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Ex-"Mr. President"-Star Judith Hildebrandt "Der Ausstieg aus der Branche war hart"

Judith Hildebrandt
Judith Hildebrandt
© Eric Gars
Judith Hildebrandt aka. "T-Seven" wurde mit der Band "Mr. President" bekannt. Heute, 20 Jahre nach ihrem Rückzug aus der Showbranche, arbeitet sie als Pferdetrainerin und gibt Gesangsstunden. Im GALA-Interview spricht sie über ihr neues Leben.
"Ayyayaya coco jambo ayyayai": Vor 20 Jahren ist Judith Hildebrandt alias "T-Seven" aus der erfolgreichen Band "Mr. President" ausgestiegen. Im GALA-Interview erinnert sich die Künstlerin an die Zeit unmittelbar nach ihrem Ausstieg und verrät, wieso es sie auf gar keinen Fall zurück ins Rampenlicht zieht.
GALA: Vor 20 Jahren haben Sie sich aus der Showbranche zurückgezogen. Wieso?
Judith Hildebrandt: Ich bin bei "Mr. President" ausgestiegen, weil ich andere Musik machen wollte. Ich hatte verschiedene Plattenverträge und mir wurde angeboten, dass ich meine eigenen Songs schreiben darf, doch am Ende wurde daraus nichts – das war schade. Und dann habe ich eben entschieden, mich ganz rauszuziehen.
Welche Musik hätten Sie damals gerne gemacht?
Pop-Rock. Und ich wollte meine eigenen Songs schreiben. Aber letztendlich sollte ich einfach das weitermachen, mit dem ich schon vorher erfolgreich war.
Die Musikindustrie ist eben auch nur eine Industrie. Weiterentwicklung wurde in dieser Zeit leider nicht wirklich unterstützt.
Sie konnten Ihre eigenen Träume also nicht verwirklichen?
Der Ausstieg aus der Branche war natürlich hart, ich musste mich im normalen Leben erstmal wieder zurechtfinden. Und dann kam natürlich auch die Presse.
Wie meinen Sie das?
Ich habe nach meinem Ausstieg in einem Klamottenladen einer Freundin gejobbt – ich hatte ja Zeit und wusste nicht genau, wie es weitergehen soll. Als die Presse davon Wind bekommen hat, wurden leider die Tatsachen so verdreht, dass meine Karriere am Ende wäre und ich nicht mehr gefragt bin. Dabei habe ich ja selber aufgehört.
Heute findet man Judith Hildebrandt auf Reitturnieren statt auf der großen Bühne.
Heute findet man Judith Hildebrandt auf Reitturnieren statt auf der großen Bühne.
© Tom Buthmann
Haben Sie trotz der Schlagzeilen weiter in dem Laden gearbeitet?
Ja klar. Parallel habe ich auch noch beim Radio gearbeitet, das mache ich bis heute. Aber das war am Anfang natürlich auch schwer, meine Kollegen kannten mich ja nur als die Tussi von "Mr. President." (lacht)
Also mussten Sie sich am Anfang erstmal beweisen?
Auf jeden Fall! Aber ich glaube, dass meine Kollegen schnell gemerkt haben, dass ich doch ganz nett bin. Danach war auch alles gut, ich arbeite ja mittlerweile schon über 20 Jahre beim Radio.

"Viele dachten, dass ich mich für etwas Besseres halte"

Mit welchen Vorurteilen hatten Sie nach Ihrem Ausstieg zu kämpfen?
Dass ich arrogant bin und mich mit "Normalos" nicht unterhalte. Viele dachten, dass ich mich für etwas Besseres halte – aber ehrlich gesagt hatte ich diesen Gedanken noch nie.
Nur weil man erfolgreiche Musik macht, ist man kein besserer Mensch.
Könnten Sie sich vorstellen, heute immer noch so präsent in der Öffentlichkeit zu stehen?
Nein, nicht so wie damals! Definitiv nicht! Mein aktuelles Leben ist mein Traum. Ich bin Pferdetrainerin, gebe Gesangsunterricht und trete ab und zu nochmal auf. Das macht mir wahnsinnig viel Spaß und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, mich auf eines meiner Standbeine zu fokussieren und zum Beispiel nur noch Musik zu machen und über rote Teppiche zu laufen.
Judith Hildebrandt genießt seit ihrem Ausstieg aus der Showbranche das Leben auf dem Land.
Judith Hildebrandt genießt seit ihrem Ausstieg aus der Showbranche das Leben auf dem Land.
© Tom Buthmann
Das ist konsequent. Was hat Sie in Ihrem damaligen Leben am meisten gestört?
Wirklich gestört hat mich nichts, ich könnte mir einfach nicht mehr vorstellen, immer auf Achse zu sein und ständig neue Schlagzeilen über mich zu lesen.
Gibt es einen Moment, an den Sie sich heute noch gerne erinnern?
Ach, da gibt es Tausende! Die Echo-Verleihung war natürlich immer toll, aber auch ein Auftritt in einem Stadion in Finnland war der Hammer. Als wir die Bühne betreten haben, hat das ganze Stadion die typische Winke-Bewegung von "Coco Jambo" gemacht.
Ihre Karriere hat sehr früh angefangen. Wie war es damals, den eigenen Hit in der Disco zu hören?
Das war schon lustig. (lacht) Aber manchmal auch etwas peinlich, vor allem wenn man bei manchen Leuten gesehen hat, dass sie den Song nicht mögen. (lacht) Aber das Gefühl, wenn ein ganzer Club zu deinem Song abgeht, ist natürlich unbeschreiblich.
Hören Sie "Coco Jambo" heute noch privat?
Nein, ich lege abends jetzt nicht die CD ein und tanze durchs Wohnzimmer. (lacht) Aber manchmal stehe ich ja mit einem Gitarristen auf der Bühne und dann singe ich "Coco Jambo“ natürlich auch noch – allerdings in einer anderen Version.
Haben Sie noch Kontakt zu früheren Kollegen?
Ja, vor allem zu Daniela und LAYZEE. Wir haben schließlich fast zehn Jahre miteinander verbracht. Das war für uns alle eine extrem prägende Zeit. Manchmal treffe ich auch noch alte Kollegen, dann fühlt sich das an wie ein Klassentreffen, aber ich lebe heute einfach ein komplett anderes Leben und habe deswegen auch nicht zu Hunderten Künstlern Kontakt.
Gibt es etwas, das Sie heute anders machen würden?
Ich bereue ehrlich gesagt nichts … Alles, was ich heute vielleicht nicht mehr machen würde, habe ich damals aus vollster Überzeugung getan. Deswegen sind das keine Fehltritte für mich, ich hatte immer meinen Spaß und war von allem, was ich getan habe, zu 100 Prozent überzeugt – auch von meinem Playboy-Shooting und meinen freizügigen Auftritten.
Wissen Sie noch, wie Ihre Eltern auf manche Aktionen reagiert haben?
Meine Mutter fand es furchtbar, dass ich mich ständig ausziehen musste. (lacht) Aber ich fand das cool, ich war eben jung.
Und dass der Playboy mich angefragt hat, war für mich einfach ein riesiges Kompliment – das sehe ich heute immer noch so! Für diese Fotos muss sich niemand schämen!

Judith Hildebrandt über ihr neues Leben abseits des Rampenlichts

Heute leben Sie auf dem Land, geben Gesangstunden und arbeiten als Pferdetrainerin. Sie leben ein komplett anderes Leben. Warum haben Sie sich dafür entschieden?
Ich bin schon immer gerne geritten, seitdem ich elf Jahre alt bin habe ich ein eigenes Pferd – auch während meiner Karriere habe ich mein Pferd behalten. Das hat mich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Wenn man im Pferdemist steht merkt man, dass man auch einfach nur ein ganz normaler Mensch ist. (lacht)
Pferde sind meine Leidenschaft und es macht mir wahnsinnig viel Spaß, mit den Tieren zu arbeiten. Als ich mich dann gefragt habe, wie es mit meinem Leben nach der Karriere weitergehen soll, habe ich mich für diesen Weg entschieden – ein abgeschlossenes Studium oder eine Ausbildung habe ich ja nicht.
Judith Hildebrandt: "Pferde sind meine Leidenschaft!"
Judith Hildebrandt: "Pferde sind meine Leidenschaft!"
© Tom Buthmann
Sie haben keine Ausbildung oder Studium absolviert. Würden Sie das heute anders machen?
Ich wollte damals eigentlich Psychotherapeutin werden… Aber da kam mir dann der Erfolg in die Quere. Und jetzt könnte ich mit meinen Berufen nicht glücklicher sein.
Verwendete Quellen: eigenes Interview
Gala

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