Königin Beatrix: Hoffen auf ein Wunder

Nach dem schweren Skiunfall ihres zweitältesten Sohns bekommt Hollands Königin Beatrix Unterstützung von der ganzen Familie

Königin Beatrix

Die beiden Frauen, Schwiegermutter und Schwiegertochter, halten sich regelrecht aneinander fest.

Ihre verweinten Augen verbergen sie hinter Sonnenbrillen. Vor allem Königin Beatrix, so scheint es, würde die wenigen Schritte von ihrer BMW-Limousine in die Universitätsklinik Innsbruck wohl nicht ohne Schwiegertochter Mabel als Stütze schaffen. Jeden Tag fahren die beiden jetzt die 125 Kilometer von Lech am Arlberg, wo sie im Hotel "Gasthof Post" logieren, ins Krankenhaus, um am Bett von Prinz Johan Friso zu wachen. Nach seinem schweren Skiunfall liegt er auf der Intensivstation im künstlichen Koma, kämpft um sein Leben.

Von den Ereignissen gezeichnet: Königin Beatrix, 74, mit Johan Frisos Frau Mabel auf dem Weg in die Innsbrucker Klinik.

Dem noblen Wintersport-Ort Lech hält die Königsfamilie seit Jahrzehnten die Treue - jetzt ist er für sie zum Ort des Schreckens geworden. Gerade Johan Friso, der zweitälteste Sohn der Königin, liebte die jährlichen Schneeferien so sehr. Er galt immer schon als brillanter Skifahrer und Tiefschnee- Spezialist, übte bereits mit drei Jahren unter Anleitung seiner Mutter und seines Vaters Prinz Claus begeistert erste Schwünge. Offenbar, weil er seinem eigenen Können hundertprozentig vertraut, wagt sich der 43-Jährige an jenem verhängnisvollen Freitag vergangener Woche überhaupt auf den Berg. An jedem Lift leuchten Warnlampen, die auf das hohe Risiko aufmerksam machen: Es herrscht Lawinenstufe vier auf einer Skala von fünf. Das heißt: "Die Auslösung einer Lawine ist bereits bei geringer Zusatzbelastung an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich." Einen solchen Hang, anspruchsvoll und abseits der Pisten, suchen sich Johan Friso und sein Freund, "Gasthof Post"-Hotelier Florian Moosbrugger, für ihre Abfahrt aus. Am Morgen sind dort noch vorsorgliche Sprengungen vorgenommen worden, weil so viel Schnee liegt.

Die Freunde sind ausgerüstet mit Helmen und Lawinenpeilsendern, Moosbrugger trägt zudem einen Lawinen-Airbag. Der rettet ihm wahrscheinlich das Leben, als sich tatsächlich eine Lawine löst. Johan Friso jedoch wird verschüttet, liegt 40 Zentimeter unter dem Schnee, bis die Bergrettung per Helikopter eintrifft und ihn befreit. Die Männer sind schnell da - aber es könnte trotzdem zu lange gedauert haben. Gut 20 Minuten ist der Prinz ohne Sauerstoff. In den ersten 15 Minuten, so heißt es, haben Lawinenopfer gute Chancen, keinerlei dauerhafte Hirnschädigungen davonzutragen. Danach kann es kritisch werden. Der Schicksalsschlag für Hollands Königsfamilie kommt zu einem Zeitpunkt, da alles gut schien in der Oranje-Monarchie. Die Königin wolle demnächst das Zepter an Kronprinz Willem-Alexander übergeben, hieß es, doch jetzt steht die Sorge um Johan Friso über allem. Noch am Abend des Unglückstags kamen auch das Thronfolgerpaar Willem-Alexander und Máxima mit seinen Kindern sowie Beatrix’ jüngster Sohn Constantijn, ebenfalls mit Familie, nach Lech. Der für Montag angesetzte traditionelle Fototermin wurde sofort abgesagt.

Vor genau einem Jahr: Prinz Johan Friso in Lech mit seinen Töchtern Luana, 6 (l.), und Zaria, 5, sowie Ehefrau Mabel, 43.

Um Johan Frisos Töchter wenigstens ein bisschen abzulenken, gingen Willem-Alexander und Máxima am Sonntagmorgen mit den beiden Mädchen Skifahren. Königin Beatrix und Mabel fuhren da gerade wieder in die Klinik. Martina Ochs

Themen

Erfahren Sie mehr:

Star-News der Woche