Jörg Kachelmann: Urteil verkündet: Freispruch

Jörg Kachelmann hat gesiegt: Das Landgericht Mannheim hat den prominenten Moderator vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Stundenlang hatten Neugierige am Morgen angestanden, um einen Sitzplatz für die Urteilsverkündig zu ergattern

Der 44. Prozesstag brachte ein Ergebnis: Freispruch für Jörg Kachelmann. Genau das hatte die Verteidigung des prominenten Wettermannes auch gefordert. Die Richter sahen es als nicht erwiesen an, dass der 52-Jährige seine Ex-Geliebte im Februar 2010 nach einem Beziehungsstreit mit einem Messer bedroht und vergewaltigt hat. Die Staatsanwaltschaft hingegen war von der Schuld Kachelmanns überzeugt und hatte zum Ende des Prozesses vier Jahre und drei Monate Haft wegen schwerer Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung gefordert. Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge hatte in seinem Plädoyer allerdings eingeräumt, dass man alle Indizien auch anders werten könne - das sei die Natur eines Indizienprozesses. Anwesende Medien berichten, dass das Urteil im Saal mit Applaus begrüßt wurde. Schon seit fünf Uhr morgens sollen interessierte Zuschauer ausgeharrt haben, um für die auf neun Uhr morgens am Dienstag (31. Mai) angesetzte Urteilsverkündung im Sitzungssaal einen Platz zu ergattern.

Im Prozess hatten sich Widersprüche in der Geschichte des vermeintlichen Opfers ergeben, das in einer ersten Vernehmung falsche Angaben gemacht hatte. Gerichtsmedizinische Gutachten hielten außerdem teilweise für möglich, dass einige der dokumentierten Verletzungen der Frau von ihr selbst beigefügt sein könnten.

Damit geht einer der spektakulärsten Prozesse in der Geschichte des Landes zuende. Der damals äußerst beliebte Moderator Kachelmann war nach den Olympischen Spielen 2010 am Flughafen festgenommen und mit dem Vorwurf, er habe eine Exfreundin mit dem Messer attackiert und vergewaltigt, konfrontiert worden. Schon früh im Verfahren drangen Informationen über den prominenten Angeklagten an die Presse, die darauf folgende Berichterstattung nahm teilweise eine vorverurteilende Tendenz an.

Die Tatsache, dass der sympathische Typ aus dem Fernsehen offenbar über Jahre ein Leben zwischen vielen parallel laufenden Liebschaften mit gleichen Kosenamen und gleichen Liebesschwüren lebte, sorgte in der öffentlichen Diskussion für große Empörung. Als Kachelmann zwischenzeitlich aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, war auch das ein Diskussionsthema. Als der Prozess dann begann, schlossen die Richter für große Teile der Zeugenbefragungen die Öffentlichkeit aus, damit nicht noch mehr Intimitäten öffentlich behandelt werden. Mehrere Exgeliebte des TV-Mannes erzählten ihre Geschichte aber in großen deutschen Zeitschriften.

Kachelmann wird nun für die 132 Tage, die er in Untersuchungshaft verbrachte, entschädigt werden, die sicherlich erheblichen Anwalts- und Gutachterkosten auf Verteidigerseite werden vom Staat bezahlt werden.

cfu

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