Julie Delpy: Kinder unerwünscht

Eine Bahnfahrt mit einem kleinen Kind kann ziemlich anstrengend sein - vor allem wenn man in Deutschland unterwegs ist, findet die Schauspielerin Julie Delpy

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Durch ihren Freund, den Münchner Marc Streitenfeld, hat Julie Delpy eine ganz besondere Beziehung zu Deutschland. Und doch gibt es da etwas, dass sie an dem Heimatland ihres Lebensgefährten stört. "Ihr habt die Neigung, Frauen Schuldgefühle zu vermitteln, wenn sie nach der Geburt wieder arbeiten wollen", sagte die Schauspielerin und Regisseurin im Interview mit dem "Kultur"-Spiegel.

Erst kürzlich habe sie das am eigenen Leib erfahren. "Als ich neulich in München im Zug saß, habe ich es gewagt, an meinem Computer zu arbeiten, während sich die Nanny um meinen Sohn gekümmert hat. Da hat doch tatsächlich eine Frau gesagt: 'Sie sind die Mutter, Sie sollten neben Ihrem Kind sitzen!' Ich glaube nicht, dass sie das einem Mann gesagt hätte. Ich bin ganz schön böse geworden", sagte sie.

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"Der ganze Zug hat mich nach kürzester Zeit gehasst", so Delpy weiter. Ich war wie der Elefantenmensch. Eine Aussätzige". Es habe nicht viel gefehlt, und die Mitreisenden hätten sie rausschmeißen lassen, nur weil der Kleine etwas unruhig gewesen sei.

Auch bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sieht Delpy Nachholbedarf. Die Pläne für ein Betreuungsgeld nahm sie mit Entsetzen zur Kenntnis: "Wow. Klingt nach einer Idee von Marine Le Pen". Die Vorsitzende des rechtsextremen Front National propagiere ebenfalls "diesen Frauen-an-den-Herd-Gedanken".

Delpy selbst kommt aus Frankreich. "Dort haben wir das Glück, dass Kinder überall akzeptiert werden. Auch in schicken Restaurants rennen die rum, und niemanden stört's", sagt sie.

Delpys Sohn Leo ist drei Jahre alt. Bis er ohne die Aufsicht seiner Mutter Zug fahren kann, dauert es also noch etwas - und bis dahin zeigen die Mitreisenden hoffentlich etwas mehr Toleranz.

aze

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