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Kamala Harris Wie tickt die erste Vizepräsidentin der USA?

Ehemann Douglas Emhoff hat aus Liebe seinen Anwaltsberuf für Kamala Harris' Wahlkampf niedergelegt.
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Kamala Harris war die erste schwarze Generalstaatsanwältin Kaliforniens, die erste indisch-amerikanische Senatorin in Washington und nun die erste Woman of Colour, die das Amt der Vizepräsidentin übernehmen wird. Ein Porträt über eine furchtlose Kämpferin, die das Herz am rechten Fleck hat. 

Mit diesem Duo hätte niemand gerechnet: Joe Biden, 77, und Kamala Harris, 55, kämpfen gemeinsam gegen den amtierenden US-Präsidenten Donald Trump, 74, und schaffen es, ihn und seinen Vize Mike Pence, 61, im Weißen Haus abzulösen. Joe Biden als US-Präsident, Kamala Harris als seine "Running Mate" und Vizepräsidentin. Wer ist die Frau im eleganten Hosenanzug, in die die Welt so viel Hoffnung setzt?

Joe Biden und Kamala Harris
Joe Biden und Kamala Harris
© Getty Images

Engagement liegt in der Familie

Das politische und gesellschaftliche Engagement wurde Kamala Harris in die Wiege gelegt. Ihr Vater Donald Harris ist ein inzwischen pensionierter Wirtschaftsprofessor aus Jamaika, ihre Mutter Shyamala Gopalan eine aus Indien stammende Krebsforscherin und Bürgerrechtlerin, die für ihr Studium alleine nach Amerika gezogen ist. Die beiden lernten sich in den Sechzigerjahren bei Bürgerrechtsmärschen kennen und lieben. Als Kamala Harris sieben Jahre alt war, zerbrach die Liebe und es kam zur Scheidung. Gopalan starb am 11. Februar 2009.

Kamala Harris: Immer die erste

Nach der Trennung blieb Harris bei ihrer Mutter, es folgte ein Umzug von Kalifornien nach Montreal, Kanada. Hier besuchte sie die Highschool. Nach ihrem Abschluss studierte Kamala Harris Politik- und Wirtschaftswissenschaften an der Howard University in Washington. 1986 kehrte sie mit einem Bachelordiplom in der Tasche zurück in ihre Heimat Kalifornien. Hier studierte sie Rechtswissenschaften und erlangte 1989 den Grad "Juris Doctor". Ein Jahr später bekam sie ihre Zulassung als Anwältin, der Startschuss ihrer Karriere.

1998 wechselte Kamala Harris zur Staatsanwaltschaft San Francisco, 2003 wurde sie zur Bezirksstaatsanwältin von San Francisco und 2010 zur ersten schwarzen Generalstaatsanwältin Kaliforniens gewählt. In ihrer Position setzte sie sich für striktere Waffengesetze und die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen ein, gegen Straftäterinnen und Straftäter ging sie außergewöhnlich hart vor. Trotzdem initiierte sie ein Resozialisierungsprogramm und sprach sich gegen die Todesstrafe aus.

"Definiert mich nicht auf Basis dessen, was ein Mann erreicht hat"

In ihrer Zeit als Generalsstaatsanwältin wurde sie von Barack Obama, 59, als "die mit Abstand bestaussehende Generalstaatsanwältin des Landes" bezeichnet – die Welle der Empörung über seine sexistische Aussage war danach groß. Doch Kamala Harris blieb unbeeindruckt,  Spitznamen wie "weiblicher Obama" lehnte sie ab. "Definiert mich nicht auf Basis dessen, was ein Mann erreicht hat", lautete ihr Credo. Und das ist noch immer so: Kamala Harris steht mit ihrer Schlagfertigkeit, ihrem Charisma und ihren Werten für das, was sich so viele Amerikaner wünschen: Toleranz, Gerechtigkeit, Frieden. Das weiß auch Joe Biden, nicht umsonst hat der Demokrat jene Frau als Vize gewählt, die ihm zuvor öffentlich Rassismus vorgeworfen hat, weil er sich in den Siebzigerjahren gegen ein föderales Busprogramm für Schwarze Kinder ausgesprochen hat.

Eine Frau, die begeistert: Kamala Harris.
Eine Frau, die begeistert: Kamala Harris.
© Getty Images

Joe Biden beschreibt Harris als "furchtlose Kämpferin"

"Das kleine Mädchen in dem Bus war ich", kreidete Harris bei der Debatte der demokratischen Präsidentschaftskandidaten an. Und sie ist es noch heute. Auch als verheiratete, erwachsene Frau kämpft Harris gegen Rassismus und für Gleichberechtigung in den USA. Kein Wunder, dass sie – wieder einmal – als eine der ersten Politikerinnen an den "Black Lives Matter"-Demonstrationen in Washington D.C. teilnahm. "Wenn du Unrecht siehst, tu was dagegen", hat ihr ihre Mutter immer gesagt. Und das tut Kamala Harris. "Sie ist eine furchtlose Kämpferin für die kleinen Leute", beschreibt sie Joe Biden.

Ihr wichtigster Titel

Privat hat Kamala Harris ihr Glück längst gefunden. 2014 gab sie dem Juristen Douglas Emhoff, 55, das Jawort, die beiden haben sich nur ein Jahr zuvor bei einem Blind-Date kennengelernt. Emhoff brachte zwei, inzwischen erwachsene, Kinder mit in die Ehe, von denen Harris liebevoll "Momala" genannt wird. Beim Parteitag der Demokraten im August sagte sie: "Ich habe in meiner Karriere schon viele Titel gehabt. Und Vizepräsidentin wäre schon ziemlich gut. Aber Momala bleibt der Titel, der mir am meisten bedeutet."Familie bedeutet ihr alles, das spürt man. Schließlich gilt ihre jüngere Schwester Maya, ebenfalls Juristin und prominente Bürgerrechtsaktivistin, als Harris engste Vertraute – privat wie beruflich. "Unsere Verbindung ist unzerbrechlich", sagt die Senatorin, die eigentlich selbst gerne Präsidentin geworden wäre. Rückendeckung bekommt Harris auch von ihrem Ehemann: Douglas Emhoff hat sich für ihren Wahlkampf beurlauben lassen und reist mit ihr durchs Land.

"Ich mag zwar die Erste sein, aber ich werde nicht die Letzte sein"

Am 7. November wurde Kamala Harris nun zur ersten Vizepräsidentin der USA gewählt, bereits mit ihrer ersten Rede schrieb sie Geschichte. In der Siegesnacht trug Harris einen weißen Hosenanzug – die Farbe der Frauen, die vor hundert Jahren in Großbritannien und den USA den langen Weg zur Gleichstellung geebnet haben.

"Auch wenn ich die erste Frau in diesem Amt sein könnte, werde ich nicht die letzte sein, weil jedes kleine Mädchen heute Abend sieht, dass dies ein Land der Möglichkeiten ist", sagte Kamala Harris in ihrer Rede. Ihre Anhängerinnen und Anhänger jubelten. Das ist der Anfang von etwas Großem. 

Verwendete Quellen: Vogue, Forbes, Tatler, Bpb.de, Instagram, Twitter

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