Nach dem Tod von Karl Lagerfeld: Wer erbt sein Vermögen?

Karl Lagerfeld war unverheiratet und hatte keine Kinder. Wer sein Multi-Millionen-Euro-Vermögen erben könnte

Karl Lagerfeld und sein Patensohn Hudson Kroenig im Mai 2017

Karl Lagerfeld, einer der bedeutendsten Modeschöpfer aller Zeiten, ist am 19. Februar 2019 im Alter von 85 Jahren in Paris gestorben. Das bestätigt sein Unternehmen KARL LAGERFELD auf seinem offiziellen Instagram-Account. Der gebürtige Hamburger hinterlässt nach über 60 Jahren Karriere nicht nur ein Stück Mode-Geschichte , sondern auch ein finanzielles Vermögen.

Wie viel Euro hat Karl Lagerfeld zu vererben?

Wie hoch das Vermögen ist, das Lagerfeld angehäuft hat, ist nicht bekannt. Ein Schätzwert des "Manager Magazins" aus dem Jahr 2018 lautet 400 Millionen Euro. Berücksichtigt werden für die "Liste der reichsten Deutschen" Positionen wie Aktienbesitz, Unternehmenswert, Grundbesitz, Immobilien sowie Kunstsammlungen.  

Wer sind die Hinterbliebenen des Mode-Designers?

Karl Lagerfeld war kinderlos und nie verheiratet. In einem Interview mit der "New York Times" im Januar 2015 gab er zu: "Ich habe keine Familie (...). Ich habe eine Schwester in Amerika, die ich seit 40 Jahren nicht gesehen habe. Ihre Kinder haben mir nie eine Weihnachtskarte geschickt."
Die Funkstille zu ihrem Bruder bestätigte Martha Christiane Johnson (damals 83 Jahre alt) kurze Zeit nach dem Interview gegenüber "Daily Mail." "Ich bin nicht böse, ich weiß, dass er wirklich beschäftigt ist. Er wohnt dort und ich wohne hier - es ist nur eines dieser Dinge." Ihr Wunsch, Lagerfeld eines Tages wiederzusehen, erfüllte sich nicht: Johnson starb noch 2015. Sie hinterließ drei Kinder: Caroline, Roger und Paul. Ein weiteres Kind, ein Sohn namens Karl, war im Alter von 18 Jahren bei einem Motorrad-Unfall tödlich verunglückt.

Neben Martha Christiane Johnson hatte Karl Lagerfeld eine Halbschwester namens Thea, die aus einer früheren Beziehung seines Vaters stammte. Im Gespräch mit Journalist Paul Sahner, der die Biographie "Karl" schrieb, sagte der "Chanel"-Macher 2009 über sie: "Die habe ich 30 Jahre nicht gesehen, die ist inzwischen tot." 

Karl Lagerfeld (†)

Sein Leben in Bildern

1954 gewinnt Karl Lagerfeld einen Modewettbewerb in Paris und wird daraufhin als Assistent von Pierre Balmain eingestellt. Das Model auf dem Bild trägt seine Kreation. Während seiner Zeit bei Balmain absolviert Lagerfeld eine Schneiderlehre.
1984 wird der gebürtige Hamburger Chefdesigner von Chanel Haute Couture. Nach der Vorstellung seiner Herbst/Winter-Kollektion 1984/85 erntet er viel Beifall.
Mit Prinzessin Caroline von Monaco (hier 1985 mit deren früheren Ehemann Stefano Casiraghi, der 1990 ums Leben kommt) verbindet den deutschen Designer eine jahrzehntelange Freundschaft.
Das französische Model Inès de la Fressange wird Lagerfelds erste Muse.

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Eine Familie sei eine Wahl, keine Verpflichtung, erklärte Karl Lagerfeld gegenüber "New York Times". Ein Credo, dem er folgte: Er übernahm die Patenschaft für sieben Kinder. Sein Favorit: Hudson Kroenig, 12, den Lagerfeld liebevoll "Prinz" nannte. Er ist der Sohn seiner Muse, Fotomodell Brad Kroenig, 39, und dessen Frau Nicole. "Karl ist fasziniert von der Nähe zu einem jungen Geist“, beschreibt Amanda Harlech, eine Vertraute, das Verhältnis zwischen Onkel und Neffe in der "New York Times". Der Mode-Macher schenke Hudson Bücher, Kleidung und Designer-Taschen, nehme ihn mit auf Reisen, heißt es weiter. Seit 2011 läuft der Kleine als Model bei "Chanel"-Shows mit. 

"Ich sehe sie wie eine Familie", sagte Lagerfeld über die Kroenigs und andere Mitglieder seiner Entourage. "Ich habe überhaupt keine Familie, also ist es gut, Söhne zu haben, aber ohne die unangenehmen Probleme, die Söhne schaffen können." Dass Hudson und sein Vater Brad ein Teil des Mode-Imperiums erben - nicht unwahrscheinlich. Vor allem, wenn man beachtet, was Lagerfeld zu Lebzeiten über seinen Nachlass sagte.  

Karl Lagerfeld (M.) mit seiner "Chanel"-Nachfolgerin Virginie Viard (l.) und Hudson Kroenig (r.) während der "Chanel Metiers D'Art 2018/19 Show" im "Metropolitan Museum of Art" in New York am 4. Dezember 2018. Es war der letzte öffentliche Auftritt von Patenonkel und Patensohn.

Hatte Karl Lagerfeld ein Testament?

Karl Lagerfeld war zum Zeitpunkt seines Todes, soweit man weiß, deutscher Staatsbürger. Seit 17. August 2015 gilt allerdings eine neue EU-Erbrechtsverordnung, nach der bei der Verteilung des Nachlasses nicht die Nationalität, sondern der Wohnort des Verstorbenen maßgeblich ist. Allerdings besteht die Möglichkeit, eine Rechtswahl zugunsten des Heimatlandes zu treffen und somit das Recht des letzten Aufenthaltsortes zu umgehen. Für was sich Karl Lagerfeld entschied, ist nicht bekannt. 

Wie im deutschen Erbrecht basiert die gesetzliche Erbfolge in Frankreich auf das Verwandtenerbrecht. Das aber nur, wenn der Erblasser keinen letzten Willen verfügt hat. In einem im Mai 2015 veröffentlichten Interview mit dem SPIEGEL antwortete Lagerfeld auf Frage, ob er ein Testament verfasst habe: "Ja, aber das ändere ich ständig. Ein schräger Blick von jemandem, dann wird der gestrichen, dann kriegt der nichts mehr." Bedacht werden sollen auch langjährige Mitarbeiter. "Ich lege auch Wert darauf, dass Leute, die ihr Leben lang mit mir gearbeitet haben, danach niemals mehr mit einem anderen Menschen arbeiten müssen. Das sollen die nicht nötig haben, das fände ich irgendwie unangenehm, auch für mich." 

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Karl Lagerfeld (†): Der Modezar ist verstorben

Karl Lagerfeld (†)
Karl Lagerfeld (†) ist einer der größten Modedesigner unserer Zeit. Sein Tod mit 85 Jahren reißt nicht nur eine Lücke in die Welt rund um das Fashionlabel Chanel, sondern auch in das Herz der Modewelt.
©Gala

Die Karriere von Karl Lagerfeld

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Bereits im zarten Alter von 14 Jahren zog es Lagerfeld aus seiner Geburtsstadt Hamburg nach Paris. Dort besuchte er das "Lycée Montaigne", lernte das Skizzieren und Zeichnen. 1954 gewann er die renommierten Auszeichnung "International Woolmark Prize" in der Kategorie "Mantel" - der Startschuss für seine Karriere. Das Modehaus "Balmain" engagieret ihn vom Fleck weg als Assistenten, danach ging Lagerfeld zu "Jean Pato", "Chloé" und "Fendi". 1982 kam das Modehaus "Chanel" auf den Deutschen zu - es sollte eine Verbindung sein, die bis zum Tode Lagerfelds Bestand haben sollte. 1984 gründete er sein eigenes Model-Label KARL LAGERFELD, 1999 einen Verlag für Kunst- und Fotobände unter dem Namen "Edition 7L", der auf Kunst- und Fotobände spezialisiert ist.

Verwendete Quellen: New York Times, Daily Mail, Manager Magazin, SPIEGEL, karl.com, Instagram, Rose Partner Rechtsberatung Berlin

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