Kim Kardashian: Die verkaufte Braut

Schluss nach 72 Tagen: Die kurze Ehe von Kim Kardashian zeigt, wie im Reality-TV Geld gemacht wird. "Gala" begab sich auf Spurensuche und sprach mit ihrem ehemaligen PR-Manager

Für Kim Kardashian und ihre Familie ging es in den vergangenen drei, vier Jahren nur bergauf.

Ein Spin-off nach dem anderen wurde um die Reality-TV-Sendung "Keeping Up With The Kardashians" (läuft bereits in der sechsten Staffel) aufgebaut. Noch mehr PR-Deals, noch mehr Kooperationen, Werbeverträge und Präsentationsplattformen zogen Kim - die einst als Sidekick von Paris Hilton startete - und ihre Schwestern unter der Ägide ihrer umtriebigen Mutter Kris an Land.

Auf dem Bildschirm zeigen sie ihr Leben von Affären über Geburten bis zum Riesen-Zoff. In den eigenen Shops verhökern sie Unterwäsche, Handtaschen, Parfums, Bücher - alles, was zahlungswillige Fans wiederum für ein KK-Leben brauchen. Ein weit verzweigtes Wirtschaftsunternehmen ist da gewachsen, das die Mitglieder des Clans aus der Beverly-Hills-High-Society mit dreistelligen Millioneneinnahmen zu Top-Verdienern der Branche macht. Ein nonstop öffentliches PR-Business, bei dem alle kassieren. Die Familie, der Sender, die Firmen. Und jetzt das Ehe-Desaster. Nachdem Kim Kardashian nur 72 Tage nach der Hochzeit die Scheidung von Kris Humphries bekannt gab, wird sie heftig von Fans und der US-Presse attackiert. Der Basketball-Hüne sei vorher gecastet worden, die Liebe gespielt, die pompöse Hochzeit in Santa Barbara sei nur eine Inszenierung gewesen, um noch mehr Publicity und Kohle zu kriegen.

Kate Beckinsale

Das machte die Stadt München mit ihr

Kate Beckinsale
Kate Beckinsale gab auf dem roten Teppich zu, dass sie noch so gar nicht in Weihnachtsstimmung ist. Wobei ... die Stadt München brachte sie zum Umdenken.
©Gala

Alles nur Show?! Kim Kardashian und Basketball-Profi Kris Humphries knutschten Anfang Oktober noch in der Sendung von Jay Leno. Die Vermählung im August war Teil ihrer TV-Soap, die Bilder wurden exklusiv verkauft. Kapital dürften die Kardashian also aus der Hochzeit sicher geschlagen haben.

Auf Kims Webseite sind die Fan- Kommentare so drastisch, dass sie von Australien aus, wo sie für einen PR-Termin (was sonst?) unterwegs war, zur Mäßigung aufrufen musste. Sie brach den Trip vorzeitig ab, scheinbar um sich mit Kris auszusprechen. Und auch das garantiert, dass Kim im Gespräch bleibt. Was ist dran an den Vorwürfen? Während Kris Humphries sich geschockt gibt, bemüht sich die Familie unter Hochdruck mit Statements, vielen Twitter-Messages, Interviews und Informationen, die sie inoffiziell an die Presse gibt, um Schadensbegrenzung. Die Entscheidung zur Hochzeit sei "nicht die smarteste" gewesen und zu schnell getroffen worden. Kris und Kim seien doch zu unterschiedlich. Die Rede vom Ausverkauf sei allerdings "lächerlich". Wirklich? Einer, der es wissen muss, ist Jonathan Jaxson. Fast drei Jahre war er der PR-Manager von Kim, half ihr 2007, in der Celebrity-Szene Fuß zu fassen. "Gala" sprach mit ihm in Los Angeles.

Ein Skandal als Hype? 2007 hatte das funktioniert, als ein Sex-Tape von ihr und ihrem damaligen Freund im Internet landete. Aber eine Quasi-Fake-Hochzeit? In der Zentrale ihres Senders E!-Entertainment am Wilshire Boulevard in L.A. überlegt man jedenfalls fieberhaft, wie man damit umgehen soll, dass Kim und Kris in einem Spin-off, das Ende November in den USA startet, noch als Paar auftreten. In Deutschland läuft auf E! Entertainment gerade die sechste Staffel, die Hochzeit wird hier erst im Januar ausgestrahlt. Man werde "auch weiterhin das Leben dieser eng verbundenen Familie teilen", teilte die deutsche PR-Abteilung des Bezahlsenders mit. Unterdessen hat Matriarchin Kris den nächsten Deal eingetütet: ein TV-Special für Kims Halbschwester Kendall. Die "New York Times"-Autorin Catherine Rampell spricht von "Kardashianomics" - einem System, in dem jede Familienangelegenheit eine lukratives Geschäft ist. In ihrem Blog schreibt sie: "Vermutlich werden sie die Anhörungen im Scheidungsverfahren noch lukrativer verkaufen."

Mutter Kris Jenner (3. v.l.) managt alle ihre Töchter: Khloe Kardashian, Kylie Jenner, Kourtney Kardashian, Kim Kardashian und Kendall Jenner (v.l.), hier beim Launch der "Kardashian Kollection".

Jonathan Jaxson ist Inhaber der Agentur JJ Public Relations in Los Angeles und arbeitet als Manager und Berater für Stars wie Lindsay Lohan und die Backstreet Boys. Kim Kardashian betreute er von 2007 bis 2009.

Hat es Sie überrascht, dass sich Kim Kardashian nach nur 72 Tagen von ihrem Mann getrennt hat?

Sehr, denn ich habe sie damals als eine Kämpferin kennengelernt. Deshalb bin ich auch sicher, dass die Hochzeit eine arrangierte Aktion war. Man hat ja während der Sendung gesehen, dass die Beziehung nicht funktioniert, Kim hat sich Kris gegenüber andauernd sehr kompromisslos gegeben. Dies geht nicht, das geht nicht, nein, du kannst keinen Hund haben. So habe ich sie während unserer Zusammenarbeit nie erlebt. Außerdem hätte sie die Beziehung zu Kris ja jederzeit beenden können. Die Ehe ist heilig, Kim hat daraus eine Farce gemacht.

Sie hat nun beteuert, dass sie nie nur für eine TV-Sendung geheiratet hätte. Glauben Sie ihr?

Ich glaube nicht der Kim, die ich heute sehe. Sie ist gefangen in einer Welt, in der jeder Moment kontrolliert, inszeniert und geplant ist. Alles ist aufs Fernsehen ausgerichtet. In ihrem Statement auf ihrer Webseite hat sie ja erstaunlich offen zugegeben, dass sie vor der Hochzeit wusste, dass es falsch ist. Und sie hat sich dennoch dafür entschieden.

Warum hat sie das Ihrer Meinung nach getan?

Eine Absage wäre ein Desaster für die Produktion gewesen. Für all die Deals, für die vielen Geschäftspartner, Designer, Juweliere. Das muss ein Riesendruck gewesen sein. Aber es wäre besser gewesen, die Sache abzublasen.

War die Liebe zwischen Kim und Kris Humphries echt?

Am Anfang schon, da bin ich sicher. Kim hatte immer den Traum, zu heiraten und Kinder zu bekommen. Ich erinnere mich noch, wie sie damals auf der Fashion Week in New York ihrem Ex Nick Cannon hinterherjagte, um ihn zurückzugewinnen. Sie verknallt sich schnell, und dann ist genauso schnell die Luft raus. Die Liebe zwischen Kris Humphries und ihr ist halt schnell zu einer Geschäftsbeziehung geworden. Und Kris hatte mit einem Leben in der Öffentlichkeit gar keine Erfahrung.

Mittendrin im Trubel - so liebt es Kim Kardashian, wie hier Anfang November in Australien. Geschäftstüchtig ist sie auch. Für die Hochzeit soll sie über 17 Millionen US-Dollar kassiert haben.

Die Kardashians sollen über 17 Millionen Dollar mit der Hochzeit eingenommen haben. Die Familie bestreitet das jedoch.

Ich kann natürlich nicht sagen, wie viel sie verdient haben, aber sie haben sicherlich Kapital daraus geschlagen. Sie haben von ihrem Haussender Geld bekommen, sie haben die Fotos exklusiv verkauft. Und auf Twitter hat Kim wochenlang den beteiligten Firmen gedankt. Jede Company hat dadurch so viel Öffentlichkeit bekommen! Es ist völlig offensichtlich, dass dahinter ein großer Deal steckt. Nun haben einige der Partner Angst, dass ihre Marke beschädigt worden ist.

Eine schnelle Trennung ist schlecht für das Image. Warum hat Kim nicht länger durchgehalten?

Schwer zu sagen. Ich habe gehört, dass ihr das Ganze sehr zu Herzen gegangen ist. Und wenn du nicht verliebt bist, kannst du’s nicht erzwingen. Auf der anderen Seite ist sie smart. Sie wird alles tun, um Schaden von der Marke Kardashian abzuwenden, und die Aufmerksamkeit für sich nutzen.

Steht nun gar ein Rückzug zur Disposition?

Sie und die ganze Familie wollten immer berühmt werden und eine eigene Show, wie die Osbournes sie damals hatten. Kim wollte aus dem Schatten von Paris heraustreten. Das Rampenlicht hat einen unheimlich Reiz, das ist wie eine Droge.

Trennung

Diese Stars lieben sich nicht mehr

13. März 2012: Peter Facinelli und Jennie Garth trennen sich nach elf Jahren Ehe und drei gemeinsamen Kindern. Sofort spekuliere
22. Februar 2012: Matthias Schweighöfer und seine Freundin Ani Schromm trennen sich nach acht Jahren Beziehung. Sie wollen sich
30. Januar 2012: "Glee"-Star Chord Overstreet und Emma Roberts sollen sich getrennt haben. Die Jungstars waren nur neun Monate e
Heidi Klum, Seal

93

Für die Zuschauer bleibt der Eindruck, dass hier ein Reality-Star den Bezug zur Realität verloren hat.

Am Anfang war das noch nicht der Fall.

Mit welchen Methoden haben Sie Kims Einstieg in die Celebrity-Welt ermöglicht?

Wir haben zum Beispiel bewusst Fotografen bestellt. Einmal, als Kim mit einer Tasche aus einem Juweliergeschäft kam, haben wir daraus eine Geschichte gestrickt, dass sie Verlobungsringe für sich und ihren damaligen Freund ausgesucht habe.

Was ist das große Talent von Kim Kardashian?

Ihre Rückenansicht ist definitiv ein großes Talent. Aber Scherz beiseite. Sie arbeitet hart für den Erfolg. Als ich sie damals betreute, war sie sehr süß - stand aber noch einigermaßen mit den Beinen auf der Erde. Anna-Barbara Tietz, Hauke Herfs Mitarbeit: Jil Dallmayr

Themen

Erfahren Sie mehr:

Star-News der Woche