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Jürgen Drews "Joelina muss gegen viele Vorurteile ankämpfen"

Jürgen Drews
© Getty Images
Jürgen Drews über seine Schlagerkollegen, seine Zukunftspläne – und ob er bald Opa werden möchte.

Es ist sein Fitness-Zaubertrank. Ein Löffel noch von der frischen Hühnersuppe, die ihm seine Frau Ramona, 47, gekocht hat, dann ist Jürgen Drews, 75, startklar. Fast unglaublich: Seit 60 Jahren steht der Meister des deutschen Schlagers auf der Bühne. 

GALA: Herr Drews, beneiden Sie Ihre jungen Kollegen?
Jürgen Drews: 
Warum sollte ich?

Als Sie Ihre Karriere starteten, war Ihre größte Bühne die ZDF-Hitparade. Heute bieten Instagram und Co. völlig neue Möglichkeiten.
Ich glaube, wenn es das damals schon alles gegeben hätte, dann hätte ich bestimmt eine große Schar an Followern gehabt.

Auf Ihrem neuen Album singen Sie mit Schlagerkollegen wie Howard Carpendale und Florian Silbereisen, aber auch mit ungewöhnlichen Partnern wie dem Komiker Otto Waalkes. Sind das alles Freunde?
Nein, aber tolle Typen! Grundsätzlich mag ich aber keine Männerfreundschaften. Die Frauen zu Hause lassen, um "Männersachen" zu machen – das hat es bei mir noch nie gegeben.

Mit dieser Haltung war es sicher nicht immer einfach in der Branche. Mit wem haben Sie sich denn nicht so gut verstanden?
Ich möchte keine Namen nennen, aber es gab schon den ein oder anderen, wo man auch mal kleine Seitenhiebe in Form von Sprüchen zu spüren bekam.

Jürgen Drews über Casting-Shows

Apropos Sprüche: Warum saßen Sie noch nie in der Jury einer Casting-Show? 
Ich war mal für "Deutschland sucht den Superstar" im Gespräch. Aber das hat sich für mich nicht gut angefühlt. Damals hat Dieter Bohlen noch ordentlich gegen die Kandidaten ausgeteilt. Dafür bin ich nicht der Typ.

Jürgen Drews und seine Ehefrau Ramona im Jahr 1999.
Jürgen Drews und seine Ehefrau Ramona im Jahr 1999.
© Getty Images

Für die meisten sind Sie heute "Der König von Mallorca". Ein Titel, den Sie mit Stolz tragen?
Es war Thomas Gottschalk, der mir zu dieser Ehre verhalf: Er hat mich 1999 bei "Wetten, dass ..?" so angekündigt. Ich fand das sofort lustig. Diese Kunstfigur macht mir einfach Spaß. Noch heute trete ich mit Mantel auf. Nur die Krone lasse ich mittlerweile weg – das finde ich doch zu überzogen.

Jürgen Drews: "Niemand ist unersetzlich, auch ich nicht"

Sie haben gerade Ihre Biografie geschrieben, jetzt das Best-of-Album. Es wirkt so, als würden Sie Ihr Karriere-Ende ins Auge fassen.
Ja, das ist so. Ich sage nicht, dass mein neues Album das letzte ist. Aber wenn es so kommen sollte, ist das auch okay. Ich habe mehr als 50 neue Titel in der Schublade, aber es kostet mich im Augenblick aufgrund der Corona-Krise etwas Überwindung, ins Studio zu gehen.

Was würde der Schlagerwelt ohne Jürgen Drews fehlen?
Nix. Niemand ist unersetzlich, auch ich nicht.

Freut sich Ihre Frau überhaupt, wenn Sie jetzt häufiger zu Hause sind?
Sie weiß, dass ich weiterhin gerne auf der Bühne stehe. Aber durch mein etwas reiferes Alter bin ich nicht mehr so sprunghaft wie früher mit drei Jobs an einem Tag. Damals war ich ein "Hansdampf in allen Gassen". Über die jetzige Zwangspause war Ramona, die mich ja ab und zu begleitet, sehr dankbar. Das ständige Reisen strengt an.

Da kann man mit einem Hobby für Ausgleich sorgen.
Ja, bei mir ist das unser Garten. Wir haben einen riesigen japanischen Zierbaum, den wir mal aus einem TV-Studio mitgenommen haben. Der lockt im Sommer die Bienen aus allen Himmelsrichtungen an. Ich setze mich unheimlich gern unter diesen Baum, lausche dem Summen und beobachte die Bienen bei der Arbeit. Wenn mir Ramona dann noch einen Latte macchiato bringt und sich dazugesellt, ist mein Glück perfekt.

Jürgen Drews über seine Tochter Joelina

Ihre Tochter Joelina tritt gerade Ihr musikalisches Erbe an – Ihr Name wird da sicher einige Türen öffnen.
Nicht unbedingt. Joelina muss gegen viele Vorurteile ankämpfen: "Aha, da kommt die Tochter vom Drews!" Umso mehr will sie ihren eigenen Weg gehen und fragt mich auch gar nicht um Rat. Sie ist sehr zielstrebig und fleißig.

Träumen Sie davon, Opa zu werden?
Wenn’s kommt, dann kommt’s. Wir haben aber noch nie darüber gesprochen. Für Joelinas Karriere wäre es wahrscheinlich eher hinderlich, würde sie jetzt Mutter.

Machen Sie sich manchmal Gedanken, wie viel Zeit Ihnen noch bleibt?
Ich denke immer mal wieder über den Tod nach, aber ich möchte dem nicht zu viel Raum geben. Sonst wird man nämlich tatsächlich krank. Und gesünder als Ramona und ich kann man eigentlich nicht leben. Meine Frau hält mich jung und fit. Das soll noch lange so bleiben.

Sie sind seit 26 Jahren verheiratet. Was ist Ihr Liebesgeheimnis?
Wir behandeln uns mit Respekt und werden auch bei Diskussionen nie ausfällig. Im Streit ins Bett gehen? Da könnte ich gar nicht einschlafen. 

Verwendete Quellen: eigenes Interview

Gala

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