Jörg Kachelmann: Psychisch gesund

Am 39. Prozesstag hat ein Psychiater das Verhalten von Jörg Kachelmann beurteilt. Persönlich gesprochen hat er mit dem Wettermoderator allerdings nie

Im Vergewaltigungsprozess gegen Wettermoderator Jörg Kachelmann wurde am Donnerstag (5. Mai) der Heidelberger Psychiater Hartmut Pleines vernommen. Die Lebensgeschichte des Wettermoderators lasse "keinen Hinweis auf gröbere psychische Störungen" erkennen, sagte der Sachverständige. Pleines hatte im Auftrag des Landgerichts Mannheim das Verhalten Kachelmanns während des Verfahrens beobachtet sowie seine Schuldfähigkeit untersucht.

Im Laufe des Verfahrens war über eine mögliche narzisstische Persönlichkeitsstörung Kachelmanns spekuliert worden. Da der 52-jährige Schweizer sich jedoch nicht persönlich von einem Psychiater untersuchen lassen wollte, stellte Pleine die Diagnose anhand der Biografie und der Angaben aus dem Umfeld des Angeklagten, insbesondere der Geliebten.

"Mit der fehlenden persönlichen Exploration fehlt dem Psychiater ein zentrales Element", gab er laut "stern.de" im öffentlichen Teil seiner Aussage zu. "Die reine Beobachtung während der Verhandlung ist kein Ersatz dafür. Vor allem nicht, wenn es sich um einen schweigenden Angeklagten handelt." Eine Diagnostik sei trotzdem nicht unmöglich.

Am vergangenen Montag (2. Mai) wurde außerdem die psychologische Sachverständige Luise Greuel zur Glaubhaftigkeit von Kachelmanns Ex-Geliebter befragt. In ihrem schriftlichen Gutachten kam sie zu dem Ergebnis, dass es aus psychologischer Sicht keinen Beweis dafür gebe, dass Aussagen des mutmaßlichen Opfers auf einem tatsächlichen Geschehen beruhen. Es gebe Mängel in der Detailliertheit und in der logischen Konsistenz der Aussage. Was das für die Aussagen der Geschädigten bedeutet, ließ die Bremer Professorin allerdings offen und betonte: "Ein Glaubwürdigkeitsgutachten ist keine Lügendetektion." Es gebe viele Umstände, die eine Aussage verfälschen könnten - vom einfachen Irrtum über die Scheinerinnerung bis hin zur vorsätzlichen Falschaussage. Die Erinnerung an ein Ereignis kann laut Greuel zum Beispiel dann gestört werden, wenn später ein weiterer Schock erfolgt. Sie könne keine Aussage treffen, ob etwas tatsächlich stattgefunden habe oder nicht, nur Riskofaktoren aufzeigen.

Kachelmanns Anwalt Schwenn hatte einen Befangenheitsantrag gegen die Sachverständige gestellt - ohne Erfolg.

Jörg Kachelmann wird vorgeworfen, seine Exfreundin im Jahr 2009 bedroht und vergewaltigt zu haben. Er bestreitet dies. Der Prozess befindet sich nacht acht Monaten Dauer jetzt offenbar fast am Ende. Die Medien erwarten derzeit eine Urteilsverkündung am 27. Mai.

aze

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