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Kim Kardashian + Kanye West Zwei Egos im Sonnenuntergang

Pferde, Photoshop, Pornoposen - Kim Kardashian und ihr dampfplaudernder Freund Kanye West tragen die Musikindustrie mit ihrem selbstdarstellerischen Promovideo für seinen neuen Song ein Stück weit mit zu Grabe

Wenn in einem Musikvideo von Musik nicht mehr die Rede sein kann und nur noch nackte Haut und Promistatus zu Markte getragen werden, dann hat das Ganze seinen Namen nicht mehr verdient. Also kann man das, was Kanye West, Rapper, Geschäftsmann und selbsternanntes Genie, da diese Woche in der "The Ellen DeGeneres Show" präsentierte, kaum sein neues Musikvideo nennen. Mehr eine Werbeanzeige für seinen Status als Star mit Geräuschkulisse und Bewegtbildanteil. Es soll aber Promo für den Song "Bound2" sein und steht im Zusammenhang mit seiner Arbeit als Musiker. Oder so etwas ähnliches.

In den Bewegtbildern zu sehen sind galoppierende Pferdeherden, rosa eingefärbte Abendhimmel über der Wüste und den Bergen, Wasserfälle, Hiphopposen - und dann das Gesamtkunstwerk Kimye. Auf einem Motorrad vor Felskulisse. Diese kommt offenbar aus der Konserve, der Dreh muss im ältesten und versifftesten Green-Screen-Effekte-Studio von Hollywood stattgefunden haben. Kanye West fährt das Motorrad, sie lehnt rücklings und ihm zugewandt auf dem Lenker, hat dabei offensichtlich nicht viel an außer großen Brüsten und schüttelt ihr Haar für ihn. Zwischendrin leckt sie sich mal über die Lippen, er beugt sich über sie, das Motorrad ruckelt vor sich hin, sie lächelt in die Kamera.

Würde sie die grauenhaften Texte hören, die er dazu rappt, müsste sie sicher eher lachen als lächeln. Oder sich dauerhaft die Ohren zuhalten - wie sie es in einer Szene tatsächlich tut. Aber hier werden die Grenzen dessen, was zwei eigentlich total überflüssige Promiprojekte zur Selbstvermarktung zu tun bereit sind, neu abgesteckt. Der US-Blog "Dlisted" merkte völlig korrekt an: "Ich weiß gar nicht, ob ich euch lieber raten soll, die Augen zu schließen oder den Ton runterzudrehen. Also rate ich euch einfach, das Ganze mit geschlossenen Augen und ohne Ton anzugucken."


Die Langversion , die es inzwischen bildschirmfüllend auf der Website von West zu sehen gibt, die aber in der Show von Ellen DeGeneres Premiere feierte, ließ auch die sonst so schlagfertige Moderatorin anschließend ein bisschen sprachlos zurück. Sie fand zwar ein paar oberflächliche Worte wie "cool" dafür und fand interessant, wie sehr West nach seinen Angaben in alle Bereiche des Drehs involviert war. Im Abschluss konnte sie aber nicht mal mehr fehlerfrei vom Hinweisschild einer Mitarbeiterin ablesen. Ins Netz schaffte es nur die Kurzversion, deren Zusammenhanglosigkeit und Staunfaktor hinter der längeren Version aber nicht zurücksteht - nur, dass es schneller vorübergeht. Da das Ganze heute immer noch im Netz kursiert - und für die größten Lacher der vergangenen Nacht, aber auch viel Empörung und Statements zum Status der Musikwirtschaft sorgte - ist es offenbar auch kein Scherz der Comedy-Queen gewesen. Kanye West hätte man soviel Humor und Hang zur Selbstkritik sowieso nicht zugetraut.

"Bound 2" ist die zweite Singleauskopplung aus Wests Album "Yeezus" aus dem Juli 2013. Das hat zwar Goldstatus erreicht und Kritikerlob eingeheimst - "vielschichtig" und "exzentrisch", hieß es da. Die normalen Zuhörer konnte Wests Umgang mit Geräuschen, die nach kaputten CD-Playern klingen, und andere elektronische Störgeräusche sowie die mangelnde Radiotauglichkeit der Tracks nicht so wie erwartet einfangen. So waren die angeblich für die erste Woche angepeilten Verkaufszahlen erst nach einem knappen Monat erreicht, danach stagnierte der Verkauf weiter. Ein bisschen Werbung war also bitter nötig - und auch hier liefert Kanye West mal wieder nur im größtmöglichen Format.

Was er und seine Partnerin perfekt beherrschen: im Gespräch zu bleiben. Jeden Tag. Mit allen Mitteln. Für heute können sie an das Geschäftsmodell also einen Haken machen.



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