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John + Carolyn Kennedy Ihr letztes Geheimnis

John Kennedy Junior und Carolyn Bessette
John Kennedy Junior und Carolyn Bessette
© Reuters
Ihre Liebe, ihre Pläne, ihr viel zu frühes Ende: Ein neues Buch über John und Carolyn Kennedy liefert 13 Jahre nach dem tödlichen Flugzeugabsturz neue Einsichten in das Leben des Glamour-Paars

Am Tag nach der Trauerfeier für John und Carolyn Kennedy im Juli 1999

liegen unzählige Blumensträuße und Fotos vor dem Eingang ihres Apartmenthauses im New Yorker Szene-Stadtteil TriBeCa. Fassungslose Passanten bleiben stehen, wollen einfach nicht glauben, dass schon wieder ein Kennedy gestorben ist.

Blumen und Kerzen legten Trauernde nach John-Johns Tod vor seinem Haus ab. Das aufgestellte Foto zeigt das Traumpaar kurz vor de
Blumen und Kerzen legten Trauernde nach John-Johns Tod vor seinem Haus ab. Das aufgestellte Foto zeigt das Traumpaar kurz vor dem Unglück, im Mai 1999, beim "White House Correspondents' Dinner".
© Picture Alliance

Oben in der Wohnung des berühmten Präsidentensprosses kniet RoseMarie Terenzio vor dem Kühlschrank, wirft Eiscreme in den Mülleimer und schüttet Wodka in den Ausguss. Dann sortiert die Frau, die die letzten fünf Jahre als Kennedys Assistentin gearbeitet hat, Carolyns Garderobe. Erst als sie die vielen Hüte, Mützen und Kappen von John in ihren Händen hält, bricht die Trauer mit ganzer Wucht durch. So erzählt es die heute 44-jährige PR-Frau in ihrem gerade in den USA erschienenen Buch "Fairy Tale Interrupted", das erstmals ganz intime Einblicke in das Leben des amerikanischen "Kronprinzen" gewährt, in seine letzten Tage und in die Beziehung zu seiner Frau. Fast 50 Jahre nach der Ermordung von Präsident John F. Kennedy, 45 Jahre nach dem Attentat auf seinen Bruder Robert und 13 Jahre nach dem tragischen Flugzeugabsturz von John Kennedy Jr. und dessen Frau ist die Welt immer noch fasziniert vom Kennedy-Clan und seiner Geschichte. Bilder und Begebenheiten dieser einzigartigen Familie, die Macht und Stil und Tragik so magisch verband, verkaufen - und berühren. Terenzios Buch befruchtet diesen Mythos, fast auf jeder Seit spürt man ihre Begeisterung für John jr., diesen charismatischen Mann, dem damals viele das Amt des Präsidenten zutrauten. "Es hat lange gedauert, bis ich nicht mehr dachte, der beste Teil meines Lebens liege hinter mir", schreibt sie. Kritischen Stimmen über das schillernde Paar tritt sie loyal entgegen: "John war so viel mehr als ein reicher Schönling. Und Carolyn war nicht die verkniffene und kalte Person, zu der die Presse sie machen wollte."

Das Ende eines Märchens. In "Fairy Tale Interrupted" erzählt John-Johns langjährige Assistentin RoseMarie Terenzio aus dem Leben
Das Ende eines Märchens. In "Fairy Tale Interrupted" erzählt John-Johns langjährige Assistentin RoseMarie Terenzio aus dem Leben des Traumpaars. Das Buch ist in den USA gerade erschienen (Gallery Books, 256 S., ca. 20 Euro)
© 2011 Fairy Tale Interrupted

Chaotisch und ungeduldig, ja, so habe sie ihren Boss an vielen Tagen erlebt. Aber schließlich ging es auch sehr hektisch zu in seinem New Yorker Büro, von dem aus der Jurist ab 1995 das Gesellschaftsmagazin "George" verlegte. RoseMarie Terenzio nahm seine Telefonate entgegen, erledigte seine Korrespondenz, organisierte seinen beruflichen wie privaten Terminkalender und begleitete ihn auf Society-Veranstaltungen. So erhielt die junge Assistentin, eigentlich ein einfaches Mädchen aus der Bronx, einen Einblick in das glamouröse Leben der New Yorker High Society. Einmal musste sie sogar für Kennedy lügen. Als er ihr 1995 Carolyn Bessette vorstellte, bekam Terenzio schnell mit, wie ernst es ihm mit der blonden Presseagentin von Calvin Klein war. In ihrem Buch verrät sie nun ein bislang wohl gehütetes Geheimnis: Das schillernde Paar hatte sich tatsächlich schon im Sommer 1995 verlobt - die Assistentin jedoch angehalten, die Angelegenheit den Journalisten gegenüber zu dementieren. Grund: John, bis dahin einer der begehrtesten Junggesellen der Welt, wollte die öffentliche Aufmerksamkeit lieber auf sein neues Magazin lenken anstatt auf sein Privatleben. Nicht nur die leidenschaftliche Liebe der beiden bekam Terenzio hautnah mit, sondern auch ihre Probleme. Der Knackpunkt: Johns Art, so sehr mit einer Sache beschäftigt zu sein, dass er alles um sich herum vergessen konnte, auch seine Frau.

Beach Boy: Reich, sexy, durchtrainiert und mit Wuschelkopf: John 1980 am Strand von Familiensitz Hyannis Port.
Beach Boy: Reich, sexy, durchtrainiert und mit Wuschelkopf: John 1980 am Strand von Familiensitz Hyannis Port.
© Picture Alliance

In ihrem Buch beschreibt Terenzio, wie Carolyn immer wieder Verabredungen absagte, wenn John ankündigte, abends zu Hause zu sein. Aber dann ging er doch erst noch zum Sport, ohne Bescheid zu sagen, und Carolyn wartete. Oder er rief an und sagte, dass er spontan Besuch mitbringt. Oder er informierte sie ganz nebenbei, dass in zwei Tagen eine Charity-Veranstaltung sei. Carolyn wiederum reagierte bockig, behauptete, von Einladungen nichts zu wissen, oder weigerte sich, ihren Mann zu gesellschaftlichen Anlässen zu begleiten. "Ich war oft die einzige Person, die richtig verstehen konnte, was sie durchmachte", schreibt Terenzio, die oft verzweifelt versuchte, die Termine der Kennedys zu koordinieren. Gleichzeitig verstand sie auch John: "Er war einfach unorganisiert und manchmal arglos wie ein Kind."

Die Rastlosigkeit der Kennedy-Männer - ein ewiges Leidensthema der Kennedy-Frauen. Oft wurde behauptet, die Ehe von John und Carolyn hätte Ende der Neunzigerjahre kurz vor dem Scheitern gestanden. Mit diesen Gerüchten räumt RoseMarie Terenzio in ihrem Buch auf. Zwar hätten sich die beiden in den letzten Wochen ihres Lebens tatsächlich oft gestritten, aber nur, weil sich Carolyn mehr Aufmerksamkeit von dem Mann wünschte, den sie so liebte. Auch am Unglückstag prallten die Charaktere der Eheleute aufeinander, erfährt man jetzt: John erzählte seiner Assistentin, Carolyn wolle nicht mit zur Hochzeit seines Cousins fliegen und er werde nicht darüber mit ihr streiten. Dann war es ausgerechnet RoseMarie Terenzio, die Carolyn überzeugte mitzufliegen. Als das Paar die Wohnung verließ, sagte John: "Rosie, du bist einfach die Beste. Danke, dass du die Wogen geglättet hast." Wenige Stunden stürzte das Flugzeug, das auf dem Weg nach Martha’s Vineyard war, in den Atlantik. Und wieder einmal trauerte ein ganzes Land um einen Kennedy.

Der letze Sommer als Familie: 1963 verbringen John F. Kennedy und seine Frau Jacqueline die Sommerferien mit ihren Kindern John
Der letzte Sommer als Familie: 1963 verbringen John F. Kennedy und seine Frau Jacqueline die Sommerferien mit ihren Kindern John und Caroline in Hyannis Port. Wenige Monate später wird der 35. amerikanische Präsident in Dallas erschossen.
© Picture Alliance

Bettina Klee

gala.de

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