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Katja Riemann Die Gitarre war meine Rettung

Katja Riemann
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Schauspielerin Katja Riemann klammerte sich in ihrer Jugend auf dem Dorf an ihr größtes Hobby: das Gitarrenspielen.

Katja Riemann (48) fand mit ihrer Gitarre ein künstlerisches Ventil für die Einsamkeit auf dem Lande.

Im Interview mit dem 'Hamburger Abendblatt' erinnerte sich die Schauspielerin ('Die Relativitätstheorie der Liebe') an ihre Jugend, die sie im ländlichen Kirchweyhe in Niedersachen verbrachte. Nach langem Flehen habe sie damals von ihrer Mutter eine Gitarre und Gitarrenunterricht geschenkt bekommen. Ihre Begeisterung für die Musik hätten die schwierigen Jahre der Pubertät erträglicher gemacht: "Ich habe durch die Gitarre und die Musik überlebt. Weil ich ja leider nicht so viel Tanzunterricht haben konnte, wie ich gerne gehabt hätte. Das gab es ja nur in Bremen, und wir hatten kein Auto. Und wir hatten kein Geld. Das Gitarrenspiel hat mich wirklich durch die Pubertät gerettet. Es waren ja nicht besonders nette Menschen da."

Schnell sei die heute sehr erfolgreiche Darstellerin und Musikerin in der ländlichen Enge zum Einzelgänger geworden: "Ich habe da krasse Ausgrenzung erfahren. Damals war es ein Stigma, Scheidungskind zu sein. Ich war Scheidungskind, lebte mit Mutter und Geschwistern zusammen, kein Vater in Sicht. Und ich wohnte auch noch in einem anderen Dorf als die Kinder der Klasse. Ich war praktisch Ausländerin. Ich fuhr nicht mit dem Bus, sondern mit dem Fahrrad. Der Bus kostete ja Geld. Und ich trug 'ne Brille! Das reicht, um jemanden sch***e zu finden."

Die Erfahrungen, die sie als Teenager gemacht hatte, hielten bis ins junge Erwachsenenalter an, als Katja Riemann zum Studium nach Hamburg aufbrach, denn die Großstadt bedeutete nicht gleich einen Befreiungsschlag für die Künstlerin. "Ich hatte damals so viel Angst in mir, die bekam in Hamburg einfach nur eine andere Qualität. Und ich habe Hamburg auch erst viel später richtig kennengelernt. Ich habe mich immer auf den Wegen bewegt, die ich kannte, dem Weg zur Lola-Rogge-Schule am Dammtor oder nach Blankenese. Ich kannte den Weg zum Operettenhaus, zum Schauspielhaus, zum Bahnhof. Das war alles. Ich bin nicht ausgegangen, war nicht im Kino, Restaurants oder in Kneipen. Was hätte ich da auch machen sollen? Ich hatte viel zu viel Angst, irgendwo hinzugehen, und außerdem kein Geld", erinnerte sie sich.

Mittlerweile geht Katja Riemann gelassener durch ihr Leben und ist ab Donnerstag in 'Der Verdingbub' auf der Kinoleinwand zu sehen - ein Film, in dem es um zwei Waisenkinder geht, die in den 50er-Jahren im ländlichen Schweizer Emmental leben.

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