Lang Lang : "Die Leute hielten mich für einen Piano-Nerd"

Lang Lang ist zurück: In GALA spricht er über die Gründe seiner Auszeit und wie er als Kind gedrillt wurde. Außerdem zeigen wir sein neues Video

Er ist einer der großen Musiker unserer Zeit: Am 29. März 2019 erscheint Lang Langs drittes Soloalbum "Piano Book" 

Schon zu Beginn des Interviews mit Lang Lang fühlt es sich an wie ein Treffen mit einem guten Freund. Entspannt trinken wir im Hotel "Bayerischer Hof" in München einen grünen Tee.

Lang Lang: Der Pianist spricht offen über seine Kindheit

Dabei war die letzte Zeit nicht leicht für den Pianisten. Eine Handverletzung zwang ihn 2017 zu einer Pause. Jetzt ist er mit seinem Album "Piano Book" zurück. Ob das den 36-Jährigen so zum Strahlen bringt oder ob er vielleicht doch verliebt ist, verrät der Weltstar nicht. Zumindest hält sich hartnäckig das Gerücht, er habe sich mit der deutschen Pianistin Gina Alice Redlinger, 24, verlobt.

GALA: Wie geht es Ihnen heute nach der Verletzung an Ihrer linken Hand?

Lang Lang: Es ist alles wieder in Ordnung. Zum Glück war es nur eine Sehnenscheidenentzündung, keine Nervenschädigung. Meine rechte Hand war ja noch voll funktionsfähig. Ich bin sogar ein paar Mal aufgetreten. Mit einem Studenten, der den Part meiner linken Hand übernommen hat. 

GALA: Trotzdem dürfte es nicht leicht gewesen sein. 

Lang Lang: Ich habe gelernt, mich in Geduld zu üben. Das war eine gute Lektion. Beruflich lasse ich mich heute nur noch auf Projekte ein, von denen ich hundertprozentig überzeugt bin.

GALA: Geben Sie in Zukunft weniger Konzerte? 

Lang Lang: Ein erfülltes Leben bedeutete früher für mich, 150 Tage pro Jahr auf der Bühne zu stehen. Das ist vorbei. Nun werde ich mich auf 70, 80 Konzerte beschränken. 

GALA: Wie ist das mit Ihrem Ehrgeiz zu vereinbaren? 

Lang Lang: Es kommt allein auf die Qualität an, nicht auf Quantität. Was nützt es mir, einsam an der Spitze zu stehen? 

GALA: Was machen Sie in Ihrer Freizeit am liebsten? 

Lang Lang: Gute Gespräche mit Freunden führen. Daheim lässt es sich mein Vater nicht nehmen, mit Gästen eine chinesische Teezeremonie zu zelebrieren. Er hat sich zu einem exzellenten Teemeister entwickelt.

GALA: In Ihrer Autobiografie schildern Sie, wie Ihr Vater Sie als Kind dazu bringen wollte, sich mit Tabletten das Leben zu nehmen, weil Ihre Klavierlehrerin Sie für untalentiert hielt. 

Lang Lang: Das war furchtbar. Mein Vater stand in dem Moment vollkommen neben sich, doch ich habe die Aufforderung einfach ignoriert und die Pillen nicht geschluckt. Das ist aber ewig her. Mittlerweile sind wir beste Freunde.

GALA: Dauerte es lange, ihm zu verzeihen? 

Lang Lang: Zwei, drei Jahre. Mein Vater ist sehr streng, doch er hatte nie vor, mich zu zerbrechen. Er wollte mir vielmehr helfen, meinen Traum zu verwirklichen. Letztlich hat er sein Leben meiner Karriere gewidmet. 

GALA: Ihre Mutter hatte nicht so große Ambitionen? 

Lang Lang: Sie ist um einiges entspannter. Ginge es nach ihr, dann könnte ich auch als Musikprofessor arbeiten. 

GALA: Stattdessen haben Sie ein neues Album aufgenommen. Gibt es eine Komposition, die Ihnen besonders am Herzen liegt? 

Lang Lang: "Gebet einer Jungfrau" von Tekla Bądarzewska-Baranowska. Das konnte in China jeder mitsummen, weil es die Erkennungsmelodie der Obst- und Gemüselieferanten war. 

GALA: Waren Sie in Ihrer Kindheit ein Außenseiter? 

Lang Lang: Als ich mit neun nach Peking zog, interessierte sich in unserem Viertel keiner für Klassik. Die Leute hielten mich für einen seltsamen Piano-Nerd. Niemand hat verstanden, warum ich dauernd geübt habe.

GALA: Wollten Sie das Klavierspielen je aufgeben?

Lang Lang: Ja. Die Lehrerin, die mich für die Aufnahmeprüfung am Konservatorium vorbereitete, war ein Albtraum. Sie brüllte mich an und nahm mir die Freude an der Musik, ich hatte Angst vor ihr. Für mich war es ein Segen, dass sie mich schließlich rausgeworfen hat. Sonst hätte ich wohl irgendwann mein Klavier zerstört.

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