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Katharina Wackernagel "Ich fühlte mich immer als die Molligste am Set"

Katharina Wackernagel
Katharina Wackernagel
© Action Press
Katharina Wackernagel spielt die große Verlegerin Aenne Burda. Ein Gespräch über Idealmaße, außereheliche Affären – und Wackernagels zwei Väter

Sie ähnelt ihrer Filmfigur geradezu frappierend. Wenn Katharina Wackernagel, 40, mit onduliertem Haar in die Kamera lacht, scheint die Grande Dame der Mode-Zeitschriften wieder auferstanden.

Katharina Wackernagel über ihre Rolle als Aenne Burda

Auch Aenne Burdas entschiedenes Auftreten kopiert die Schauspielerin perfekt. Eine emanzipierte und gewiefte Frau war die echte Burda-Moden-Chefin: So ließ sich von ihrem Mann Franz im Gegenzug für seine ewigen Seitensprünge den Verlag überschreiben, den er einer Geliebten spendiert hatte. Aenne (den Namen wählte sie nach ihrem Lieblingslied "Ännchen von Tharau" aus, sie hieß eigentlich Anna), die sich bis dahin um die drei Söhne gekümmert hatte, schuf aus dem maroden Betrieb ein millionenschweres Erfolgsunternehmen. Und, als Frau ihrer Zeit geradezu revolutionär: Sie gönnte sich Liebhaber.

Katharina Wackernagel als Verlegerin Aenne Burda in ihrem Büro in Offenburg
Katharina Wackernagel als Verlegerin Aenne Burda in ihrem Büro in Offenburg
© SWR/Hardy Brackmann

GALA: Frau Wackernagel, wie sehr gleichen Sie Aenne Burda?

Katharina Wackernagel: Sie hat gerne gelacht und war eine ehrgeizige, kraftvolle Frau, die deutlich sagte, was ihr passt und was nicht – genau wie ich. Beim Temperament unterscheiden wir uns allerdings: Ich schmeiße keine Vasen. (lacht) Und sie fuhr viel rasanter Auto als ich, weshalb ich vor dem Dreh extra ein paar Fahrstunden genommen habe. Ich wollte den historischen Käfer ja nicht gleich gegen einen Poller setzen.

GALA: Frau Burda musste auf dem Weg zu ihrem Verlag direkt am Haus der Geliebten ihres Mannes vorbei. Sein Wagen parkte sehr oft davor. Wie spielt man diese ultimative Demütigung?

Wackernagel: Ich muss zugeben, dass mir das körperliches Unwohlsein bereitet hat. Man muss sich mal vorstellen, die Affäre hat sich direkt vor ihrer Nase abgespielt! Ich weiß nicht, wie ich mit dieser Wut im Bauch umgegangen wäre. Naja, es wurde, so hat mir auch Hubert Burda erzählt, viel gestritten zu Hause. Trotzdem haben seine Eltern zusammengehalten und sich als Paar gut ergänzt.

Eine echte TV-Perle: "Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau" heißt der Zweiteiler mit Katharina Wackernagel und Fritz Karl (r., als Ehemann Franz) in den Hauptrollen. Das Erste, 5. und 12. Dezember, jeweils um 20.15 Uhr
Eine echte TV-Perle: "Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau" heißt der Zweiteiler mit Katharina Wackernagel und Fritz Karl (r., als Ehemann Franz) in den Hauptrollen. Das Erste, 5. und 12. Dezember, jeweils um 20.15 Uhr
© SWR/Hardy Brackmann

GALA: Hat Hubert Burda gefallen, wie Sie seine Mutter gespielt haben?

Wackernagel: Ich habe ihn getroffen, nachdem der Film fertig war. Er hat mir gesagt, dass er sehr einverstanden mit meiner Darstellung ist. Das hat mich total gefreut.

GALA: Aenne Burda hat es ihrem Mann später gleichgetan: Sie hatte ebenfalls Affären. Ein bisschen ähnelt das dem Lebensmodell Ihrer eigenen Mutter Sabine, die mit zwei Männern zusammenlebt.

Wackernagel: Mit dem großen Unterschied, dass meine Eltern sich nicht betrogen haben, sondern immer offen miteinander waren. Bei meiner Mutter hat sich das einfach im Laufe der Jahre so ergeben. Abgefärbt auf uns Kinder hat das nicht: Weder meine Brüder noch ich haben je eine solche Beziehung geführt. Aber wir können besser als andere verstehen, dass zu dem Menschen, den man liebt, manchmal noch jemand dazukommt, mit dem man ebenfalls sein Leben verbringen möchte.

Aenne (Katharina Wackernagel) schaut sich jede Einzelheit bei der Entstehung der Modelle an
Aenne (Katharina Wackernagel) schaut sich jede Einzelheit bei der Entstehung der Modelle an
© SWR/Hardy Brackmann

GALA: War es toll, mit zwei Vätern aufzuwachsen?

Wackernagel: Klar! Der eine erzählte spannende Gutenachtgeschichten, mit dem anderen konnte man prima spielen. Mein leiblicher Vater war Regisseur und eh nicht viel zu Hause, wir haben also nicht wie in einer Kommune gelebt. (lacht)

GALA: Und Sie haben beide "Papa" gerufen?

Wackernagel: Bei uns gab’s keinen Papa. Wir haben unsere Eltern beim Vornamen genannt. Nur unsere Mutter war manchmal doch die Mama.

GALA: Ihre Mutter ist ebenfalls Schauspielerin. War Ihr Weg damit vorgezeichnet?

Wackenagel: Laut meiner Eltern habe ich immer gesagt, dass ich Schauspielerin werden möchte. Mit sieben habe ich meine erste Theatergruppe gegründet und Regie geführt. Ich habe die anderen Kinder dazu gebracht, die Texte meiner Lieblings-Schallplatte auswendig zu lernen, und das dann vorzuspielen.

GALA: Aenne Burda hatte große Visionen. Welchen Traum wollen Sie sich noch erfüllen?

Wackernagel: Einen Wunsch habe ich gerade verwirklicht: Regie führen. Mit meinem Bruder habe ich den Independent- Film "Wenn Fliegen träumen" gedreht, der nächstes Jahr ins Kino kommt.

GALA: Drei Kinder kriegen wie Frau Burda, wäre das ein Traum?

Aenne Burda liebte ihren Job. Erst mit 85 Jahren zog sie sich aus der Verlagsleitung zurück
Aenne Burda liebte ihren Job. Erst mit 85 Jahren zog sie sich aus der Verlagsleitung zurück
© Action Press

Wackernagel: Nein, das ist nichts für mich.

GALA: Wie gern sehen Sie sich selbst auf dem Bildschirm?

Wackernagel: Ich finde es wichtig, mich anzuschauen, um besser zu werden. Ich lerne aus jedem Film.

GALA: Und wenn Sie mal unschmeichelhaft getroffen sind?

Wackernagel: Da bleibe ich entspannt. Als Aenne musste ich auch Kostüme tragen, in denen ich mich nicht unbedingt wohlfühlte. Das ist dann einfach so.

GALA: In der Schauspiel-Branche herrscht ein Schlankheitsdiktat. Wie gehen Sie damit um?

Wackernagel: In meinen Anfangszeiten, mit 17, 18, habe ich darunter sehr gelitten. Ich fühlte mich immer als die Molligste am Set. Also probierte ich zig Diäten aus. Erst als ich für meinen Film "Die Boxerin" viel Sport treiben musste, habe ich mich mit meinem Körpertyp ausgesöhnt und verstanden, dass ich nie dünn sein werde. Irgendwann muss man seinen Frieden mich sich machen und aufhören, sich zu vergleichen.

GALA: Zu der Rolle der Aenne Burda hätte eine allzu grazile Figur ja auch nicht gepasst.

Wackernagel: Stimmt. Ich empfinde es grundsätzlich als falsch, dass Schauspielerinnen in eine bestimmte Norm gepresst werden sollen. Natürlich lässt einen die Kamera ein bisschen dicker aussehen, man wirkt breiter – was soll’s? Warum dürfen Menschen, die in Kino- oder TV-Filmen auftreten, nicht normale Figuren haben? Dieses extrem dünne Schönheitsideal spiegelt unsere Gesellschaft nicht wider. Ich will mit meinen Charakteren überzeugen, ich bin kein Model und keine Modepuppe. Auch Aenne Burda ging es darum, die Schönheit und Sinnlichkeit von Frauen mit ihren Kreationen hervorzuheben. Und das ist ihr wunderbar gelungen.

Gala

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