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Kim Tränka "Hört auf, jedem Kind einen Namen zu geben"

Kim Tränka: Prince Charming über das Küssen im TV
Kim Tränka, der neue Prince Charming
© instagram.com/kim_tnka/
Nach der aktuellen Staffel "Princess Charming" steht schon die neue und nunmehr dritte Staffel "Prince Charming" in den Startlöchern. Im Rahmen der "Pride Week" sprach GALA mit Kim Tränka über das Flirten vor der Kamera und warum er sich nicht immer mit der Community identifizieren kann.

Mit dem Bremer Kim Tränka steht der neue "Prince Charming" bereit, um im Fernsehen seine große Liebe zu suchen. Doch wie fühlt es sich an, sich selbst beim Küssen und Daten beobachten zu können? 

GALA: Du bist der neue "Prince Charming" - wie groß ist die Aufregung mit Blick auf die Ausstrahlung? Immerhin steigt damit nicht nur das Medieninteresse, sondern auch Fans und Follower werden zunehmen. Wie wirst du mit der Aufmerksamkeit zurechtkommen?
Kim Tränka: Ich muss gestehen, die ganzen Themen "Öffentlichkeit" und "Follower" blende ich derzeit noch aus. Der Moment, in dem das ausgestrahlt wird, darauf freue ich mich am meisten. Das Ganze noch einmal zu sehen und diese Flashbacks zu haben. Für mich ist das alles noch total surreal. Alles andere blende ich noch komplett aus. Ich bin Letztenendes nur Kim aus Bremen, der versucht hat, seine große Liebe zu finden.

Du lässt das Ganze also erst einmal entspannt auf dich zukommen und schaust dann, wie du damit umgehst?
Natürlich, nachdem bekannt wurde, dass ich der neue Prince Charming bin, und ich zurück nach Deutschland kam (von den Dreharbeiten, Anm. d. Red.), habe ich mich mit den ersten Kommentaren beschäftigt – auch mit ein paar negativen. Lange Haare sind halt nicht jedermanns Geschmack, aber dessen bin ich mir bewusst gewesen. Aber das ist völlig in Ordnung. Es gibt mehr als 80 Millionen Menschen in Deutschland und nicht jeder schreit "Juhu", wenn er mein Gesicht sieht.

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Hast du ein mulmiges Gefühl, wenn du daran denkst, dich selbst beim Flirten und im Umgang mit einem potenziellen Partner beobachten zu können?
Da wird es ganz sicher Momente geben, in denen ich mir denke: "Ups, was passiert da auf einmal?" Machen wir uns nichts vor. Niemand hat sich selbst mal beim Küssen gefilmt. Wenn man das das erste Mal im Fernsehen sieht, denkt man sich wahrscheinlich auch: "Oh Gott, das ist aber nicht sehr kamera-like". Aber in dem Moment ist es vielleicht schön und innig gewesen. Ich denke, das gehört einfach dazu.

Was bedeutet es dir, dass nach so vielen Jahren, in denen im deutschen Fernsehen lediglich Männer Frauen und Frauen Männer suchen durften, ein Format wie Prince Charming und Princess Charming entstanden ist?
Ich finde es wahnsinnig gut. Ich war am Anfang selbst etwas skeptisch, als die erste Staffel rausgekommen ist. Da habe ich es natürlich auch mit Freunden geschaut und mich gefragt, ob das wirklich so repräsentativ ist für das ganze Schwulsein und die Community.

Je mehr ich mich aber damit beschäftigt habe, desto klarer wurde mir: Das muss sein. Auch wenn der ein oder andere Hetero sagt, dass es ihm eine Spur too much ist. Genau das ist wichtig. Nicht jeder Mensch ist gleich. Egal ob jemand hetero, schwul, lesbisch, bi oder was auch immer ist – es gibt immer ein Extrem, bei dem jemand anderes sagt, das ist mir eine Nummer zu viel.

Viele Aussagen, egal von wem, werden aus Unwissenheit getroffen. Ich merke das auch bei mir. Die Staffeln haben mich selbst noch ein Stück aufgeklärt darüber, wie andere schwule Männer Schwulsein empfinden, was sie erlebt haben. Das finde ich wichtig. Damit einfach ein bisschen mehr Verständnis von ALLEN Seiten kommt.

Die Einschaltquoten und die Reaktionen der Zuschauer und Zuschauerinnen deuten darauf hin, dass der Schritt längst überfällig war.
Absolut. Die ersten Folgen der neuen Princess Charming, Irina, waren natürlich spannend, aber auch einfach unterhaltsam und informativ. Das Schwulsein rückt seit einigen Jahren doch etwas häufiger in den Fokus und wird vielleicht auch offener kommuniziert. Aber lesbisch zu sein ist in der Öffentlichkeit gefühlt immer noch der schmutzige Traum der Heteromänner. Aber das hat mit wahren Gefühlen und wahrer Liebe zu tun. Die Themen, die bei "Princess Charming" besprochen werden, finde ich sehr wichtig und für mich sehr informativ.

Mit der Teilnahme an einer Datingshow mit schwulen Männern wird man schnell zum Aushängeschild oder Sprachrohr der Community. Hat dich dieser Aspekt bei deiner Entscheidung zur Teilnahme beeinflusst?
Ja, darüber habe ich mir im Vorfeld Gedanken gemacht. Und natürlich sind da Punkte, die ich offen kommuniziere und bei denen ich noch meine Defizite habe oder Punkte der Community, mit denen ich mich nicht identifizieren kann. Das Thema "Community" finde ich eh schwierig. Es ist eine Form der Abgrenzung. Eigentlich wollen "wir" dazugehören, aber durch das Thema "Community" grenzen wir uns ab. Wir wollen nicht gelabelt werden; fangen aber selber sehr schnell an zu labeln.

Das hat Elsa in der letzten Folge (Princess Charming, Anm. d. Red.) so schön gesagt. Wir müssen das alles nicht labeln. Egal ob schwul lesbisch oder bi – am Ende ist es Liebe. Das ist ein Punkt, der kann noch mal ganz, ganz laut nach Außen kommuniziert werden.

Hört auf, jedem Kind einen Namen zu geben. Dann ist die Gefahr geringer, jemanden zu verletzen oder zu diskriminieren.

Dein Coming-Out hast du als "unkompliziertestes und schönstes Outing, was sich ein schwuler Mann nur wünschen kann" beschrieben. Deine Mutter habe dir den Schritt abgenommen. Wie müssen wir uns das vorstellen?
Es war tatsächlich super entspannt. Ich hatte damals bereits einen Partner, der meiner Mutter aber immer nur als mein Trainer bekannt war. Wir hatten dann Streit und ich war zu Besuch bei meinen Eltern. Meine Mutter fragte mich, wie es mir geht und ich sagte ihr: "Alles gut soweit; nervt mich alles nur ein bisschen zur Zeit". Und dann kam letztendlich nur: "Pass auf, in einer Beziehung muss man auf beiden Seiten arbeiten." Und damit war das Thema erledigt.

Meine Eltern waren immer sehr interessiert daran, wie es mir geht und ich musste mir nie Gedanken machen. Was sehr privilegiert ist.

Gab es auch andere Reaktionen? Musstest du dich auch gegen Intoleranz zur Wehr setzen?
Gar nicht. Ich bin super verschont geblieben. Ich bin gelernter Kfz-Mechatroniker, sprich ich habe in einer Männerdomäne, in einer Werkstatt gearbeitet. Dort ist das Klima auch gern mal ein bisschen harscher. Aber ich musste mich nie irgendwie damit auseinandersetzen. Ich weiß nicht, ob es daran gelegen hat, dass es für mich auch immer ein ganz normales Thema gewesen ist, sodass ich es nie wirklich abgestritten oder kommuniziert habe.

Wenn ich dann mal mit Freunden und Kollegen darüber gesprochen habe, dann hieß es: "Ich habe einen Freund" und damit war das Thema erledigt. Toi, toi, toi. Es gibt ja leider auch ganz andere Berichte.

Wie feierst du in diesem Jahr den Pride Month?
Eigentlich sollte die Sichtbarkeit von Pride jeden Tag sein. Ich finde es schön, dass der Fokus in diesem Monat mehr daraufgelegt wird und Unternehmen oder Personen des öffentlichen Lebens sich noch mal etwas stärker dafür machen. Das ist gut, aber wir haben eben auch noch elf weitere Monate.

Für mich persönlich ist das Thema präsenter geworden seit der Teilnahme an "Prince Charming". Sonst war ich auf dem CSD und habe mit meinen Freunden gefeiert und eine gute Zeit gehabt. Jetzt im Nachgang muss ich sagen, da gehört noch so viel mehr dazu. Ich habe gemerkt, dass es auch nicht so schöne Geschichten gibt.

Das ganze Thema "Rechte, Gleichberechtigung" ist etwas, das nicht nur einen Monat zelebriert werden und die Aufmerksamkeit bekommen sollte.

Was siehst du als derzeit größtes Problem der LGBTIQ+-Community? Wo siehst du den stärksten Need zur Veränderung?
Ich finde, die stärkste Veränderung liegt noch in der Gesellschaft an sich. Das Thema "Rechte" ist natürlich kein unerheblicher Part. Aber für mich persönlich ist eine Anfeindung in der Öffentlichkeit etwas, das den Menschen am meisten einschränkt. Eingetragene Partnerschaften oder auch Adoption sind Sachen, die definitiv nicht unwichtig sind, aber erst deutlich später kommen – erst einmal muss man einen Partner finden.

Die Stimmung in der Gesellschaft muss eine andere werden, damit das Leben als schwuler Mensch einfacher wird.

In dem Bereich muss meiner Meinung nach noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Um den Menschen zu zeigen: "Nur weil ich schwul bin und du ein Mann, möchte ich nicht automatisch an deinen Hintern." Diese Angst und die Vorurteile müssen genommen werden, damit jeder einfach entspannt leben kann.

Verwendete Quelle: eigenes Interview

Gala

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