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Josefine Preuß im GALA-Interview "Ich wollte eigentlich Gerichtsmedizinerin werden"


Josefine Preuß spielt erneut "Die Hebamme". Im Interview erklärt die Schauspielerin, was sie für ihre Rolle alles auf sich nehmen musste

"Die Hebamme" ist zurück - und damit auch Josefine Preuß. Heute Abend läuft der zweite Teil des Historiendramas auf Sat1. Schauspielerin Josefine Preuß spielt auch in der Fortsetzung die Hebamme "Gesa Langwasser", die als erste weibliche Medizinstudentin nach Wien zieht. Wem der erste Teil schon zu gruselig war, sollte für "Die Hebamme 2" unbedingt jemanden zum Händchen halten haben, denn es fließt ziemlich viel Blut. Im Interview erklärt Josefine Preuß, was sie für ihre Rolle alles auf sich nehmen musste.

Wie war das Gefühl, wieder in die Rolle der Hebamme zu schlüpfen?

Es war toll und sehr vertraut. Zunächst einmal waren wir total überwältigt von der Resonanz und den Quoten des ersten Teils. So wurde die Entscheidung für den zweiten Teil relativ schnell getroffen. Man kennt das Team, die Darsteller, es kommen neue dazu, das Set wird größer. Es war ein Gefühl von „nach Hause kommen“. Wir hatten zwei Monate richtig viel Spaß.

Deine Rolle "Gesa Langwasser" verändert ja auch ein bisschen das Frauenbild, indem sie an Medizin-Vorlesungen teilnimmt. Wärst du in dieser Zeit auch so selbstbewusst gewesen, dass du dich gegen die Männerwelt hättest durchsetzen können?

Das weiß ich nicht. Ich bin generell froh, im Hier und Jetzt zu leben. Die Frage stellt sich ja im 21. Jahrhundert auch nicht mehr. Heute sind wir zum Glück alle emanzipiert genug. Ich denke aber, dass es solche Frauen wie Gesa schon immer gab, mit einer Meinung und einer öffentlichen Stimme, einfach starke Frauen in einer männerdominierten Welt. Unser Vorbild im Film ist Dorothea Erxleben, die erste promovierte deutsche Ärztin. Ich finde es sehr schön, solche Rollen zu spielen.

Der Opium-Rausch ist eine Schlüsselszene. Wie hast du dich auf solch eine schwierige Situation vorbereitet?

Das konnte ich gar nicht. Vor dieser Szene hatte ich tatsächlich den meisten Respekt. Als ich das Drehbuch gelesen habe, habe ich den Produzenten Oliver Berben angerufen und ihn gefragt, wie ich das spielen soll. Er meinte dann, ich soll mir "Once Upon a Time in America" mit Robert De Niro angucken. Doch der kippt am Schluss nur zurück, schließt die Augen und lächelt, das ist alles. Der Film hat mir also nicht wirklich geholfen. Ich habe mich dann mit meinem Arzt unterhalten, der mir einiges erklärt hat. Opium ist nichts anderes als ein Morphin, das auch zur Schmerzlinderung eingesetzt wird. Man hat eigentlich gar keine Gefühle, das ist wie eine leere Hülle und genau so wollte ich es dann auch spielen. Aber wie gesagt, ich spiele das. Ich würde niemals, nur um die Erfahrung zu machen, Drogen ausprobieren.

Du hast zur Vorbereitung auf die medizinischen Szenen Schweinebäuche zusammengenäht….

(lacht) Ja, unsere Vorbereitungszeit begann schon im Juli, ich war gerade in Prag, es waren 40 Grad und ich habe mir meinen Schweinebauch mit auf den Balkon genommen. Klar, dass das irgendwann nicht mehr so gut gerochen hat. Also rein damit in den Tiefkühler und dann wurde am nächsten Tag weiter geübt. Aber dieses Nähen… Es gibt diese eine Szene, in der Gesa vor den anderen männlichen Studenten ganz schnell und ordentlich die pathologische Sacknaht machen muss. Die Haut der Schweine ähnelt der menschlichen Haut sehr und ich war total erstaunt, wie viel Kraft man aufwenden muss, um mit dieser riesigen Nadel durch die Haut zu kommen.

Hat dich das denn gar keine Überwindung gekostet?

Nein, überwinden musste ich mich nicht. Ich fand es total toll, dass ich sowas machen durfte. Generell liebe ich es, mir für einen Film neue Eigenschaften anzueignen.

Du wolltest ja auch vor der Schauspielerei eigentlich Gerichtsmedizinerin werden…

Ja, das stimmt. Gerichtsmedizin interessiert mich einfach, weil man anhand von diesen stummen Zeugen die Todesursachen herausfinden kann. Wie lange ist derjenige schon tot? Ist der Fundort auch gleichzeitig der Tatort? Ich bin auch die erste, die nachts vorm Fernseher sitzt und sich "Medical Detectives" anguckt. Ich liebe sowas, das ist total spannend.

Solch einem Beruf muss man ja aber auch gewachsen sein.

Oh ja. Der Beruf beinhaltet ein sehr langes Medizinstudium. Viele Studenten brechen bei ihrer ersten Autopsie ja auch zusammen oder übergeben sich. Sowas könnte mir natürlich auch passieren. Aber ich glaube, das ist einfach Gewohnheitssache, wie in jedem anderen Job auch. Man muss den Kopf ausstellen, schließlich kannte man den Toten in der Regel nicht persönlich. Man hat keinen persönlichen Bezug und macht einfach nur seinen Job.

Und wie kamst du von der Gerichtsmedizin dann zur Schauspielerei?

Ach na ja, als ich damals den Berufswunsch der Gerichtsmedizinerin hatte, habe ich ja erstmal nur geschauspielert, um mein Taschengeld aufzubessern. Dass die Schauspielerei wirklich mal mein Beruf wird, war mir damals nicht klar. Das erste Mal, als ich ernsthaft darüber nachgedacht habe, war bei "Türkisch für Anfänger". Das wirklich Tolle an dem Job ist ja auch, dass man alles sein kann, so wie ich jetzt in die "Die Hebamme" Medizinstudentin bin. Deswegen schlage ich gerade zwei Fliegen mit einer Klappe (lacht).

Der zweite Teil ist noch blutiger und gruseliger als der erste. Glaubst du, der Zuschauer wird das gut verkraften können?

Ja. Ich glaube, der Zuschauer wird das besser verkraften als die ganzen Geburtsszenen im ersten Teil. Aber es ist doch schön, wenn der Film solche Reaktionen bei den Zuschauern hervorrufen kann, denn dann haben die Maskenbildner alles richtig gemacht. Die erschaffen damit richtige Kunst. Es ist wirklich Wahnsinn, wie echt das alles aussieht. Wenn solche Sachen Emotionen bei mir auslösen, ist das auch für mich hilfreich. Wenn ich mich zu Beispiel ekel, dann kann ich dieses Gefühl als Schauspielerin nutzen.

Wie stehen denn die Chancen für einen dritten Teil?

Ich hoffe doch, dass es weiter geht (lacht). Ich würde Gesa sehr gerne als praktizierende Ärztin sehen.

Wie gruselig könnte dieser noch werden, ohne eine Altersbeschränkung zu bekommen?

Die ersten beiden Teile sind ja schon ab 12 Jahren freigegeben. Aber noch gruseliger muss es nicht werden. Ich denke, da sind wir dieses Mal mit sechs Frauenleichen in der Kanalisation und rausgeschnittenen Herzen schon ganz gut dabei.

Gala


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