Lady GaGa: Schrei nach Anerkennung

Lady GaGa will zurück an die Spitze. Dafür ist ihr jedes Mittel recht - und die Gesundheit egal. Warum tut sie sich das an? "Gala" sprach mit engen Weggefährten

Einhundertneunundsechzig Tage Sendepause. Lady GaGa ließ ihre fast 40 Millionen Follower lange auf ein Twitter-Lebenszeichen warten. Gewagt lange für die Frau, die von sich sagt, als "Mother Monster" die Weltherrschaft anzustreben. Doch seit ein paar Tagen rollt er wieder durch die Medien, der GaGa-Tsunami: Die 27-Jährige posiert nackt in einem Video der Künstlerin Marina Abramovic, rasierte sich die Augenbrauen ab und zog für das "V-Magazine" blank. Duschen, verriet sie, würde sie dagegen gern bekleidet. Ihr zu entkommen? Unmöglich. Doch ihre Omnipräsenz wirkt verzweifelt. Von dem neuen Album "Artpop" erwartet die Welt schließlich, ein Meisterwerk zu sein. Am 25. August tritt GaGa mit der Single "Applause" bei den "MTV Music Video Awards" in New York auf.

Selbstvermarktung um jeden Preis - damit stellt Lady GaGa sogar Madonna und Rihanna in den Schatten. Eigentlich müsste sie sich noch schonen. Erst im Februar hatte sie wegen eines angerissenen Hüftgelenks und einer Gelenkentzündung ihre Welttournee absagen müssen. Wochenlang saß sie im Rollstuhl. In Wirklichkeit, so erzählte GaGa nun in einem Interview, stand sie damals sogar kurz vor einem Hüftbruch. Eine Not-Operation habe den Super-GAU verhindert. Das schlimme Fazit: Ihr zierlicher Körper war unter dem Nonstop-Popstar-Programm, das seit rund vier Jahren läuft, kollabiert. Dass sie nun wieder auf schwindelerregenden High Heels rumstöckelt und sich für das Kunstvideo verbiegt, ist Gift für ihre Gesundheit.

Dieses Bild ist wenige Monate alt: Nach ihrer Hüft-Operation lässt sich die Künstlerin im Rollstuhl durch New York schieben.

Was treibt Stefani Joanne Angelina Germanotta nur an, sich wieder so erbarmungslos in die Tretmühle des Musikbusiness zu stürzen? "Gala" erreicht Brendan Sullivan am Telefon. Der New Yorker DJ hat den Aufstieg von Gaga hautnah erlebt. 2006 lief er der damals 20-Jährigen in der Partyszene der Lower Eastside über den Weg. Zusammen traten sie auf. "Als Lady Gaga jetzt die Welttour absagen musste, war sie am Boden zerstört. Deswegen will sie, dass dieses Album ein riesiges Comeback wird", sagt Sullivan.

Fashion-Looks

Der Style von Lady GaGa

Wow, was für eine Lady in Red spaziert denn hier durch die Straßen von Paris? Keine Geringere als Sängerin Lady GaGa. Ihr stylishes Midi-Kleid mit Schleifen-Applikation am Hals stammt von dem amerikanischen Label "CO". Zum Kleid kombiniert die Sängerin eine Cat-Eye-Brille im 60's Look und schwarze klassische Pumps - très chic!
Wer den Leo-Look liebt, sollte sich eines merken: Je mehr Raubkatze, umso wilder das Outfit. Daher gilt die Fashion-Regel: Lieber einen Gang zurückschalten und nur ein Stück mit dem Animal-Print tragen. Doch Lady Gaga folgt ihrem ganz eigenen Mode-Gesetz. Bei ihr ist mehr einfach mehr. 
Am Abend des gleichen Tages geht Lady Gagas Kostüm-Show weiter. Von der Raubkatze verwandelt sie sich in ein Crew-Mitglied von "Star Trek". Beam her up, Scotty!
Rodeo scheint am Tag zuvor das Motto von Lady Gaga zu sein. Ein paar Inspirationen könnte sich die Sängerin aber auch aus "Fifty Shades of Grey" geholt haben. Was für ein skurriler Mix aus Lederriemen, Cowboy-Accessoires und Diva-Attitüde.

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Über seine Zeit mit Gaga hat er das Buch "Rivington Was Ours" geschrieben, das jetzt in den USA veröffentlicht wird. Weil sie so ehrgeizig sei, schone sie sich nicht: "Sie kann mit ihrer Berühmtheit eben nur schwer Schritt halten." Ein anderer früherer Vertrauter sieht die Sache noch kritischer: Bob Leone, für sechs Monate Gagas allererster Manager. Der New Yorker, der früher bei der amerikanischen Organisation "Songwriters Hall Of Fame" arbeitete, war 2006 Gagas Türöffner ins Geschäft. "Sie mutet sich viel zu viel zu und setzt sich unter Druck, die Beste zu sein", sagt er "Gala". "Wenn es um ihre Karriere geht, war sie immer schon aggressiv."

Gala: Inhaltsverzeichnis

Gala

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Dass GaGa dafür über Leichen geht, musste Leone selber schmerzlich erleben. Von ihm trennte sie sich urplötzlich, nachdem er ihr zu einem Plattenvertrag verholfen hatte. Es habe nur eine mündliche Vereinbarung zwischen ihnen gegeben, gibt Leone zu. Aber nicht nur ihm sei es so ergangen. Er ist wütend. "Sie hat so ziemlich jeden fallen gelassen, der früher für sie da war. Wir sind alle sehr respektlos von ihr behandelt worden." Auch heute springt Lady GaGa nicht zimperlich mit ihren Angestellten um. Der "Sun" berichtete kürzlich ein ehemaliges Crew- Mitglied, dass die "Poker Face"-Sängerin eine Persönlichkeitsstörung habe, zwischen Bühnenfigur und Realität nicht mehr unterscheiden könne und ihre Mitarbeiter drangsaliere. Gagas ehemalige persönliche Assistentin verklagte ihre Chefin wegen nicht bezahlter Überstunden auf rund 300 000 Euro Schadensersatz. Ende des Jahres beginnt der Prozess.

Den Grund für Lady Gagas ungesunden Ehrgeiz sieht Bob Leone in den vielen Verpflichtungen, die eine Karriere als Popstar heute mit sich bringt - und in dem schwierigen Verhältnis zwischen GaGa und ihrem Vater Joe. Der habe seine Tochter früher emotional misshandelt, weil er nicht an ihre Karriere geglaubt habe. Leone räuspert sich. "Man musste damals kein Psychologe sein, um zu erkennen, dass sie mehr als alles in der Welt die Anerkennung ihres Vaters wollte."

Mittlerweile hat GaGa mit ihrem Dad Frieden geschlossen. Doch die Weltherrschaft will sie trotzdem. Koste es, was es wolle.

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