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K-Pop So funktioniert die gefeierte Pop-Szene aus Südkorea

Die gefeierte K-Pop-Band "BTS" bei einem Konzert.
Die gefeierte K-Pop-Band "BTS" bei einem Konzert.
© Getty Images
Jahreslanges Training, Knebelverträge und kein Privatleben: Um in der südkoreanischen K-Pop-Szene Erfolge zu feiern, müssen Teenager Opfer bringen.

Bunte Musikvideos, schrille Outfits, Millionen Fans auf Instagram und TikTok: Die K-Pop-Szene begeistert Fans jeder Altersklasse auf der ganzen Welt. Angefangen hat der Hype in ihrem Heimatland Südkorea, doch die nationale Bekanntheit sollte nur von kurzer Dauer sein. Mittlerweile füllen die dauergrinsenden Girl- und Boygroups Stadien auf der ganzen Welt, die Konzerte der bisher erfolgreichsten K-Pop-Band "BTS" waren in Berlin in den letzten Jahren bereits binnen weniger Minuten restlos ausverkauft.

K-Pop: Mit "Gangam Style" begann der Hype

Doch von vorne. Der Hype um die südkoreanische Pop-Kultur hat 2012 mit dem Hit "Gangam Style" von Psy, 42, begonnen. Der Song hielt sich auch in Deutschland wacker in den Charts, das dazugehörige Video wurde zum meistgeglicktesten YouTube-Musikvideo des Jahres gekürt. Makaber: Psy singt in seinem fröhlichen Song über den extremen Schönheitswahn in Südkorea. Ein Hinweis auf die gefährlichen Verträge der K-Pop-Szene?

Nach dem Casting beginnt das harte

K-Pop-Trainingsprogramm

Der Weg, um ein gefeierter K-Pop-Star zu werden, erfordert eiserne Disziplin. Die Karrieren der jungen Frauen und Männer beginnen in den meisten Fällen über öffentliche Castings. Wer die ersten Runden überstanden hat, muss sich in einem harten Trainingsprogramm beweisen – manchmal sogar zehn Jahre lang. Denn: Erst nach dem Trainingsprogramm dürfen die Künstlerinnen und Künstler ihren ersten Song veröffentlichen und zum ersten Mal vor Publikum auftreten. Dann findet ihr Leben komplett in der Öffentlichkeit statt. Doch die Regeln werden nicht weniger – im Gegenteil.

Wer das Maximalgewicht überschreitet, wird rausgekickt

Wer das Casting samt Training überstanden hat, lebt für seine Karriere. Viel Geld bekommen die amtierenden Stars zu Beginn ihrer Karrieren nicht, den Großteil der Einnahmen behält das jeweilige Management. Auch über die Privatsphäre der jungen Stars walten Agenten und Manager, für Kinobesuche, Urlaube etc. ist keine Zeit. Tägliches Tanz- und Fremdsprachentraining sowie Benimmunterricht steht auf dem Programm, wöchentlich werden die Körper der jungen Erwachsenen vermessen. Es gilt: Wer ein bestimmtes Maximalgewicht überschritten oder sich nicht körperlich verbessert hat, fliegt aus dem Vertrag. Von Kündigungsfristen und Entschädigungen ist keine Rede.

Eine "No-Dating"-Klausel ist Pflicht

Auch das soziale Umfeld der Band-Mitglieder wird strengstens überwacht. Eine Beziehung? Undenkbar. Ihre Eltern sehen die Teenager meistens nur am Wochenende. Eine "No Dating"-Klausel ist fester Bestandteil der Verträge. Partys, Alkohol und Zigaretten? Strikt verboten. "Skandale mit Alkohol, Drogen oder sogar Dating schlagen nicht nur Wellen im Bereich der Unterhaltungsnachrichten, sondern auch im Bereich der Finanznachrichten, da viele der größten koreanischen Musikmanagement-Unternehmen auch öffentlich gehandelte Aktien an der koreanischen Börse sind. Schlagzeilen können einen tief greifenden Einfluss auf deren Ergebnisse haben“, erklärte Musikmanager Bernie Cho gegenüber "Korea Herald". Ausnahme: Hyuna, 28, und E’Dawn, 26, beide Solisten. Die beiden gelten als das bekannteste Paar der Szene.

Die sechsköpfige Girlband "Woo!ah!" trat im Mai 2020 zum ersten Mal auf. Hier performen sie während der "MBC Music Channel Show Champion"-Show in Goyang, Südkorea. 
Die sechsköpfige Girlband "Woo!ah!" trat im Mai 2020 zum ersten Mal auf. Hier performen sie während der "MBC Music Channel Show Champion"-Show in Goyang, Südkorea. 
© Getty Images

Schönheitskorrekturen für einheitliches Schönheitsideal

Stattdessen stehen Schönheitskorrekturen an der Tagesordnung. "Wenn die K-Pop-Produktionen anfangen, ihre Stars aufzubauen, ist der Besuch in unserer Zahnklinik für Bleeching obligatorisch", sagt Johnny Chung, Kommunikationsmanager der "Dream Medical Group" in einem Interview mit "Welt". "In ganz Asien gibt es ein einheitliches Schönheitsideal: ovales Gesicht, Kulleraugen mit einer europäisch-doppelten Lidfalte, Stupsnase, makelloser, weißer Teint - das sogenannte 'Bagle-Face'."

Ohne "Bagle-Face" keine Werbedeals

Und ohne das "Bagle-Face" sieht es auch mit Werbedeals schlecht aus, schließlich steht die Kommerzialisierung der Bands im Vordergrund: Jede K-Pop-Band trägt zum Wirtschaftswachstum Südkoreas bei, die Szene liefert die wichtigsten Exportartikel. So wirbt "BTS" beispielsweise für Autohersteller, die Boyband "Astro" machte zu Beginn ihrer Karriere Werbung für Damenhygieneartikel. Bandmitglied Cha Eun-woo wurde danach zum "GQ Men of the Year" 2018 gekürt und konnte einige Modeljobs und Front-Row-Plätze bei Fashionshow von Luis Vouitton, Fendi und Co. einheimsen.

Das BTS-Album "Map of the Soul: Persona" wurde 2019 laut koreanischer Medien innerhalb von sechs Tagen zwei Millionen Mal vorbestellt – später war es mit ingesamt 3,2 Millionen Stück das meistverkaufteste Musikalbum aller Zeiten in Südkorea. Kein Wunder also, dass es im Kulturministerium für die Produktion von Merchandise sogar eine eigene Abteilung für die perfekte Massenware gibt.

Tragische Verluste in der K-Pop-Szene 

In den vergangenen Monaten mussten die Fans der K-Pop-Szene jedoch mit tragischen Verlusten leben: Im Oktober 2019 wurde K-Pop-Star Sulli tot in ihrem Haus nahe Seoul gefunden, die Sängerin kämpfte zuvor mit massivem Mobbing im Internet. Die ersten Anzeichen sprachen für Selbstmord. Einen Monat später lag Sängerin Goo Hara leblos in ihrer Wohnung. Und am 16. Juni erreichte die K-Pop-Welt eine erneute Todesmeldung: "TST"-Bandmitglied Yohan ist gestorben, die Todesumstände sind bislang noch nicht bekannt. 

"Ständig drohte er, uns zu töten"

Lee Seok-cheol, einstiger Star der südkoreanischen Band "The East Light", beendete seine Karriere hingegen frühzeitig. Im Oktober 2017 erhob er öffentlich schwere Vorwürfe gegen seine Agentur. "Seit 2015 wurden Mitglieder von "The East Light" von unserem Producer in einem Übungsraum geschlagen, auf dem Dach hat er uns sogar mit einem Baseballschläger und einem Metallschrubber malträtiert. Und ständig drohte er, uns zu töten, wenn wir unseren Eltern davon erzählen", so Lee Seok-cheol auf einer Pressekonferenz. Daraufhin erklärte sein Management in einem Statement, ihr Schützling leide unter Angstzuständen und Panikattacken. Weiter heißt es, er solle sich in der nächsten Zeit "mental erholen". Lee Seok-cheol stand seitdem nicht mehr für "The East Light" auf der Bühne.

Verwendete Quellen: Welt, Süddeutsche Zeitung, Korea Herald, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Deutschlandfunk, t-online, rbb24, Instagram, YouTube, Twitter, eigene Recherche

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