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Lou Doillon im Interview Mit Mama Jane Birkin gegen die Corona-Krise

Lou Doillon
Lou Doillon
© Getty Images
Lou Doillon bekommt im Kampf gegen die Corona-Stimmungskrise Unterstützung von ihrer Mutter Jane Birkin. Wie die beiden mit Musik und Poesie gegen schlechte Laune vorgehen, verrät die Sängerin im GALA-Interview.

Eigentlich sollte sie gerade mit ihrem Album "Soliloquy" auf Tour sein. Stattdessen sitzt Lou Doillon, 37, seit Mitte März wegen Corona in ihrer Pariser Wohnung fest. Die Sängerin kocht Hausmannskost, putzt Fenster und backt Kuchen für ihre Mutter Jane Birkin, 73. Wie alle Franzosen wartet sie darauf, dass die Ausgangssperre aufgehoben wird. Bis dahin veranstaltet sie jeden Tag um Punkt 17 Uhr ein Instagram Live, bei dem sie Gedichte vorliest und ihre 381.000 Follower mit Musik unterhält.

Lou Doillon: Mini-Konzerte auf Instagram

Im GALA-Interview verriet die Halbschwester von Charlotte Gainsbourg, 48, warum sie der erzwungenen Isolation durchaus positive Seiten abgewinnen kann und wie ihre Mutter zum heimlichen Star der Instagram Sessions wurde.

GALA: Wie sind Sie auf die Idee mit der täglichen Lese-und Musikstunde gekommen?
Ich dachte mir "Was kann ich tun, damit die Zeit für all die Leute, die zuhause feststecken und sich einsam fühlen, schneller vergeht?". Und dann habe  ich einfach damit angefangen. Es war instinktiv und nach ein paar Tagen habe ich gemerkt, dass ich die Menschen nicht im Stich lassen will, obwohl es viel Arbeit ist, das jeden Tag vorzubereiten. 

Sie bekommen viel Lob und Liebe für die Sessions. Überrascht Sie der Erfolg?
Ich war überrascht, dass die Leute das scheinbar brauchen. Als ich gespürt habe, dass ich gebraucht werde, stand außer Frage, dass ich weitermache. Ich spiele viele Cover-Songs und lese Gedichte, die meine Fans mir schicken. Nach drei Wochen hatte ich all meine Lieblingsgedichte durch und brauchte die Hilfe der Community. Es ist wunderbar, zu sehen, wie viele Leute mir Texte schicken. Ich entdecke viele Gedichte, die ich noch nicht kannte. Dieser Austausch ist wunderschön. 

Jane Birkin als Sidekick                      

Ihre Mutter ist regelmäßig als "Sonderkorrespondentin" bei den Lives dabei. Das scheint ihr viel Spaß zu machen.
Das Problem ist die Einsamkeit. Im Gegensatz zu meinem Vater (dem Regisseur Jacques Doillon, Anm. d. Red.) kann meine Mutter nicht allein sein. Sie war in ihrem ganzen Leben nie allein. Sie geht jeden Abend ins Theater und hat immer Menschen um sich. Sie spielt in Filmen mit, gibt Konzerte und bald veröffentlicht sie zwei Bücher. Sie ist ein Workaholic. Ich bin ausgeflippt bei dem Gedanken, dass sie durchdrehen könnte, wenn sie nichts zu tun hat. Deshalb habe ich sie einmal zu Instagram dazu geholt. Und jetzt ist es ein Alptraum [lacht]. Jeden Tag um kurz vor fünf ruft sie mich per Skype an "Ich bin hier, ich habe ein Buch gefunden, es kann losgehen." Heidi Klum

Ihre Fans lieben ihre Mutter!
Die Sessions spenden nicht nur meinen Fans Trost, sondern auch meiner Mutter und das berührt mich sehr. Dadurch hat sie eine Aufgabe. Sie ist den ganzen Tag damit beschäftigt, zu planen, was sie sagen und vorlesen wird. Das hilft ihr, mit der Situation umzugehen. Und die Leuten lieben sie. Meine Mutter hat ihr ganzes Leben lang viel Liebe gegeben und viel Liebe erhalten. Sie ist ein bisschen wie ein Junkie, sie kann nicht ohne Publikum leben.   

Lou Doillon spielt Gitarre, Mama Jane Birkin hört per Skype zu
Lou Doillon spielt Gitarre, Mama Jane Birkin hört per Skype zu
© instagram.com/loudoillon

Wie gehen Sie mit der Ausgangssperre um?
Ich wohne mit meinem 17-jährigen Sohn Marlowe und meinem Freund zusammen. Wir alle haben aber eine Tür, die wir zumachen und hinter der wir uns zurückziehen können. Das hilft. Darüber hinaus ist mein Leben schon immer sehr chaotisch gewesen. Manchmal bin ich völlig isoliert, dann wieder auf Tour und von Menschen umgeben. Mein Leben spielt sich zwischen Extremen ab. Mein Sohn war mal eine Woche mit mir auf Tour. Danach war er erschöpft und sagte "Ich könnte das nicht." [lacht]. Wenn ich neue Musik schreibe, ziehe ich mich monatelang zurück, fühle mich deprimiert und verlassen. Also eigentlich durchlebe ich dann das, was wir alle grad durchmachen. Als Künstler sind wir an solche Situationen gewöhnt, aber natürlich ist die aktuelle Situation etwas Besonderes, weil so ein Damoklesschwert über uns hängt. Es ist kein guter Zeitpunkt, kreativ zu sein. Ich begnüge mich im Moment damit, für meinen Sohn da zu sein, zu staubsaugen, die Fenster zu putzen und einmal am Tag Gedichte vorzulesen.     

Ihre Mutter hat Sie nach einem Werk des französischen Dichters Guillaume Apollinaire benannt. Wurde Ihnen die Liebe zur Literatur in die Wiege gelegt?
Ich bin mit Poesie aufgewachsen. Wie jedes gute französische Mädchen habe ich mit Rimbaud, Apollinaire und Verlaine angefangen und fand das wunderschön und so intellektuell. Als ich 16 war, habe ich Dorothy Parker und Edna St. Vincent Millay entdeckt - das hat mich umgehauen. Die Frauen waren so deutlich und lustig und skrupellos. Ich, die immer zu wild war, um eine Muse zu sein, habe gemerkt, dass Frauen keine Musen sein müssen. Sie können ihre Sensibilität nutzen, um selbst zu schreiben. Es gibt viele männliche Dichter, die ich bewundere, aber Frauen treffen immer ins Schwarze. Als Frauen haben wir eine andere Verantwortung als Männer, unsere Körper sind näher an der Erde und das bemerkt man in den Gedichten.


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