Jochen Schweizer: Zurück zu "Höhle der Löwen"?

Sein Ausstieg bei "Die Höhle der Löwen" war ein Schock für die Zuschauer: Jochen Schweizer wird im nächsten Jahr nicht mehr als Investor dabei sein. Ist diese Entscheidung für immer?

Die nächste Staffel "Die Höhle der Löwen" steht schon in den Startlöchern und soll bereits im Frühjahr 2017 ausgestrahlt werden. Dann allerdings wohl ohne Jochen Schweizer, der sich vor einigen Wochen entschloss, im nächsten Jahr nicht mehr dabei zu sein. Eine große Enttäuschung für die Zuschauer, die den 59-Jährigen zum beliebtesten "Löwen" wählten. GALA weiß, ob der Unternehmer vielleicht doch zur Show zurückkehrt.

Jochen Schweizer über die Entscheidung "Die Höhle der Löwen" zu verlassen

Was waren Ihre Beweggründe für den Ausstieg bei "Die Höhle der Löwen"?

Man muss sich im Leben immer wieder neu orientieren und auf ein Thema fokussieren. Drei Jahre lang lag mein Fokus stark auf "Die Höhle der Löwen" und ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden – die Sendung wurde für den Grimme-Preis nominiert und hat den Deutschen Fernsehpreis gewonnen. Außerdem habe ich ein gutes Dutzend sinnvoller Investments getätigt und wurde von den Zuschauern gut angenommen, das zeigt zumindest eine Umfrage auf Mafo.de . Das ist alles positiv, gleichzeitig bedeutete es aber auch 50 bis 70 Arbeitstage pro Jahr und Staffel. Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht. Erst habe ich den Sender und die Produktion und dann die Medien darüber informiert, dass ich aussteige, um mich im kommenden Jahr komplett auf die Jochen Schweizer Arena zu fokussieren.

Haben Sie sich mit Ihrer Entscheidung zum Ausstieg schwer getan?

Ja, ich liebe dieses Format. Ich habe mich dort wohlgefühlt. Es ist mir gelungen, der zu bleiben, der ich bin. Mit allen Ecken und Kanten. Die Sendung hatte absolute Rekord-Quoten. Da fragen natürlich viele, ob ich mir das genau überlegt habe.

Wen haben Sie in Ihre Entscheidung mit einbezogen?

Ich habe darüber mit meinen Führungskräften und meinen drei besten Freunden diskutiert.

Welche Rolle spielte dabei die zwischenmenschliche Komponente – es soll ja Konflikte mit Frank Thelen, Judith Williams und Carsten Maschmeyer gegeben haben.

Der Ausstieg hat nur mit Fokussierung zu tun. Der Rest ist von den Medien aufgebauscht. Ich habe eine persönliche Einladung von Ralf Dümmel zu seinem 50. Geburtstag bekommen. Ich verstehe mich sehr gut mit ihm. Carsten Maschmeyer war mir gegenüber immer höflich, immer korrekt und ich bin zuversichtlich, dass er das gleiche über mich sagt. Judith Williams respektiere ich als Persönlichkeit, die hart arbeitet. Frank Thelen kennt sich in seinem Bereich gut aus. Was seine Statements zu meiner souveränen Entscheidung bezüglich meines Ausstieg betrifft – da hat er seine persönliche Meinung kommuniziert. Ich trage ihm das aber nicht nach.

Das klingt nicht, als hätten Sie eine persönliche Ebene gehabt.

Wir wollten eine gute Sendung zusammen machen und dafür eine gute Leistung erbringen. Man muss abends aber nicht unbedingt mit jedem ein Bierchen trinken gehen. Zumal ich nach einem langen Drehtag lieber zum Sport gehe, als in ein Restaurant.

Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sagten Sie, dass das Gerangel hinter den Kulissen "manchmal emotional anstrengend gewesen“ sei und es nicht immer leicht war „die Ruhe zu bewahren und sich nicht zu verbiegen". Was genau meinen Sie damit?

Jedem Löwen, der da sitzt, gebührt Respekt. Aber jeder hat auch verschiedene Interessenslagen, die manchmal miteinander kollidieren.

Haben Sie noch Kontakt zu den anderen Löwen?

Ja, ich treffe mich ab und an mit einzelnen oder kürzlich auch mehreren von Ihnen. Wir haben gemeinsame Investments. Insofern sind wir weiterhin an einer guten Zusammenarbeit interessiert.

Haben Sie sich die Sendung dann im TV angesehen? Wenn ja, welches Gefühl hatten Sie, als sie Ihre letzte Folge sahen?

Ich habe fast alle Folgen und auch meine letzte gesehen. Bei der letzten Folge hatte ich das Gefühl, dass ich nach drei Staffeln alles erreicht habe, was ich konnte.

Werden Sie in die Show zurückkehren?

Ich spekuliere nicht auf eine Rückkehr. Ich habe eine Entscheidung getroffen und für mich ist das Thema abgeschlossen.

Sie sind der beliebteste Löwe: Haben Sie mit so viel Zuspruch der Zuschauer gerechnet?

Ich habe darüber nicht nachgedacht. Ich bin wie ich bin und richte mein Verhalten nicht nach dem aus, was andere Leute über mich denken.

Warum haben Sie sich entschieden, ein "Löwe" zu werden?

Ich wollte zunächst nicht mitmachen, weil ich befürchtete, dass es eine Castingshow zu Lasten der Kandidaten wird und sich das Format zu wenig an der Realität orientiert. Der ausschlaggebende Punkt war dann aber, dass ich hoffte, die Sendung könne in Deutschland etwas verändern. Ich bin davon überzeugt, dass jeder das erreichen kann, was er will, wenn er nur bereit ist, hart genug dafür zu arbeiten. Und mit der Teilnahme an dem Format und dem, was ich den Kandidaten mit auf den Weg geben konnte, wollte ich einen Betrag dazu leisten, die Gründerkultur in Deutschland zu stärken.

Haben Sie überhaupt jemals mit dem großen Erfolg gerechnet, den „Die Höhle der Löwen“ über die Jahre verzeichnen konnte?

Ich habe es gehofft und dafür mein Bestes gegeben.

In der TV-Ausstrahlung sind die Pitches gekürzt: Wie läuft es wirklich ab?

Die Pitches dauern bis zu zwei Stunden und werden ohne Unterbrechung abgedreht. Dann kürzt die Produktion den realen Pitch auf 10 bis 30 Sendeminuten mit der Zielsetzung, den Verlauf und Charakter des Pitches zu erhalten.

Es gab Gründer, die sich über den Schnitt beschwert haben: Wurde Ihrer Meinung nach im Fernsehen auch mal etwas falsch dargestellt als es wirklich war?

Falsch ist nicht das richtige Wort. Die Produktion hat das insgesamt sehr gut gemacht. In Einzelfällen mag jemand den realen Verlauf anders in Erinnerung gehabt haben, als es nach dem Schnitt erscheint.

Welcher ist ihr Lieblings-Deal?

Ich hatte mehrere. "Malzit" hat mich zum Beispiel emotional sehr berührt. Diesen Deal hätte ich sehr gern gehabt, da ich die Gründerin so toll fand, jedoch habe ich ihn nicht bekommen. Ralf Dümmel hatte Frau Tomljanovic nach mir ebenfalls ein Angebot gemacht und dann fragt sie ausgerechnet mich, was sie tun soll. Dieses Vertrauen hat mich sehr berührt. Der Kaufmann in mir wollte den erkennbar lukrativen Deal, aber menschlich gesehen, habe ich einsehen müssen, dass Herr Dümmel für sie der geeignetere Investor war. Also habe ich ihr geraten, das Angebot von Ralf anzunehmen und bin leer ausgegangen. Ein Highlight war auch "frooggies". Das Team hat sich viel länger beraten als es ausgestrahlt wurde und kam dann mit einer für sie sehr ungünstigen Offerte auf mich zu. Ich habe diese nicht angenommen und den drei Gründern ein alternatives Angebot unterbreitet, welches Ihnen mehr Luft gelassen hat. Auch "Spottster" ist ein vielversprechendes Investment. Da gab es in der Sendung kritische Worte von Frank Thelen, der an deren Wettbewerber "ZEN-Shopping" beteiligt ist. In der Sendung gab es keinen Deal, jedoch freue ich mich, dass "Spottster" im Nachgang noch einmal auf mich zugekommen ist, mich von einem sechsstelligen Investment überzeugen konnte und wir seitdem erfolgreich zusammenarbeiten.

Haben Sie im Nachhinein bereut, den einen oder anderen Deal nicht eingegangen zu sein?

Nein. Ich bereue das nicht. Eine retrospektive Betrachtungsweise passt nicht zu meiner Lebenseinstellung, ich kann ja nichts mehr ändern. Das wäre verschwendete Energie. Lieber schaue ich nach vorne und gebe mein Bestes.

Haben Sie sich im Voraus ein bestimmtes Budget für Ihre Investitionen gesetzt?

Ich hatte bei jeder Staffel einen siebenstelligen Betrag parat. Den habe ich aber nie komplett investiert.

Sie selbst standen im Jahr 2004 vor Investoren, von denen Sie sich finanzielle Unterstützung erhofft hatten. Wie hat sich dieser Augenblick angefühlt?

Nicht schön. Da ging es um meine Idee, Erlebnisgeschenke zu vermarkten. Ich brauchte etliche Millionen, um das Geschäft zu starten und die hatte ich nicht. Und entweder wurde die Idee damals nicht richtig verstanden oder ich habe sie nicht richtig erklärt. Auf jeden Fall ist es mir damals nicht gelungen die Investoren zu überzeugen und mit meinem Versuch Geld für diese Idee aufzutreiben.

Wieso haben Sie nach der Absage der Investoren nicht aufgegeben?

Ich habe meine Firma dann mit eigenen Mitteln über einen Internetshop aufgebaut. Anfangs lief es nicht gut, weil wir etliche Fehler machten. Die konnten wir jedoch einen nach dem anderen schnell beheben und heute generieren wir jeden Monat Umsätze in Millionenhöhe. Das zeigt, dass Scheitern nur eine neue Situation ist, die man als Herausforderung annehmen kann, um sie am Ende zu meistern.

Welcher ist Ihr Rat an Menschen, die sich einen großen Traum verwirklichen wollen?

Ich will den Menschen Mut machen, nicht aufzugeben. Ein gutes Beispiel ist hier der Songtext des Liedes "Kein Zurück" von Wolfsheim. Das enthält eine klare Handlungsanweisung, nach der ich lebe. (Jochen Schweizer googelt den Text und beginnt zu singen) "Immer vorwärts, Schritt um Schritt, es gibt keinen Weg zurück… du willst noch leben irgendwann, doch wenn nicht heute, wann denn dann. Denn irgendwann ist auch ein Traum zu lange her."

Sie verkaufen "perfekte Augenblicke" – welcher war Ihr perfekter Augenblick im Leben?

Da gibt es viele. Immer wieder. Ich glaube, ein Augenblick ist immer dann perfekt, wenn man etwas anstrebt, das Momentum aufrechterhält – und irgendwann trifft dieses Momentum auf den richtigen Zeitpunkt. Es braucht die Aktivität und die Geduld, und im Miteinander von Aktivität und Geduld, kommt es zum erfüllten Moment, das ist der perfekte Augenblick. Beim Tiefschnee fahren in Kanada habe ich zum Beispiel letzten Februar einen perfekten Augenblick erlebt. Dies konnte ich aber nur durch jahrelanges Training erleben, das diesem Augenblick vorausging.

Warum sollten die Menschen, die Jochen Schweizer Arena besuchen?

Gemeinsame Erlebnisse sind der Kitt jeder sozialen Beziehung. Im Erleben lernt der Mensch sich selbst, aber auch seine Mitmenschen, kennen. Es geht darum, sein eigenes Leben durch Erlebnisse zu bereichern, die einen berühren. Und die Jochen Schweizer Arena bietet dafür das perfekte Umfeld. Mit einem Windkanal fürs Bodyflying, dem Fliegen mit nichts als dem eigenen Körper, der "Jochen Schweizer Citywave" zum Wellenreiten sowie einem Hochseilklettergarten, einem Team-Mission-Parcours für Privat- und Firmengruppen sowie einem Zipline-Parcours bieten wir zusammen mit unserer hauseigenen Gastronomie eine Vielzahl an Erlebnis-Highlights an einem Ort.

Wie sind Sie auf die Idee dazu gekommen?

Mit der Jochen Schweizer Arena wollte ich verschiedene Erlebnisse miteinander verbinden und so jedem ein Zuhause für außergewöhnliches Erleben bieten: zum einen wollte ich den perfekten und modernsten Windkanal bauen. Und ich wollte Menschen die Möglichkeit geben, 365 Tage im Jahr zu Surfen – so kam meine Partner-Firma ATV GmbH ins Spiel, die Erfinder der "Citywave", die die perfekte stehende Welle entwickelt hat.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Neben der Jochen Schweizer Arena gibt es zwei weitere Immobilienprojekte, die mir sehr am Herzen liegen. Zum einen das VOLT, ein zukunftsweisendes Immobilienprojekt in Berlin. Als Multi Brand House wird das VOLT Einzelhandels-Markenwelten, Gastronomie- und Hotelbetrieb mit einzigartigen Erlebnisangeboten wie der Citywave und unserem Windtunnel vereinen. Zum anderen die Mall of Switzerland in Luzern, die im Herbst 2017 eröffnen wird. Hier werden wir unseren ersten Jochen Schweizer Erlebnisgeschenke Shop mit über 1000 Angeboten in der Schweiz eröffnen sowie in der aktuell im Bau befindlichen Jochen Schweizer Surfarena ebenfalls eine "Citywave" betreiben.

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©Gala

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