Katherine Jackson: "Es macht mich glücklich, sie lachen zu sehen"

Wie geht es Michael Jacksons Kindern zwei Jahre nach dem Tod des King of Pop? Die britische Journalistin Chrissy Iley traf Katherine Jackson in ihrem Haus

Katherine Jackson, Prince Michael I. Jackson

Encino, Kalifornien, an einem Tag Mitte September.

Ich bin im Haus der Familie Jackson. Die Einrichtung: Pseudo-Louis-Seize, hier und da das Braun und Orange der Siebziger. Ein Bild zeigt Michael Jackson, wie er die Weltkugel hält, umgeben von Tauben und Kindern. Es ist sentimental, ein wenig wie Michael selbst.

Ich gehe an Fahrrädern vorbei und an einem Pool, um in das Reich von Katherine Jackson, 81, zu gelangen. Sie trägt eine hellblau Jacke und schwarze Hosen, begrüßt mich freundlich, aber zurückhaltend. Ihre dunklen Augen bewegen sich blitzschnell, als wolle sie meine Seele durchleuchten. Die Jacksons sind misstrauisch. Alle glauben an unterschiedliche Verschwörungstheorien, die sich um den Tod ihres Sohns und Bruders ranken. Wir sprechen über das "Michael Forever"-Konzert, das am 8. Oktober in Cardiff stattfindet. Ihr Sohn Jermaine ist dagegen, er findet es unpassend, es abzuhalten, kurz nachdem der Prozess gegen Michaels Arzt Conrad Murray begonnen hat. Marlon, Tito und Jackie Jackson werden auftreten, Beyoncé wird per Video zugeschaltet, angekündigt von Michaels Kindern Prince, 14, Paris, 13, und Blanket, 10. Oma Katherine ist ihr Vormund. Man fragt sich, ob sie die Kraft hat, zwei Teenager und einen Zehnjährigen großzuziehen. Ist das nicht alles sehr anstrengend? "Nein, überhaupt nicht. Ich habe eine Menge Leute, die mir helfen. Sie sind gute Kinder, ich muss mir wirklich nicht viele Sorgen machen. Sie laden Freunde hierher ein, fahren Fahrrad."

Es ist fast seltsam, dass sie die Kids so normal beschreibt. Ihre Kindheit bis zu Michaels Tod 2009 war mindestens exzentrisch. In die Öffentlichkeit ließ man sie nur maskiert. Trotzdem finden sie sich offenbar gut in der "normalen" Welt zurecht. "Sie besuchen Schauspielkurse und lieben das - obwohl Paris eigentlich keinen Unterricht braucht", erzählt Katherine und lacht. Was macht sie, die Großmutter, glücklich? "Das ist keine einfache Frage. Ich glaube an die Auferstehung, und ich bin glücklich, wenn Paris und Prince froh aus der Schule heimkommen. Prince ist ein sehr guter Schüler. Er sagt immer: ‚Grandma, ich habe eine 98 (eine Eins, Anm. d. Red.) im Test.' Es macht mich glücklich, sie lachen zu sehen." Sie sagt, sie erkenne Michael in allen Dreien.

Katherine Jackson, hier mit Enkel Prince Michael II., genannt Blanket, gilt als die stärkste Kraft in der Familie.

Prince Michael I. und seine ein Jahr jüngere Schwester Paris, hier mit dem Jüngsten Prince Michael II. bei einer Gedenkfeier für ihren Vater, führen zu Hause in Kalifornien ein - fast - normales Teenagerleben mit Schule, Freunden und Hobbys wie Karate.

"Sie werden wie er, besonders Paris. Sie hat überall an ihren Wänden Bilder von ihm. Einmal hatte ich einen Maler da, der sie abhängte - sie hat sie alle zurückgehängt. ‚Ich will Daddy an den Wänden haben', sagte Paris. Ich weiß nicht, wie sie das schafft, aber sie schafft es. Sie hat eines seiner Jacketts über ein Kissen gezogen, atmet den Geruch ein. Das ist immer noch so. Sie meinte: ‚Ich will nicht, dass es jemals gereinigt wird. Er hat es angehabt und es riecht nach ihm, und ich will, dass der Geruch niemals weggeht.'" Katherine fängt an zu weinen. "Sie sind okay", sagt sie, "ich bin okay. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht …" Ihr Flüstern erstickt in Tränen. "Die Leute sagen mir immer, ich sei stark, aber ich glaube das nicht. Paris, Prince und Blanket leiden unterschiedlich. Prince hat versucht, stärker zu sein als die anderen. Er will ein Mann sein. Er will nicht, dass die Leute sehen, was in ihm vorgeht. Während der Beerdigung legte er seine Hand auf meine Schulter und begann zu weinen. Er wollte stark sein, vor seinen Cousins und Cousinen. Aber von dem Moment an, an dem sie nach Michaels Tod aus dem Krankenhaus kamen, weinten sie sich die Augen aus." Für seine Mutter ist klar, dass Michael ein Opfer war, man weiß nur nicht, wovon genau. Hat Michael jemals mit ihr darüber gesprochen, dass sie sich um seine Kinder kümmern solle, falls ihm etwas zustößt? "Nein, nie. Aber er hatte immer das Gefühl, dass jemand versuchte, ihn umzubringen."

Die Erlöse des Konzerts in Cardiff sollen an Charitys gehen. Katherine erzählt, wie Michael weinte, wenn er Bilder hungernder Kinder sah, dass er ihnen allen helfen wollte, "seit er so groß war" - sie deutet auf ihr Knie. Ich hatte gehört, dass das Konzert auch direkt Michaels Kindern zugute kommen solle, weil seine Nachlassverwalter beschlossen hatten, dass die Kinder erst mit 40 an ihr Millionenerbe kommen sollen. Der King of Pop hatte bei seinem Tod massive Schulden hinterlassen, posthum wurden bislang 310 Millionen Dollar erwirtschaftet. Am Tag unseres Treffens geht die Nachricht um die Welt, dass die Nachlassverwalter bei Gericht beantragt haben, 30 Millionen Dollar davon an Katherine und die Kinder gehen zu lassen.

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