerne mal spielen?
Bisher habe ich immer sehr klare Charaktere gespielt: Einmal bin ich die Zicke, dann wieder die junge Geliebte. Ich würde gerne mal einen extrem diversen Charakter spielen, der voller Gegensätze ist und eben in kein Klischee passt.

Laura Preiss (r.) mit ihren "Rote Rosen"-Kolleginnen Hedi Honert (l.) und Cheryl Shepard (m.).

Es gibt "eine Art 'Kastensystem' im deutschen Fernsehen"

Würden Sie heute wieder bei einer Daily-Soap wie "Rote Rosen" mitspielen?
Ja, das hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht! Es ist natürlich Fließbandarbeit, ein bisschen Schauspiel bleibt immer auf der Strecke, aber dafür ist es total intensiv und leider immer noch ganz schön unterschätzt.

Wieso?
Daily-Soaps gelten einfach als weniger wertig, man wird von den vermeintlichen Künstlern schnell als "Soap-Gesicht" abgestempelt. Wie eine Art "Kastensystem" im deutschen Fernsehen. Das ist schade.

Verletzt Sie diese Kritik?
Wenn ich für eine Rolle negatives Feedback von den Zuschauern bekomme, weil ich beispielsweise die Böse spiele, dann stehe ich darüber. Denn ehrlich gesagt habe ich dann genau das geschafft, was ich wollte: die Menschen erreichen, mit meinem Spiel in den Bann ziehen und ihnen ein Gefühl abluchsen.

Würden Sie jetzt, als Mutter einer kleinen Tochter, für eine Rolle aus München wegziehen?
Eine schwierige Entscheidung, aber ja, wenn die Coronazeit vorbei ist und ich nicht nur an den Wochenenden nach Hause kommen kann, könnte ich mir das schon wieder vorstellen. Aber im nächsten Jahr werde ich meine Kleine so schnell nicht alleine lassen.

Verwendete Quellen: eigenes Interview

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