Judith Milberg: Die Kunst des Lebens

In loser Folge stellt "Gala" an dieser Stelle deutsche Frauen vor, die Außergewöhnliches leisten. Zum Auftakt: Judith Milberg, die Ehefrau des "Tatort"-Stars Axel Milberg. Die dreifache Mutter hat sich vor Kurzem als Künstlerin neu erfunden und hat jetzt auch ihre eigene TV-Reihe

Judith Milberg

Zielsicher steuert Judith Milberg im Münchner Museum Brandhorst den hellen Saal an,

in dem die Sammlung des amerikanischen Künstlers Cy Twombly hängt. Den Blick auf die gemalten Rosen gerichtet, betrachtet sie die Werke, die trotz ihrer Größe eine ungeheure Ruhe ausstrahlen. Die studierte Kunsthistorikerin war schon öfter hier. Und jedes Mal ist sie aufs Neue von den Bildern Twomblys fasziniert. Vor dem großformatigen Werk "Rosen" erlaubt sich Judith Milberg eine kleine Pause. Ein seltener Augenblick. Tausendsassa, Multitalent, Multitaskerin - all das trifft auf Judith Milberg zu. Die 49-Jährige ist Ägyptologin, Kunstmanagerin und Künstlerin, Designerin und Moderatorin. Und ja, sie ist auch die Ehefrau von Schauspieler und die Mutter von drei Söhnen. So vieles macht sie gleichzeitig, aber nie etwas halbherzig. Gute Laune ist bei ihr Lebenseinstellung. Im Museum mag sie Kraft tanken, in ihrem Haus aber, das nur einen ausgedehnten Spaziergang entfernt ist, sieht das gleich anders aus: Hier versprüht sie Energie pur, und hier hatte sie "Gala" vorher ihre Werkstatt gezeigt.

Judith Milberg im Münchner Museum Brandhorst. Die Bilder des Künstlers Cy Twombly geben ihr Kraft. Von der Ruhe des Augenblicks darf man sich aber nicht täuschen lassen: Milberg hasst es, innezuhalten.

Was von außen wie eine grau gestrichene, klassische vierstöckige Altbauvilla aussieht, entpuppt sich innen als Kreativlabor. Gleich im Erdgeschoss: die Werkstatt, die von einem weißen, vollgeklecksten Ateliertisch dominiert wird. Der ist überhäuft mit Pinseln, Farbtuben und Stoffen, während sich in einem acht Meter langen Holzregal Wolle, Puppenköpfe, Gießkannen, Metall - dosen, Perlen und jede Menge Farbdosen in Drahtkörben stapeln. Nach großen Erfolgen als Kunstmanagerin startete Judith Milberg hier auf 30 Quadratmetern vor zwei Jahren ihre Karriere als Künstlerin. Ihre Idee: aus alltäglichen Gebrauchsgegenständen Kunstobjekte zu machen. Da wird aus Baumarktlampen ein opulenter Lüster, aus 300 Fliegenklatschen ein Vorhang, aus Omas Häkeldecke ein Obstkorb. Ihr Vorteil: Material zum Gestalten ist reichlich vorhanden.

Auf einem Flohmarkt auf Mallorca entdeckte die Künstlerin dieses Porträt eines kleinen Jungen von 1910 (o.). Später wurde das Bild nachkoloriert und hängt nun in der Milberg-Villa.

Denn das Sammel-Gen wurde ihr quasi in die Wiege gelegt: "Einen Anfangspunkt meiner Sammelleidenschaft gibt es nicht. Meine Mutter ist Archäologin, mein Vater Geologe. Ich begleitete meine Eltern schon als Kind zu Ausgrabungen überall auf der Welt. Da habe ich gelernt, wie jede noch so kleine Scherbe begutachtet und archiviert wurde." Daraus entstand eine Sammel- Leidenschaft, die bis heute anhält. Angst vor dem Messie-Dasein hat sie nicht. "Dafür bin ich zu sehr Jungfrau, zu ordnungsliebend", erklärt sie. Stillstand kennt sie nicht. Aber eben auch keinen Flohmarkt, kein Haushaltswarengeschäft und kein Trödellädchen, das vor ihr sicher wäre: "In Spanien, Italien und Asien bin ich hilflos verloren. Lilafarbene Trichter, Plastikschalen - alles wird eingekauft und mit nach München geschleppt. Mein Mann wundert sich dann, und der Zoll freut sich." Mit schnellen Schritten läuft die Hausherrin auf ihren braunen voran, führt uns über ein Treppenhaus in das Wohnzimmer im ersten Stock. Von ihrem Mann, dem erfolgreichen deutschen Schauspieler Axel Milberg, 55, spricht Judith meist mit einem leichten Lächeln. Vor 20 Jahren haben sich die beiden bei einem Abendessen einer gemeinsamen Freundin kennengelernt. "Danach war alles klar - ohne Wenn und Aber", erinnert sie sich an die Erstbegegnung. Obwohl Axel Milberg beruflich viel unterwegs ist und oft nur am Wochenende nach Hause kommt, sind sich beide stets nah: "Wenn Axel dreht, telefonieren wir bestimmt 15 Mal am Tag. Das beginnt morgens vor dem Aufstehen und endet abends, wenn wir wieder im Bett liegen."

Und in welcher Rolle lieben Sie ihren Mann am meisten? "Ich mag ihn in allen Rollen, aber als Tatort-Kommissar Borowski schon am meisten. Da liebe ich das Unberechenbare an ihm. Das ist er in unserem Leben zum Glück gar nicht. Ein bisschen verwurschtelt vielleicht, auch wenn er das natürlich vehement bestreitet", sagt sie augenzwinkernd. Das Geheimnis ihrer Ehe? "Wir sind leidenschaftlich aneinander interessiert. Glück gehabt, es ist einfach so", sagt sie und strahlt. Während Axel Milberg dreht, schmeißt Ehefrau Judith den Alltag mit drei Jungs (22, 21 und acht Jahre alt) im Hause. Und obwohl die älteren beiden Betriebswirtschaft und Medieninformatik studieren, leben alle noch unter einem Dach. Was für ein Kompliment für eine Mutter! Judith Milberg weiß das Glück zu schätzen: "Die Jungs sind mein größter Erfolg. Ich bin mit zwei jüngeren Schwestern aufgewachsen, hatte schon immer das Durchsetzungs-Gen in mir. Da fällt es mir nicht schwer, dass mir die Jungs in dieser Männerwelt Respekt entgegenbringen." Sie berichtet aus dem Mutter-Alltag: "Die Jungs haben wir durch die Pubertät geschafft. Sie strotzen nur so vor Kraft, Ideen und spannender Ansichten - darauf bin ich wahnsinnig stolz. Und unser jüngster August wickelt uns virtuos um den kleinen Finger ...

Ein Ehepaar, ein tolles Team: Schauspieler Axel Milberg und seine Frau Judith. Seit 20 Jahren sind sie liiert, seit acht Jahren glücklich verheiratet.

Judith Milberg strahlt eine unglaubliche Stärke und Energie aus. "Stillstand oder Innehalten sind ein Grauen für mich", sagt sie. "Im Gegenteil, Stille macht mich hochnervös. Ich komme zur Ruhe, wenn ich aktiv bin." Ihr aktuellstes Projekt: die Sendung "Privat bei ..." für den Pay-TV-Sender "glitz". In jeder Folge besucht sie sonntags um 20.50 Uhr Persönlichkeiten wie oder , spricht mit ihnen über Kunst, Design und natürlich: das Leben. Projekt Nummer zwei: Noch in diesem Jahr will sie ihre selbst designten Lieblings-Kunststücke und eine eigene Homeware-Kollektion verkaufen. Doch bei aller Freude über den beruflichen Erfolg ist Judith Milberg genauso intensiv damit beschäftigt, ernste Themen zu reflektieren. Da sind die Kinder in Südafrika, für die Axel und Judith Milberg gemeinsam mit der Umckaloabo-Stiftung Gelder sammeln, um Schulen und Kinderheime zu bauen. Und da ist besonders das Schicksal ihres Neffen Theo, das sie bedrückt. Im Sommer vergangenen Jahres verunglückte der 18-Jährige schwer. Bei einem Kite-Unfall während eines USA-Aufenthalts in Portland schlug der junge Mann mit dem Kopf auf einer Sandbank auf und brach sich zwei Halswirbel. "Dieses Schicksal knallte wie ein Meteorit in unsere Familie", erzählt Judith Milberg. "Seit diesem Tag ist nichts, wie es war. Theo ist ein so wunderbarer Junge, und es ist schwer zu erleben, wie ein junger Mann so plötzlich aus dem Leben gerissen wird. Er ist ab dem Hals gelähmt, kann nur seinen rechten Bizeps bewegen. Natürlich unterstütze ich meine Schwester und Theo auf diesem schweren Weg mit meiner ganzen Kraft", sagt sie, während ihre Stimme leiser und leiser wird.

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Wenn ihr jüngster Sohn August um acht Uhr morgens aus dem Haus ist, sitzt Judith Milberg für Theo am Computer, kümmert sich um Behördengänge, Treppenlifter und den Umbau der Wohnung in Schwabing. Gemeinsam mit ihrer Familie und Freunden hat sie bislang zwei Benefiz-Veranstaltungen für Theo organisiert: "Es ist unmenschlich, was dieser Junge in den letzten Monaten durchgemacht hat. Und obwohl er weiß, dass er im Moment an den Rollstuhl gefesselt sein wird, strahlt er so viel positive Energie und Zukunftsperspektive aus." Über einen sprachgesteuerten Computer ist er mittlerweile mit seiner Schulklasse verbunden, kann am Unterricht teilnehmen und möchte im nächsten Jahr sein Abitur machen. "Ich hoffe auf den Tag x, an dem Theo auf die Beine kommt. Und ich bin mir sicher, dieser Tag wird kommen", sagt sie zuversichtlich, wieder mit typisch fester Stimme. Bei all diesem Multitasking und dem prall gefüllten Alltag helfen ihr ihre Souveränität, ihr organisiertes Handeln und ihr Humor. Auf die Frage, welches ihr wichtigstes Handwerkszeug sei, sagt Judith Milberg spontan: "Keine Frage, die Heißklebepistole. Sollte jede Frau immer dabeihaben. Ich werde eine kleine Klebepistole für die Handtasche entwickeln." Jonica Jahr

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