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Joelina Drews "Mit Schlager hab ich nichts am Hut"

Joelina Drews
Joelina Drews
© imago images
Joelina Drews spricht über ihren musikalischen Neustart als "Joedy", ihr früheres Scheitern als Teeniestar und ihre enge Beziehung zu ihren Eltern.

Dass sie kein verwöhntes Promi-­Kind ist, wird schnell klar. Joelina Drews jobbt in einem Berliner Zentrum für Kältetherapie, um eigenes Geld zu verdienen. Und nach einem USA-­Aufenthalt hat sie bis vor Kurzem in einer 70 Quadratmeter großen Vierer-­WG gelebt. Mittlerweile freut sich die Tochter von Schlager­Ikone Jürgen Drews, 75, über ihre eigene Wohnung, die sie als "happy Single" nur mit ihrem Hund teilt. Jetzt hat die 25­-Jährige große Pläne: Sie will ihre Musikkarriere pushen. 

Joelina Drews' Teenagerkarriere scheiterte

Auf die Bühne zieht es Joedy – so ihr Künstlername – bereits seit Kindheits­tagen. Ihren eigenen Stil zu entwickeln, war aber nicht einfach. "Ich wünschte, ich hätte mich früher gefunden", sagt sie, auch im Rückblick auf ihre Krise als Teenager.

Mit 14 stand sie erstmals auf der Bühne, scheiterte, rutschte in die Magersucht, die sie erst drei Jahre spä­ter besiegen konnte. Heute, glaubt sie, ist sie bereit für einen neuen Anfang. Drei Singles hat sie seit dem vergan­genen Jahr auf den Markt gebracht, gerade war sie im Studio in Mannheim, um die vierte zu produzieren: "Urban Pop mit einem Schlag R&B." Die Texte? Starke Themen wie Depressionen, zerbrochene Beziehungen, ein flotter Dreier. Persönlich und ohne Schnörkel.

Nun wagt sie einen Neustart mit eigener Musik

GALA: Macht solche Offenheit einen nicht auch sehr verletzlich?
Joelina Drews: Natürlich, aber ich bin ein transparen­ter Mensch und als Künstlerin extro­vertiert. Es ist eben nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Ich schütte meine Gefühlswelt aus, meine Musik soll au­thentisch sein. Es ist doch was Schönes, sich anderen Menschen öffnen zu können und seine Facetten zu zeigen.

Mit Schlager hat das eher weniger zu tun.
Das stimmt für meine eigene Musik. Aber ich schreibe ja auch für andere Künstler, singe zum Beispiel für Helene Fischer Demos ein. Ich selbst habe mich musikalisch woanders gefunden, fühle mich mit meiner Musik wohler denn je. Aufgewachsen bin ich mit Britney Spears und Christina Aguilera, inspiriert fühle ich mich von Ariana Grande oder The Weeknd.

Wie schwierig ist es, sich "als Kind von" eine eigene Karriere aufzubauen?
Natürlich ist der Name im Business hier und da ein Türöffner gewesen. Aber die Qualität muss ich selber liefern. Die Leute denken, man hat es einfacher und bekommt alles auf dem silbernen Tablett serviert. Aber so ist es halt nicht.

Ich muss doppelt und dreifach zeigen, dass ich was kann und weiß, was ich tue.

Deshalb habe ich auch die Musikrichtung für mich ent­deckt, die sehr weit weg von meinem Papa ist. In der Szene, die auch nah am Rap ist, fühle ich mich wohl. Da inte­ressiert es keinen, woher du kommst.

Joelina Drews findet ihre Eltern unfassbar cool

Sie sind allerdings gerade in einigen Shows zusammen mit Ihrem Vater aufgetreten.
Früher habe ich immer gesagt: Bloß nicht! Ich hab mit Schlager ja nichts am Hut. Aber im Rahmen des neuen Albums von Jürgen kam die Idee wieder auf den Tisch. Und "We’ve Got Tonight" ist ein cooler Song, den keiner erwartet hat. Das ist eher ein einmaliges Ding. Aber vielleicht machen wir mal ein Weihnachtsalbum zusammen, das wäre schön.

Waren Ihnen Ihre Eltern auch mal peinlich?
Ganz ehrlich: Ich feiere meine Eltern für alles, was sie gemacht haben. Ich finde sie unfassbar cool. Gerade habe ich mir alte Videos angeguckt. Ich hatte immer die tollsten Kinder­geburtstage, wenn mein Vater mit seinem Banjo rumgelaufen ist und "König von Mallorca" gesungen hat.

Gibt er Ihnen manchmal Tipps für Ihre Karriere?
Nein. Ich weiß, was ich will. Und das will ich aus eigener Kraft schaffen. Ich zeige ihm aber meine Songs. Manch­mal findet er sie nicht "hittig" genug. Ansonsten bin ich die, die ihm erzählt, was heute in der Musikszene los ist.

Der erste Versuch im Musikgeschäft trieb sie in die Magersucht

Ihr Einstieg mit 14 ins Showgeschäft endete in einer schweren Krise. Haben Ihre Eltern Sie damals zu wenig beschützt?
Sie haben nichts falsch gemacht. Sie wollten mir ermöglichen zu tun, was ich wollte, und haben mich unterstützt. Meine Mama war immer diejenige, die dabei kein gutes Gefühl hatte. Aber mein Papa war ein Ja­-Sager: Let’s go for it!

Was lief damals schief?
Ich wollte nur auf die Bühne und Sängerin sein, das war mein Lebens­traum. Aber ich war nicht authentisch und wurde belächelt.

Richtig schlimm wurde es, als ich meinen Song ver­öffentlicht, mich unter Druck gesetzt und mit anderen verglichen habe.

Meine Eltern hatten zu der Zeit eine Hausbau-Doku auf Sat.1. Ich kam von der Schule nach Hause und wollte ein­fach nur meine Ruhe haben, aber da lief ein Kamerateam rum. Das hat mich belastet, weil ich in der Selbstfindung war. Wer bin ich? Wo ist mein Platz? So bin ich in diese Essstörung geraten.

"Für mich gibt es nur Musik."

Haben Sie inzwischen einen Plan B für Ihr Leben?
Für mich gab es nie einen anderen Beruf, für mich gibt es nur Musik. Aber ich studiere Marketing. Das ist hilfreich, weil ich es für mich nutzen kann. Und wenn ich alt und hässlich bin, vermarkte ich dann andere Künstler. (lacht)

Wollten Ihre Eltern nie, dass Sie was Ordentliches lernen?
Ansagen gab es nie. Aber meine Mutter und meine Oma finden es schön, dass ich studiere.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihren Eltern heute?
Wir sind super eng, telefonieren jeden Tag. Sie wissen über alles Bescheid, was bei mir abgeht.

Gala


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