Jürgen Klopp: Ein Abschiedsgruß an den legendären Fußballtrainer

Kult-Trainer, Frauenschwarm, Testosteron-Tanker: Jürgen Klopp wird fehlen! Ein Abschiedsgruß an die scheidende Fußball-Legende

Jürgen Klopp, Micky Beisenherz

"Klopp hat Fußball sexy gemacht"

Bin nur ich das – oder wirkte das schwarz-gelbe Trikot der Dortmunder diesmal deutlich schwärzer? Dass ein Papst mal zurücktritt, okay, das geht ja noch. Aber hier geht es um wirklich Wichtiges. Um unseren Trainer. Jürgen Klopp nimmt seinen Hut. Beziehungsweise die Pöhler-Kappe. Das ist hart. Ganz hart. Nach sieben Jahren oder, wie man beim HSV sagt: nach 15 Trainern. Sicher, zuletzt war einiges schlimm anzusehen, da gab es fürchterliche Szenen. Und ich rede hier nur von seiner Opel-Reklame.

Man muss nicht aus dem Borussendunstkreis kommen, um zu spüren, dass hier ein ungewöhnlicher Abschied ansteht. Ich komme aus dem Ruhrgebiet. Eine Herkunft, die sich ohne ein „Ja, aber“ kaum erläutern lässt. „Ich komme aus ... ja, aber da gibt es echt schöne Ecken. Glaubt mir.“

Als Kloppo Dortmund vor sieben Jahren übernommen hat, war der Verein im tabellarischen Niemandsland. Sportlich so attrak¬tiv wie die Nordstadt: Fifty Shades Of Grey. Schrittweise hat er den Verein aufgebaut, ihm und seinen fantastischen Anhängern den Stolz zurückgegeben. Langsam, aber sehr sicher. Plötzlich waren wir so was wie der Rocky Balboa der Liga. Damit lebt es sich ziemlich gut. Diese „Blut, Schweiß und Tränen“-Attitüde. Underdoggystyle. Diese Unterhemdigkeit ist attraktiv. Plötzlich waren wir die Coolen. Der ein oder andere Niederschlag gehörte fast zum Markenkern. Wieder aufstehen, das ist der Shit! Wer Angst hat, soll Bayern-Fan werden. Sicher, einer wie Pep Guardiola ist ein guter Trainer. Und immer fantastisch gekleidet. Dennoch umgibt ihn so eine Aura von Waschzwang. Spaß sehe ich da so richtig keinen. Eher Bilanzfußball.

Wenn einer kein Problem hat, Emotionen zu zeigen, dann ist es Klopp. Um es mal vorsichtig auszudrücken. Es gibt diesen berühmten Lagerfeld-Satz „Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“ – wer Klopp einmal in der Coachingzone hat wüten sehen, weiß, dass es stimmt. Dass er nebenbei den Jogginganzug, die Ausgehuniform des Ruhrgebietlers, salonfähig gemacht hat, ist ihm ebenfalls hoch anzurechnen.

Klopp hat den BVB, den Fußball sexy gemacht. Plötzlich fingen auch massenweise Frauen an, sich für diesen Club, für diesen Sport zu begeistern. Ich weiß, wovon ich rede. Originalzitat meiner Frau in einer samstäglichen Bundesligaguckrunde bei meinem Kumpel Markus: „Oh, der Klopp. Mit dem könnte ich mir auch ’ne Affäre vor- stellen.“ „Wat?“ Ich konnte ihr nicht einmal böse sein. Die Frage war eigentlich nur, wer schneller seine Nummer kriegt.

Wenn Thomas Tuchel zur nächsten Saison der neue BVB-Trainer wird – es wird nicht leicht für ihn. Ein Jungdynamiker mit ’nem „Matchplan“? Solche Typen haben wir früher zur FDP abgeschoben. Und der soll jetzt unseren Klopp ersetzen? Diesen … jawohl: Kerl! Diesen Typen, der sich sogar frischen Rollrasen in die Geheimratsecken tackern konnte, ohne dass irgendwer groß gelacht hätte. Und wenn, dann hat Kloppo den Gag selber gemacht. Wie so oft. Beim BVB haben sich viele weniger auf das Spiel als auf die Pressekonferenz danach gefreut. Es gab immer viel zu lachen. Der Ballspiel¬verein, das ist wunderbares Entertainment.

Was Frauen immer wieder angeben, wenn sie gefragt werden, was sie an Männern am attraktivsten finden: Humor. Ein Mann mit Humor ist immer Herr der Lage. Der Souverän. Der Anführer. Selbst nach Niederlagen war Testosteron-Tanker Klopp noch lustig, wenn auch nicht für die Reporter neben ihm. Wo wird denn sonst noch gelacht? Leverkusen? Wolfsburg? Hamburg?

Ach Mann, Kloppo!

Muss das denn wirklich sein? Wo willst du denn hin? Die anderem Stadien können all deine Emotionen doch gar nicht fassen. Die platzen doch. Dann lass uns jetzt wenigstens noch diesen verdammten DFB-Pokal holen, damit wir am Ende der Saison noch was zu feiern haben. Allein schon, damit unser Trainer nicht den Unterkiefer kaputtknirscht.

Eines würde ich aber gerne noch wissen: Was genau hat meine Frau eigentlich mit „auch“ gemeint?

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