Königshaus in Spanien: Ein Traum zerplatzt

Wurde bei der spanischen Königsfamilie jahrelang nur der schöne Schein gewahrt? Die Meldungen über die Eskapaden von König Juan Carlos erschüttern das ohnehin krisengeplagte Land

Juan Carlos

Sie blieb nur fünfzehn Minuten.

Dann verließ Königin Sofia, 73, das San-José-Hospital wieder. Vor den wartenden Reportern und Fotografen gab sie sich stark und lächelte tapfer in die Kameras. Doch Insider behaupten, sie habe nicht einmal für diese befremdlich kurze Zeit von einer Viertelstunde am Bett ihres Mannes Juan Carlos, 74, gesessen, sondern sich in der Krankenhauskantine verkrochen. Merkwürdig genug: Obwohl der König bereits tagelang wegen seiner gebrochenen Hüfte das Krankenbett gehütet hatte, besuchte sie ihn erst am Montag - nach der Rückkehr aus ihrer Heimat Griechenland, wo sie mit ihren Geschwistern die orthodoxe Osterfeier beging. Trotz des Unfalls ihres Mannes während einer Safari in Botswana hatte sie sich dafür entschieden, ins Flugzeug nach Athen zu steigen. "Die Königin überlässt nichts dem Zufall. Wenn sie den König fünfzehn Minuten lang besuchte, dann weil sie glaubte, dass es das war, was sie zu tun hatte", meint Carmen Enríquez, Co-Autorin des Buches "Doña Sofía. La Reina habla de su vida" ("Die Königin erzählt aus ihrem Leben") zu "Gala".

Scheinbar glücklich geeint verlässt die Königsfamilie nach der Ostermesse die Kathedrale von Palma de Mallorca - auch Felipes und Letizias Töchter Sofia und Leonor sind dabei. Alles nur Fassade?

Kaum vorstellbar, wie es in diesen Tagen in der Monarchin aussehen muss. Denn täglich dringen mehr Details über die jahrelangen außerehelichen Kapriolen ihres Gatten an die Öffentlichkeit. Von insgesamt 1500 Geliebten ist mittlerweile die Rede, von wilden Motorradausflügen mit Freunden und Amüsier-Eskapaden auf Mallorca. Die heile Welt der vermeintlichen Vorzeigefamilie, die in der Vergangenheit in den spanischen Medien zelebriert wurde, gerät immer mehr ins Wanken. Stattdessen wird vor allem eine Frage immer lauter: Hat das Königspaar jahrelang in einer Scheinwelt gelebt? "Es ist wahr, dass sie mittlerweile mehr eine Freundschafts- denn eine Paarbeziehung haben. Aber das kommt nach 50 Jahren in vielen Ehen vor. Sie sind aber immer noch ein Team", sagt Enríquez, die das Königspaar achtzehn Jahre lang als Korrespondentin des spanischen öffentlichrechtlichen Fernsehen TVE auf Reisen begleitete.

Tatsächlich ist es noch eine ganz andere besondere Freundschaft, die in diesen Tagen halb Europa in Atem hält: Die Bekanntschaft von König Juan Carlos mit Corinna zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, 47, gilt als einer der Hauptgründe, warum die spanische Monarchie und die gesamte Königsfamilie in ihrer tiefsten Krise steckt. Als erste berichtete Pilar Eyre in ihrem in Januar erschienen Buch "Sofía: Una Vida. La Soledad De La Reina" ("Die Einsamkeit der Königin") von dieser Bekanntschaft. Anders als etwa in Deutschland, traute sich in Spanien nur die Boulevardpresse, dieses Gerücht aufzugreifen und damit das letzte große Tabu zu brechen. Das Magazin "Lecturas" druckte ein großes Foto der Adligen und berichtete von einer traurigen Königin Sofia, die "einsamer denn je" sei. Konservative und regierungstreue Medien möchten die Gerüchte um den Monarchen und die Deutsche am liebsten komplett ignorieren. Denn sie wissen nur zu gut: Weitet sich dieser Skandal aus, könnte er das baldige Ende der Monarchie bedeuten. Das wäre ein Debakel für das ohnehin schon krisengeplagte Land. Und für die Königsfamilie sowieso.

Der König und die Deutsche: Juan Carlos und Corinna zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg beim Laureus Sport Award 2006 in Barcelona. Der spanische König ist Schirmherr der Veranstaltung.

Der Knackpunkt: Corinna zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, geschieden vom Prinzen Casimir zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, soll Juan Carlos auf seine umstrittene Safari nach Botswana begleitet haben. Nur wegen seines Unfalls und der darauffolgenden Hüftoperation in Madrid erfuhr die Öffentlichkeit von dem 40.000 Euro teuren Trip, der eigentlich geheim bleiben sollte. Das Volk war empört: Ist es der richtige Zeitpunkt, um für viel Geld in Botswana Elefanten zu jagen, wo Spanien inmitten einer schweren Wirtschaftskrise steckt? Gleichzeitig kündigte die konservative Regierung Spaniens milliardenschwere Kürzungen im Gesundheits- und Erziehungswesen an. Zwar soll die Safari von einem syrischen Freund des Königs bezahlt worden sein - im Volk gilt sie trotzdem als völlig unangemessen.

Hoffnungsträger: Kronprinz Felipe, 44 und seine Frau Letizia, 39. An ihnen liegt es nun die Monarchenkrise in Spanien abzuwenden.

Von der weiblichen Begleitung des Monarchen erfuhr man zunächst nichts. Nur das spanische Online-Portal "El Confidencial" veröffentliche Details. Das Brisante: Der Artikel stammte von José Antonio Zarzalejos, Palast-Insider und Ex-Chefredakteur der monarchistischen Zeitung "ABC". Und ausgerechnet der schrieb jetzt, dass die Prinzessin schon öfter bei Auslandsreisen des Königs dabei gewesen sein soll. Laut Zarzalejos sei der König von der familiären Krise "völlig überwältigt", Juan Carlos und Sofia sollen "praktisch getrennt" leben, ihre Ehe "öffentlich gescheitert" sein. "Es tut mir sehr leid. Ich habe mich geirrt, und das wird nicht wieder vorkommen", sagte Juan Carlos noch im Krankenhaus nach seiner Hüftoperation. Als der König sich zum ersten Mal in der Geschichte Spaniens öffentlich entschuldigte, wussten die Spanier nicht richtig, welchen konkreten Fehler er damit wohl meinte. Die Elefantenjagd? Die deutsche Begleiterin? Vergeben haben sie ihm trotzdem mehrheitlich, wie eine Umfrage der Zeitung "El Mundo" belegt: 70 Prozent akzeptieren seine Entschuldigung, obwohl 52 Prozent meinen, das Ansehen des Königshauses habe Schaden genommen. Eine Umfrage der Zeitung "El Rázon" ergab sogar, dass 35 Prozent der Spanier meinen, der König solle abdanken. 53 Prozent sind dagegen.

Juan de Borbon und Maria de las Mercedes mit ihren Kindern: Margarita, Juan Carlos, Pilar und Alfonso 1949, im Garten ihrer Residenz "Villa Giralda". 7 Jahre später starb Alfonso als sich bei der Reinigung eines Revolvers ein Schuss löste. Juan Carlos, damals 18, war der einzige Zeuge.

Zahlen, die nicht nur den Hof, sondern auch die spanische Regierung alarmieren. Vor allem jetzt, wo das Land tief in einer Wirtschafts- und Sozialkrise steckt, ist die Monarchie als Element des Zusammenhalts wichtiger denn je. Die Beliebtheit der Königsfamilie vereinigt traditionell Spanier aus allen Ecken und Lagern. Juan Carlos selbst wird immer wieder als perfekter Botschafter Spaniens im Ausland gepriesen. Sein Ansehen in Lateinamerika ist groß, seine Freunde im Mittleren Osten sind zahlreich. Doch es ist nicht der König allein, der zuletzt für Imageprobleme der Königsfamilie sorgte. Schon vor Wochen erschütterte die Korruptionsaffäre um Iñaki Urdangarín, den Ehemann der Infantin Cristina, die spanische Gesellschaft. Zuletzt wurden Mails gefunden, die nahelegen, dass der König selbst Teil der sogenannten Amigo-Affäre gewesen sei. Dass Cristina dabei absolut unschuldig ist, mag keiner mehr glauben. Dann musste das älteste Enkelkind des Königspaars, Felipe Juan Froilán, 13, wegen eines Gewehrschusses am rechten Fuß operiert werden. Sein Vater, Jaime de Marichalar, musste vor Gericht aussagen, denn das Gewehr, das der Sohn der ältesten Königstochter Elena versehentlich betätigt hat, ist eigentlich erst ab vierzehn Jahren erlaubt. Eins steht fest: Auf Kronprinz Felipe wartet ein hartes Stück Arbeit. Kann er das Ansehen der spanischen Monarchie wieder herstellen? Während sein Vater jetzt im Krankenhaus lag, übernahm er zwar sämtliche Termine - doch so richtig hatte der Thronfolger noch keine Gelegenheit zu beweisen, was in ihm steckt. Grundsätzlich kann er mit dem Wohlwollen der Spanier rechnen. Felipe gilt als beliebt, noch beliebter ist er aber durch seine Frau Letizia, die dem Volk als Bürgerliche einfach näher steht. Und das Beste: Jeder weiß, dass es - anders als beim Königspaar - eine echte Liebesheirat war. Sol Cabrera Mitarbeit: Alexander Nebe, Stefanie Richter

Spaniens Königspaar

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