KT zu Guttenberg: Vorerst wieder da

Auf- und Abstieg im Zeitraffer: Diese Politkarriere macht schwindelig - und hat hohen Unterhaltungswert

Karl-Theodor zu Guttenberg

Hehre Pläne und Rekord-Sympathiewerte,

Enthüllungen über seine Doktorarbeit, dramatischer Rücktritt am 1. März, Umzug nach Amerika, schließlich ein Buch mit Erklärungsversuchen und ein berufliches Comeback als Internet-Berater der EU-Kommission ... Irgendwie hat Karl-Theodor zu Guttenberg es ziemlich eilig gehabt in diesem Jahr. Kein anderer Politiker erhitzt die Gemüter mehr als der ehemalige Bundesverteidigungsminister, kein anderer polarisiert so sehr wie der Freiherr aus Franken. Ein Mensch als Phänomen, das von Illner bis Will zum Ende des Jahres wieder mal die Talkshows beschäftigte, von "FAZ" bis "Bild" die Seiten füllte. Und das doch keiner wirklich erklären kann. Klar ist: Mit ihm ist weiter zu rechnen. Weder der Plagiatsnachweis noch die Aberkennung des Doktortitels oder das Strafverfahren (inzwischen gegen eine Zahlung von 20000 Euro eingestellt) konnten ihn stoppen. Mit neuem Look - ohne Gel und Brille - meldete er sich im November beim "International Security Forum" in Kanada zurück.

Bei einer Podiumsdiskussion im kanadischen Halifax meldete sich Karl-Theodor zu Guttenberg, 40, im November zurück - neun Monate nach seinem Rücktritt als Verteidigungsminister.

Hand in Hand: Stephanie zu Guttenberg, 35, steht auch in der Krise zu ihrem Mann.

Äußerlich verändert, präsentierte zu Guttenberg allerdings seine alten Eigenschaften: Rhetorisch geübt und ohne Rücksicht auf frühere Weggefährten, nicht mal in seiner Partei, der CSU, schalt er die politische Klasse im Allgemeinen und die deutsche Regierung im Besonderen. Eine Einstimmung auf sein Buch "Vorerst gescheitert", das eine Woche später veröffentlicht wurde. Drei Tage lang hatte "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo ihn dafür in London interviewt. Zu Guttenberg gestand "fatale Fehler" in seiner Doktorarbeit ein und eine "chaotische Arbeitsweise". Absichtlich getäuscht habe er aber nicht. Echte Reue sieht anders aus. Derzeit soll er in seiner Übergangsheimat Connecticut, wohin er im August mit Ehefrau Stephanie und den beiden Töchtern gezogen war, an einer neuen Doktorarbeit schreiben. Um seine akademische Rehabilitierung zu sichern. Und irgendwie auch seine politische. Es bleibt spannend. Tatjana Detloff

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