"Unorthodox"-Star Langston Uibel : "Viele Produktionen können sich hieran ein Beispiel nehmen"

Die Serie "Unorthodox" feiert weltweiten Erfolg. Schauspieler Langston Uibel spricht mit GALA über die Dreharbeiten und warum sich andere Produktionen ein Beispiel an der Serie nehmen können. 

Seit März ist "Unorthodox" auf Netflix zu sehen. Es geht um die Geschichte von Esty, eine junge Frau, die in Williamsburg in New York in einer ultra-orthodoxen Gemeinschaft der Satmarer Chassiden lebt. Nach ihrer arrangierten Hochzeit flieht sie nach Deutschland. In Berlin will sie einen Neuanfang starten und trifft dabei auf eine Gruppe von Musikern. Die Handlung ist angelehnt an das gleichnamige Buch, in dem die Jüdin Deborah Feldmann über ihr Leben und dem Ausstieg aus der Glaubensgemeinschaft schreibt.  

Der deutsche Schauspieler Langston Uibel, 22, verkörpert die Rolle des Axmed. Er ist einer der Musiker, die Esty in Berlin trifft und die zu ihren Freunden werden. Mit GALA spricht er über die Dreharbeiten, die Diversität in der Produktion und das Gefühl von Freiheit. 

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Langston Uibel im Interview mit GALA

GALA: "Unorthodox" wird von Kritikern, Presse und Zuschauern als großer Erfolg gefeiert. Wie war der Dreh für Sie - auch vor dem Hintergrund, dass es sich um ein autobiografisches Werk handelt, angelehnt an dem Leben von Deborah Feldmann?

Langston Uibel: Es waren einfach so ein talentiertes Team und Cast. Der Dreh verlief mit so einem großen Respekt vor den Darstellern, aber auch den Geschichten, die die Charaktere mitbringen. Es herrschte ein sehr achtungsvoller Ton, durch alle Abteilungen durch. Und - für die Hauptdarstellerin wichtiger als für mich -, war es toll, dass Deborah immer zugänglich war. Sie wollten es sehr detailgetreu nacherzählen. 

Also war Deborah Feldmann auch mit am Set und hat sich die Dreharbeiten angeschaut? 

Sie war nicht immer dabei, aber ab und zu da, sodass man Fragen stellen konnte. 

Die Serie wurde auf Englisch gedreht - das war der erste Dreh für Sie in Ihrer Muttersprache. Wie war das für Sie?

Ja, das war die erste Rolle in einer Serie oder in einem Film in meiner zweiten Muttersprache Englisch. Es hat sich ein bisschen wie nach Hause kommen angefühlt, so ein bisschen, als etwas Verlorenes zu finden. Es ist schön, dass ich beide Sprachen sprechen kann. 

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Drehen Sie lieber auf Englisch oder auf Deutsch? 

Ich habe das Gefühl tatsächlich: Jetzt gerade ist mir mehr nach Englisch - dadurch bedingt, dass es meine Muttersprache neben Deutsch ist, genieße ich die Erfahrung. Und ich glaube, dass der englische Markt gerade sehr spannende Projekte bietet und weiß es sehr zu schätzen, wieder angekommen zu sein. 

Warum lieber Englisch? 

Vielleicht, weil ich einfach schon genug Deutsch gesprochen habe (lacht). Nein, ich habe letztes Jahr mit "The Heist" einen Werbefilm für Porsche für den Super Bowl gedreht. Danach habe ich gemerkt, dass ich sehr gut mit der amerikanischen Arbeitsweise zurechtkomme. Es wird nicht so viel gesprochen und eher ausprobiert. Zudem ist es einfach ein Perspektivenwechsel. Jedes Land hat natürlich einen individuellen Blick auf die großen Themen, die uns alle bewegen. Ich empfinde es als großes Privileg, mehrere Sichtweisen und Meinungen kennenzulernen. Ich will auch keineswegs Deutschland den Rücken kehren, aber Abwechslung ist cool. 

"Die Serie ist ein außergewöhnliches Beispiel dafür, wie die Filmproduktion aussehen kann"

Der Cast der Serie ist sehr vielfältig. Shira Haas, die die Esty spielt, kommt beispielsweise aus Israel, Sie kommen aus England beziehungsweise Deutschland. In einem Interview haben Sie gesagt: "Was Film angeht, kann ich nur sagen, dass wir immer die Realität erzählen sollten und dass es nichts Realistischeres gibt als Diversität" - das ist in "Unorthodox" ganz gut gelungen, oder?

Das ist in "Unorthodox" sehr gut gelungen. Die Serie ist ein außergewöhnliches Beispiel dafür, wie die Filmproduktion aussehen kann - von der Besetzung her. Und wie inklusiv sie sein kann. Es war sehr erfrischend und ein Zeichen, dass sich die Sachen in die richtige Richtung bewegen. Viele Produktionen können sich hieran ein großes Vorbild nehmen - in jeglicher Hinsicht. 

In der Serie geht es um Freiheit. Shira Haas hat gesagt: "Am Ende findet Esty ihre Freiheit nicht in Berlin. Sie findet sie in sich selbst".  Was bedeutet Freiheit für Sie? 

Freiheit ist für mich, sein Leben so zu gestaltet, dass man das machen kann, was man möchte. Das geht natürlich nicht immer - aber je mehr das geht, desto freier fühle ich mich. Manchmal muss man sich die erst erkämpfen, die Freiheit. Ich kann Shira da nur zustimmen - selber schränkt man sich am meisten ein. 

Esty flüchtet für ihre Freiheit nach Berlin. In der Serie wird die Stadt offen und vielfältig dargestellt, in der sich Träume verwirklichen lassen. Sie leben selber in Berlin - sehen Sie die Stadt auch so? 

Berlin ist von Kiez zu Kiez einfach extrem unterschiedlich. Ich wohne in Charlottenburg - das ist nicht vergleichbar zu Neukölln oder Berlin Mitte. Ich glaube Berlin kann noch viel dazu lernen im Großstadtsein. Es fühlt sich nicht sehr international an. Es gibt eine kleine Gruppe an Berlinern, die sagen, dass Berlin das tollste ist und man nichts anderes sehen muss - das führt zu einer falschen Arroganz. 

"Netflix hat die interessantesten Stoffe zurzeit"

Sie standen jetzt schon für mehrere Netflix-Produktionen vor der Kamera: "Isi & Ossi", "Dogs of Berlin" und jetzt für "Unorthodox". 

Das war jetzt tatsächlich schon die dritte Netflix-Produktion für mich. Es ist immer schön mit denen. Netflix hat momentan in Deutschland die interessantesten Stoffe mitunter. Ich arbeite sehr gerne mit denen zusammen. 

Sehen Sie Vorteile oder auch Chancen darin, Teil von Produktionen eines Streamingdienstes zu sein? 

Das Reizvolle daran ist, dass du Premiere feierst und dann direkt in 100 Ländern vertreten bist und das dann auch noch in sieben Sprachen übersetzt wird. Das sieht man auch an Unorthodox – es ist ein Erfolg hier, aber auch überall auf der Welt. 

Welche Message sollten wir alle aus "Unorthodox" mit ins Leben nehmen? 

Den Satz "Lass uns ihr doch was Schönes zeigen" von meinem Musik-Kollegen Robert, gespielt von Aaron Altaras. 

Verwendete Quellen: Eigenes Interview 

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