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Laura Karasek "Ich bin lieber in Gossip verwickelt, der mit Liebe zu tun hat als mit Hass"

Laura Karasek
Laura Karasek
© David Straßburger Fotografie
Laura Karasek ist ehrlich, witzig und vor allem eins: mutig. Im GALA-Interview spricht die Moderatorin offen über unverschämte Mütter, sexistische Männer und verrät, warum die Gerüchte um eine Liebelei mit Florian Silbereisen gar nicht mal so schlimm sind.
Männer und Frauen werden in unserer Gesellschaft unterschiedlich behandelt. Das ist Fakt. Und ganz schön traurig. "Gibt es eine wissenschaftliche Studie, die belegt, dass ein Minirock Gehirnzellen vernichtet?", fragt sich Laura Karasek, 38, im Interview mit GALA. Nein. Und trotzdem müssen sich Frauen ständig rechtfertigen.

Laura Karasek + Florian Silbereisen? Die Moderatorin spricht Klartext

Oder sie werden als "DIE neue Frau an seiner Seite" beschrieben. So wie Laura Karasek, die 38-Jährige war an Neujahr zum ersten Mal als Azubine im ZDF-Klassiker "Das Traumschiff" zu sehen. Ihr Ausbilder: Florian Silbereisen, 39, aka Kapitän Max Parger. Schon nachdem die ersten Fotos des neuen Films veröffentlicht wurden, fing die Gerüchteküche an zu brodeln. Was Laura Karasek zu den Schlagzeilen sagt, lesen Sie hier.
GALA: Auf Instagram kritisieren Sie oft Mütter, die andere Mütter kritisieren. Was war das Unverschämteste, was Sie sich jemals anhören mussten?
Laura Karasek: Da gibt es so viel! (überlegt) Krass fand ich, als ich einmal in einem Meeting mit acht anderen Anwälten war und einer meiner Kollegen dann zu mir "Ja Blondie, wir haben’s verstanden" gesagt hat. Das war wirklich entwürdigend! Oder, dass ich "wohl ein kräftiges Organ habe – für eine Frau ganz schön laut" sei. Unverschämt finde ich aber auch diese subtile Kritik an Müttern, wenn Kollegen im Büro zum Beispiel ständig fragen, ob man mal nicht so "langsam nach Hause zu den Kindern" müsste. Oder wenn andere Mütter scheinbar besser wissen, was für die eigenen Kinder gut ist. Erst vor Kurzem habe ich eine Bekannte getroffen, die zu mir gesagt hat: "Witzig, deine Kinder und die Kinderfrau sehe ich immer auf dem Spielplatz – dich seh ich da nie."
Da fehlen einem echt die Worte …
Ja! Und ich könnte noch stundenlang weitermachen. Oft wird mir auch die Frage gestellt, ob ich meine Outfits nicht etwas zu gewagt finde, weil ich ja Mutter bin. Scheinbar darf man sich als Mutter nicht mehr so anziehen wie vor der Schwangerschaft, und wenn es eine Frau dann auch noch wagt, nach der Geburt wieder auf Geschäftsreisen zu gehen … Und Stillen ist auch so ein heikles Thema. Aber nicht nur das, auch medizinische Entscheidungen wie ein Kaiserschnitt werden von anderen gerne beurteilt. Ich habe ja Zwillinge und dass ich deswegen einen Kaiserschnitt hatte, scheint für viele ein Problem zu sein.
Laura Karasek
Laura Karasek
© David Straßburger Fotografie
Wie reagieren Sie auf diese unverschämten Sprüche?
Meistens leider nicht so schlagfertig, wie ich gerne würde. Vor ein paar Monaten, als Bars noch geöffnet waren, hat ein Typ zum Beispiel zu mir gesagt: "Für eine Mutter siehst du echt noch ganz ok aus." Und ich Idiot habe mich aus dem Effekt heraus dann auch noch für dieses vergiftete Kompliment bedankt. Darüber ärgere ich mich dann nachts im Bett. Da fallen einem dann immer die schlagfertigen Antworten ein – ein paar Stunden zu spät …

"Mir, meinen Kindern und meiner Karriere geht’s gut"

Das kann ich mir vorstellen.
Es steht schließlich nirgendwo geschrieben, dass Frauen durch die Geburt eines Kindes das Recht auf kurze Kleider, Lippenstift und Weißweinschorle verwirkt haben. (lacht)
Mir, meinen Kindern und meiner Karriere geht’s gut. Warum sollte man sich also für seinen Lebensentwurf rechtfertigen?
Haben Sie schon immer so gedacht?
Nein. Durch solche Sprüche gerät man manchmal schon in einen Strudel aus Selbstzweifeln. Auch ich. Erst seit einem knappen Jahr habe ich angefangen, mich zu wehren. Und durch die sozialen Medien kann ich blöde Sprüche – natürlich anonym – posten, um Männer sowie Frauen, die mir respektlose Dinge an den Kopf werfen, zu entblößen. Das ist eine ganz gute Waffe. Und natürlich Humor.
Haben Sie Ihr Leben denn früher von der Kritik anderer beeinflussen lassen und zum Beispiel manchmal auf hohe Schuhe verzichtet?
Nein, da war ich trotzig und habe mir gedacht: Jetzt erst recht! Dann habe ich noch kürzere Röcke und noch höhere Schuhe angezogen, um mich nicht verbiegen zu lassen. Oder gibt es eine wissenschaftliche Studie, die belegt, dass ein Minirock Gehirnzellen vernichtet? Aber ich habe Freundinnen, die zum Beispiel keinen Alkohol in der Öffentlichkeit getrunken haben, als ihre Kinder noch klein waren. Die Angst, sich nachher anhören zu müssen, keine gute Mutter zu sein, war zu groß. Für Männer und Frauen gelten einfach andere Regeln, und das ist unfair! Die Frage: "Wer ist denn bei den Kindern, wenn du auf Geschäftsreise bist?" kriegen glaube ich nur Frauen gestellt.

Laura Karasek:  "'Das Traumschiff' war ein kleiner Traum von mir"

Sie waren in diesem Jahr zum ersten Mal in dem ZDF-Klassiker "Das Traumschiff" zu sehen. Wie war’s?
Zum ersten und hoffentlich nicht zum letzten Mal. (lacht) Ich muss mich da noch hocharbeiten, weil ich wirklich gerne nochmal dabei wäre! "Das Traumschiff" war ein kleiner Traum von mir, ich habe als 12-Jährige zum ersten Mal in einer ZDF-Serie mitgespielt, an der Seite von Moritz Bleibtreu. Ich hatte einfach total Lust, mal wieder in eine andere Rolle zu schlüpfen und etwas auszuprobieren.
"Das Traumschiff: Seychellen" mit Florian Silbereisen (l.), Daniel Morgenroth (2.v.l.), Laura Karasek (2.v.r.) und Alena Gerber (r.) sehen Sie an Neujahr um 20:15 Uhr im ZDF.
"Das Traumschiff: Seychellen" mit Florian Silbereisen (l.), Daniel Morgenroth (2.v.l.), Laura Karasek (2.v.r.) und Alena Gerber (r.) sehen Sie an Neujahr um 20:15 Uhr im ZDF.
© ZDF/Dirk Bartling
Aber die Dreharbeiten waren wegen der Coronapandemie in diesem Jahr ja ganz anders …
Ja, leider! Die Seychellen haben mich schon sehr gereizt. (lacht) Aber Bremerhaven war auch echt schön, wir hatten tolles Wetter und haben wunderschöne Sonnenuntergänge gesehen. Dieses "Traumschiff"-Gefühl war trotzdem da, und vor allem die Crew ist wahnsinnig toll. Ich habe mich sofort wohlgefühlt. Und: Wann hat man schon so ein riesengroßes Schiff fast für sich allein? Es waren ja keine Passagiere an Board, deswegen war die Karaoke-Bar auch leider geschlossen.
Leider?
Ja, ich liebe Karaoke! (lacht) Und hätte gerne mit den anderen Passagieren gesungen.
Sind Sie privat auch ein Fan von Kreuzfahrten?
Nein, ich habe noch nie eine Kreuzfahrt gemacht und wir alle wissen ja, wie umweltschädlich diese Art des Reisens ist … Aber ich kann nicht ausschließen, irgendwann vielleicht doch eine Kreuzfahrt zu machen. Außerdem habe ich Flugangst, eine Schiffsreise wäre für mich also deutlich entspannter.

"Ich habe die leise Hoffnung, dass ich 2021 wieder dabei sein darf"

Ihre Rolle auf dem "Traumschiff" ist Teil der Crew. Ist ein Wiedersehen in diesem Jahr nicht ausgeschlossen?
Ich bin ja Azubine und will auf dem Schiff Karriere als Kapitänin machen. Deswegen habe ich die leise Hoffnung, dass ich 2021 wieder dabei sein darf … Wenn ich mich nicht zu blöd anstelle. Das wäre auf jeden Fall ein sehr feministischer Schritt von den Traumschiff-Machern. (lacht)
Apropos Kapitän: Seitdem bekannt ist, dass Sie auf dem Traumschiff zu sehen sind, werden Sie von diversen Medien gerne als "die neue Frau an der Seite von Florian Silbereisen" beschrieben. Stört Sie das?
Nein, das stört mich nicht. Ich bin lieber in Gossip verwickelt, der mit Liebe zu tun hat als mit Hass. Wenn die Leute meinen, dass ich gut zu Florian passen würde, darf ich vielleicht wirklich wieder aufs Schiff. (lacht) Es gibt deutlich schlimmere Schlagzeilen, und Florian ist ein toller Schauspieler und Mensch, ich würde mich geehrt fühlen, wenn er mich zur Kapitänin ausbilden würde.
Das vergangene Jahr war alles andere als einfach, die Coronapandemie hat unser aller Leben ein Stück weit verändert. Wie hat 2020 Sie ganz persönlich geprägt?
Ich habe gemerkt, dass ich Menschen noch mehr liebe und brauche, als ich vorher dachte. Ich bin gern gesellig und es hat mich schockiert, wie leicht unsere Gesellschaft zu spalten ist. Das macht mich traurig und ehrlich gesagt auch ganz schön wütend. Auf der anderen Seite hat es mich sehr berührt, wie solidarisch viele sein können. Und ich habe es genossen, neben der Arbeit mehr Zeit mit meinen Kindern zu verbringen und an meinem dritten Roman zu schreiben. Da geht es auch viel um Frauen und Männer und Macht. "Drei Wünsche" erscheint jetzt erstmal als Taschenbuch nächstes Jahr. Normalerweise habe ich eine ziemlich ausgeprägte Verpassungsangst, aber die hat sich in diesem Jahr durch dieses Gemeinschaftsgefühl echt gelegt.
Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn die Krise einigermaßen überwunden ist?
Aufs Meer. Und eine wilde Party. (lacht)
Verwendete Quellen: eigenes Interview
Gala


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