Lars von Trier: Er bringt alle auf die Palme

Während einer Pressekonferenz in Cannes machte der dänische Regisseur Lars von Trier seinem Ruf als Enfant terrible alle Ehre und verärgerte vor allem Schauspielerin Kirsten Dunst

Lars von Trier gilt in der Filmbranche schon lange als Provokateur. Auf der Pressekonferenz zu seinem neuen Film "Melancholia" am Mittwoch (18. Mai) in Cannes machte er seinem Ruf nun erneut alle Ehre: Auf eine Frage nach seinen deutschen Wurzeln antwortete der Regisseur mit den Worten "Ich bin ein Nazi". Doch damit nicht genug: Von Trier holte noch weiter aus. "Ich dachte lange, ich hätte jüdische Wurzeln und war sehr glücklich damit. Dann stellte sich heraus, dass ich doch kein Jude war. Ich fand heraus, dass ich wirklich ein Nazi war, und auch das bereitete mir einiges Vergnügen. Ich verstehe Hitler", sagte er zum Entsetzen der anwesenden Reporter.

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Kirsten Dunst überspielte die verbalen Ausfälle von Lars von Trier geschickt und lächelte in die Kameras.

Auch Schauspielerin Kirsten Dunst, die in "Melancholia" die Hauptrolle spielt, wirkte sichtlich geschockt. Schließlich hatte der Regisseur auch sie noch kurz zuvor angegriffen und behauptet, Dunst leide unter Depressionen. "Hätte ich das nicht sagen dürfen?", fragte von Trier in die Menge. "Dann vergessen Sie es sofort wieder."

Doch von Trier schaffte es erneut, seine Kollegin zu verärgern: Wenig später berichtete er scherzhaft von seinem neuen Filmprojekt - einem Hardcore-Porno mit Kirsten Dunst. "Ohne viel Dialoge, also so, wie es Frauen mögen".

Die Leitung des Filmfestivals in Cannes reagierte sofort auf die Äußerungen von Triers. Am frühen Abend teilte sie in einem knappen Kommuniqué mit, man werde niemals zulassen, dass Cannes zur Bühne solcher Äußerungen werde.

Lars von Trier ließ daraufhin noch am Mittwochabend über seine PR-Firma verlauten: "Sollte ich jemanden mit meinen Worten heute Morgen bei der Pressekonferenz verletzt haben, entschuldige ich mich von ganzem Herzen. Ich bin nicht antisemitisch oder in irgendeiner Form rassistisch voreingenommen, ich bin auch kein Nazi", hieß es.

Geschadet hat von Trier sein Auftritt auf längere Sicht wohl kaum, galt er doch schon lange als Enfant terrible des Filmbusiness. Die Chancen auf eine weitere Goldene Palme, die wichtigste Auszeichnung des Festivals in Cannes, dürften nun allerdings verschwindend gering sein. Und auch bei Schauspielerin Kirsten Dunst dürfte von Trier seine Sympathien vorerst verspielt haben. "Wenn das in Amerika passiert wäre und nicht in Cannes, wäre das der Karriere-Selbstmord gewesen", sagte sie nach der Pressekonferenz gegenüber dem US-Magazin "Hollywood Reporter".

aze

Update: Die Leitung des Filmfestivals in Cannes hat Lars von Trier am Donnerstagmittag (19. Mai) zur unerwünschten Person erklärt. "Die Festivalleitung bedauert zutiefst, dass dieses Forum von Lars von Trier dazu benutzt wurde, um Kommentare abzugeben, die nicht akzeptabel und untolerierbar sind. Sie stehen im Widerspruch zu den Idealen der Menschlichkeit und Großzügigkeit, die dieses Festival auszeichnen", heißt es in einer offiziellen Erklärung.

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