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Karolina Kurková "Ich musste erst lernen, mich zu lieben"

Sie ist die Frau, die Heidi Klum herausfordert: Karolina Kurková über ihre neue Vox-Castingshow "Das perfekte Model" - und ihre eigenen kleinen Mängel

Andere versuchen in so einer Situation, jede spontane Bewegung zu unterdrücken

– nicht so Karolina Kurková. Das tschechische Supermodel, eine der Top-Verdienerinnen der Branche, gestikuliert während des "Gala"-Interviews in Hamburg heftig, klatscht immer wieder in die Hände, rutscht auf dem Stuhl hin und her, wenn sie erzählt. Ein sexy Energiebündel von bestechender Natürlichkeit! Ab 31. Januar kann man sich auch im TV davon überzeugen: Dann moderiert die 27-Jährige an der Seite ihrer deutschen Kollegin Eva Padberg, 31, auf Vox die neue Castingshow "Das perfekte Model".

Wie fühlt es sich an, ein Sexsymbol zu sein?

Ich weiß es nicht, denn für mich ist es bis heute ein total absurder Gedanke, dass ich ein Sexsymbol sein soll. Das liegt wohl daran, dass ich mich früher gar nicht schön fand. Wenn ich mir meine Arme und Beine ansah, fand ich, dass die ganzen Proportionen nicht stimmten. Und ich war immer die Größte in der Schule. Jungs fanden mich null spannend. Zu der Zeit hat man mich auch nie mit einem breiten Lächeln gesehen, weil ich meine Zähne nicht zeigen wollte. Sie wirkten viel zu groß. Ich habe es gehasst, mich auf Fotos zu sehen – ich musste erst lernen, mich zu lieben.

Karolina Kurkova mit ihrer Modelkollegin Eva Padberg beim Besuch einer Modenschau im Rahmen ihrer neuen Castingshow "Das perfekt
Karolina Kurková mit ihrer Modelkollegin Eva Padberg beim Besuch einer Modenschau im Rahmen ihrer neuen Castingshow "Das perfekte Model" auf Vox.
© Picture Alliance

Heute sind Sie ganz oben und machen jetzt mit Ihrer Castingshow sogar der großen Heidi Klum Konkurrenz ...

Ich sehe unsere Show nicht als Konkurrenz, sondern eher als Alternative. "Das perfekte Model" ist nämlich ganz anders.

Was genau ist denn anders als bei "Germany’s Next Topmodel"?

Bei uns ist alles intimer, spontaner, glaubwürdiger. Der Stil der Show ist eher dokumentarisch. Bei uns wird niemand vorgeführt. Wir coachen und trainieren die Mädchen, wir möchten, dass sie ihre Persönlichkeit entwickeln. Gutes Aussehen allein reicht heute nicht mehr aus – man muss smart, professionell und ein echter Typ sein.

Was sagen Sie zur Kritik, das Modelbusiness fördere die Magersucht?

Natürlich gibt es immer wieder Mädchen, die extrem dünn sind. In solchen Fällen müssen Agentur und Manager sofort aktiv werden. Jedes Mal, wenn ich so eine Kollegin sehe, spreche ich sie an, gebe ihr meine Handynummer und biete ihr meine Hilfe an. Aber manchmal finde ich die Kritik auch zu voreilig.

Wie meinen Sie das?

Ich stand als 15-Jährige das erste Mal auf dem Catwalk – da war ich dürr wie ein Stock, obwohl ich ganz normal gegessen habe. Ich war halt ein Klappergestell, aber es ging mir super. Bei sehr jungen Mädchen funktioniert der Metabolismus eben manchmal ganz besonders gut.

So gut, dass sie nur noch Haut und Knochen sind ...?

Im Zweifelsfall müssen alle Verantwortlichen die Notbremse ziehen und helfen. Die Mädchen müssen verstehen, dass es keine Strategie sein kann zu hungern. Denn damit schaden sie ihrer Karriere, und sie zerstören sich selbst. Ein unnatürlich dürrer Körper ist nicht nur unattraktiv, der Nährstoffmangel wirkt sich auch insgesamt negativ aus. Gerade im Modelbusiness muss man immer frisch aussehen und eine gute Haut haben. Der Druck ist riesengroß.

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Wie gehen Sie mit dem Druck um?

Ich versuche alles so rational wie möglich zu sehen. Ich arbeite nun mal in einer Branche, die mit Schönheit ihr Geld verdient. Models müssen daher umwerfend aussehen, und um bei den unglaublich hohen Standards mithalten zu können, müssen sie ackern. Modeln ist wie Hochleistungssport.

Das bedeutet für Sie konkret?

Wenn ein Shooting ansteht, bei dem ich viel Haut zeigen muss, ernähre ich mich extrem gesund und trainiere mindestens eine Stunde täglich. Auch ich spüre ja den Druck. Klar bin ich derzeit sehr erfolgreich. Es drängen aber jedes Jahr neue, jüngere Mädchen auf den Markt.

Als Model werden Sie von allen umschwärmt. Ist Ihr Mann eifersüchtig?

Bislang war das in unserer Beziehung nie ein Problem. Mein Mann arbeitet auch in der Entertainment-Branche und weiß, wie viele spannende Menschen man so kennenlernt. Aber wir vertrauen einander blind und übertreten die von uns gesetzten Grenzen nicht. Es würde mich allerdings auch nerven, wenn Archie eifersüchtig wäre … Ich mag es nicht, wenn man mich kontrolliert. So ein Mensch bin ich nicht, und Archie ist es Gott sei Dank auch nicht. Wir sind ein Liebespaar und beste Freunde, fast wie Zwillinge. Wir denken und fühlen dasselbe.

Gibt es etwas, was Sie an Archie nicht mögen?

Er ist ziemlich unordentlich und stellt damit meine Geduld zuweilen auf die Probe. Wenn er wieder mal seine Sachen im ganzen Haus verteilt hat, fliegen auch schon mal die Fetzen. Unordnung kann ich nicht ausstehen! In meinem Beruf ändern sich Dinge oft in letzter Sekunde – deshalb möchte ich wenigstens zu Hause alles unter Kontrolle haben. Aber da muss ich lockerer werden, zumal wir ja einen zweijährigen Sohn haben.

Wie reagiert Tobin Jack, wenn er seine Mutter auf Anzeigen oder im Fernsehen sieht?

Dann ist er ganz aus dem Häuschen und ruft: "Da ist Mami!" Allerdings glaubt er bei fast jedem Bild, auf dem eine blonde Frau zu sehen ist, dass ich es bin. Er ist wohl auf blond fixiert ... Lustig ist auch, dass er schon jetzt ein Faible für die Schönheitspflege hat: Er kämmt mir ständig die Haare und testet jeden meiner Lippenstifte.

Für Model-Nachwuchs im Hause Kurková ist also gesorgt?

Ich glaube, dass er später eher Musiker wird. Tobin Jack hat Rhythmus im Blut und bearbeitet mit Hingabe seine Trommel oder unser Klavier. Manchmal finde ich das super, manchmal weniger ... Alexander Nebe

gala.de


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