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Judith Rakers "Ich hatte Sehnsucht nach Natur"

Judith Rakers
© instagram.com/judith_rakers
Judith Rakers hat sich mit dem Umzug aus der Stadt aufs Land einen Traum erfüllt. In GALA spricht sie über ihr neues Leben mit Gemüsegarten, Hühnern – und viel Glück.

Draußen sein, den Stress einfach abstreifen – danach sehnen sich viele Menschen. Judith Rakers, 45, hat sich ihren Traum von einem besseren, ge­sünderen Leben mit dem Umzug in ein Haus am Stadtrand von Hamburg er­füllt. Und den dazugehörigen einstigen Ziergarten mit viel Arbeit zu einem grünen Paradies mit Bäumen, Beeten und Blumen gemacht. Inmitten dieser neuen Umgebung hat sie sich auch selbst verändert: Aus einer Frau, bei der früher selbst Topfpflanzen in kürzester Zeit ver­kümmerten, wurde eine grüne Fee.

Judith Rakers im GALA-Interview

GALA: Sie wirken extrem glücklich. Haben Sie mit dem Garten Ihre Bestimmung gefunden?
Judith Rakers: Er bereitet mir auf jeden Fall wahn­sinnige Freude! Und das ist eine große Überraschung für mich. Nie hätte ich gedacht, dass mir Gemüseanbau und Hühnerzüchten so viel Spaß machen würde. Die ersten 40 Jahre meines Le­bens hat beides keine Rolle gespielt. Ich hatte nicht mal einen grünen Daumen.

Welches Gefühl überkommt Sie beim Buddeln in der Erde?
Glück. Pures Glück. Und Zufriedenheit. Ich gehöre mit meinem Job zu den Menschen, die viel am Schreibtisch sitzen, Zeitdruck und Stress haben – die aber am Ende des Tages die Früchte der Arbeit nicht in den Händen halten. An der Gartenarbeit finde ich so befrie­digend, dass ich sofort sehe, was ich ge­leistet habe. Und wenige Wochen später kommt dann sogar noch eine richtige Belohnung: Denn dann ist nicht nur eine Pflanze, sondern auch etwas Leckeres zum Aufessen gewachsen.

Sie waren also komplette Anfängerin, als Sie mit dem Gärtnern begonnen haben.
Das stimmt. Bei mir hat vorher nicht mal ein Basilikum aus dem Super­markt überlebt. Nach wenigen Tagen musste ich ihn entsorgen, weil er nur noch ein Häufchen Elend war. Als Neu-­Gärtnerin habe ich versucht, ihn selbst auszusäen und zu ziehen. Und siehe da, so gedeiht er viel besser. Prompt wurde er so groß und buschig, dass ich kaum noch durchs Küchen­fenster schauen konnte.

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Sie verwerten all ihr Gemüse selbst. Haben Sie damit auch abgenommen?
Nein, eher zugenommen. (lacht) Weil man es sich zurzeit ja Zuhause gern schön gemütlich macht. Viel wichtiger ist, dass der Garten wunderbar stress-ausgleichend wirkt. Er macht mich zu einem glücklicheren Menschen. Ich war immer schon sehr positiv und optimistisch, doch der Garten toppt dies, indem er mir täglich viele kleine zusätzliche Glücksmomente schenkt.

Judith Rakers: "Ich lebe mit 13 Hühnern zusammen"

Sie wachen morgens schon glücklich auf?
Ja, eigentlich schon. Natürlich gibt es auch Tage, an denen ich mit Sorgen ins Bett gehe, auch wegen aktueller politischer Ereignisse. Aber wenn ich aufwache, ist der Tag erstmal voller Verheißungen, und ich gebe ihm die Chance, der schönste in meinem Leben zu werden. Klingt kitschig, sorgt aber für ein gutes Lebensgefühl.

Judith Rakers hat 13 Hühner. 
Judith Rakers hat 13 Hühner. 
© Gräfe und Unzer Verlag/ Sebastian Fuchs

In Ihrem Job haben Sie dagegen oft mit schlechten Nachrichten zu tun. Welche machen Ihnen zurzeit am meisten zu schaffen?
Die Corona-Berichterstattung. Dass ich täglich RKI-Zahlen verkünden muss und von überfüllten Intensivstationen berichten. Da muss ich mich schon sehr konzentrieren, um sachlich zu bleiben. Besonders schlimm wird es, wenn wir in unseren Beiträgen über einzelne Schicksale dahinter berichten. Wenn wir ältere Menschen auf Intensivstationen zeigen und dann texten müssen, dass er oder sie die nächste Nacht nicht erlebt hat. Das berührt mich emotional schon sehr.

Was schenkt Ihnen Ihre kleine, heile Welt nach der Arbeit?
Einen gesunden, bodenständigen Ausgleich. Auch durch meine Tiere: Ich lebe mit 13 Hühnern, drei Katzen und zwei Pferden zusammen. Da ist immer was los.

Klingt toll. Obwohl, manche tierischen Bewohner sind ja weniger erwünscht – etwa Schnecken.
Ha, dieses Problem habe ich in den Griff gekriegt. Ich habe mir einen Zaun aus Metall um meine Beete gebaut, mit einer Kante, über die Schnecken nicht hinüberkriechen können. Zerstoßene Eierschalen, die man ausstreut, können auch helfen. Ich würde es nicht übers Herz bringen, eine Schnecke zu zerschneiden, wie manche das praktizieren. Und von Bierfallen kann ich nur abraten: Die locken alle Schnecken aus der gesamten Nachbarschaft an.

Mit ihrem Buch macht Judith Rakers Lust auf "Home Farming".
Mit ihrem Buch macht Judith Rakers Lust auf "Home Farming".
© Gräfe und Unzer Verlag/ Sebastian Fuchs

"Ich wollte morgens beim Aufstehen Natur um mich haben"

Sie schreiben in Ihrem Buch "Homefarming", Sie hätten sich eine Veränderung gewünscht und sich deshalb Haus und Garten zugelegt. Was hat sich nicht mehr richtig in Ihrem Leben angefühlt?
Ich hatte einfach diese Sehnsucht nach mehr Verbindung zur Natur. Sie wurde immer stärker. Ich bin ländlich aufgewachsen, in Bad Lippspringe am Teutoburger Wald. In den ersten 20 Jahren meines Lebens wollte ich dort immer nur weg. In eine Metropole, groß und städtisch. Ich habe es eine Zeit lang sehr genossen, mitten in Hamburg zu wohnen. Irgendwann habe ich dann aber gemerkt, dass ich genug von einer Wohnung in der vierten Etage habe.

Ich wollte morgens beim Aufstehen Natur um mich haben und ins Grüne schauen. Also habe ich lange nach dem richtigen Häuschen gesucht – und es schließlich am Stadtrand gefunden. Das große Grundstück drumherum hat mich dann zum Gemüseanbau verlockt. Ich hätte nie gedacht, wie viel Spaß das bringt, weil ich stets ein Vollhonk in Sachen Pflanzen war. Und jetzt halte ich sogar Hühner!

Genau wie Ihre Freundin Barbara Schöneberger.
Jetzt, wo wir beide Hühnermamas sind, unterhalten wir uns ständig darüber. Sie fragt mich immer nach meinen Küken, denn sie wünscht sich auch welche. Bei ihr kam aber noch keine Henne in Brutlaune, bei mir dagegen haben drei von vier Hennen gleich im ersten Frühling gebrütet. (lacht)

Schnappen Sie sich manchmal ein Huhn zum Streicheln?
Es gibt eine anhängliche Henne, die mir sogar auf den Schoß springt. Und alle fressen mir aus der Hand. Die Hühner sind aber nicht wie meine Katzen, die Berührungen genießen.

Trotzdem haben Sie eines "Schatzi" genannt.
Ja, weil es das zutraulichste ist. Und mein Hahn heißt Giovanni.

Etwa nach Ihrem Talkshow- Kollegen Giovanni di Lorenzo?
Genau. Er nimmt’s mit Humor und hat offiziell die Patenschaft übernommen. Er kam sogar extra zur Taufe seines Hahns hierher. Wir haben mit einem Glas Rotwein auf Gockel Giovanni angestoßen. (lacht)

Würden Sie Ihre eigenen Hühner essen?
Nein, das bringe ich nicht übers Herz. Sie sind mehr Haus- statt Nutztiere geworden. Die Eier genieße ich sehr, aber schlachten könnte ich sie nicht.

"Vielleicht denke ich in zehn Jahren anders"

Was hat sich im neuen Dasein noch verändert?
Das Leben findet mehr draußen statt. Und weil ich im Sommer so gerne barfuß gärtnere, habe ich oft schmutzige Füße. Sogar jetzt im Winter sind die weißen Streifen von meinen Flipflops noch zu sehen, weil ich so häufig an der Sonne war. Riemchensandaletten zum Abendkleid sind deshalb schwierig geworden. (lacht)

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Für wen oder was würden Sie Ihr Idyll wieder aufgeben?
Für nichts und niemanden. Gerade stimmt hier alles. Vor allem mein Vater lacht sehr darüber, dass mir Gartenarbeit, Einmachen und Kochen so gut gefallen. Weil ich früher immer so in Opposition gegangen bin zu diesem Leben. Ob das immer so bleibt? Ich weiß nicht. Vielleicht denke ich in zehn Jahren anders darüber. Ich will auf jeden Fall offen bleiben für das, was das Leben mir bringt.

Sie erwarten bald Nachwuchs: Ihre Stute Sazou ist trächtig.
Ich freue mich riesig, dass Sazou, mein liebes, tolles, abenteuerlustiges Tier, ein Fohlen bekommt. Ich will unbedingt bei der Geburt dabei sein, das ist dieses Jahr eines meiner großen Ziele.

Wünschen Sie sich manchmal Ihr altes Leben ohne Gartenarbeit und Mühen zurück?
Nein, es gab noch keine Sekunde, in der ich so etwas je gedacht hätte.

Gala


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