Jochen Schropp: Er spricht über seinen Freund

Jochen Schropp erzählt exklusiv in GALA, warum er sich seit seinem Coming-out anders fühlt, wenn er ausgeht. Und dass er jetzt in festen Händen ist 

Ein Mann zum Verlieben, das war Jochen Schropp, 40, schon immer: schicker Typ, spritziger Humor, ganz viel Charisma. Im Juni vorigen Jahr machte er für sich einen großen Schritt: Schropp ging an die Öffentlichkeit und bekannte sich zu seiner Homosexualität.

Jochen Schropp: So hat er seinen Freund kennengelernt 

Vier Jahre zuvor hatte ihm seine damalige Schauspielagentur noch davon abgeraten – Rollenangebote könnten ausbleiben. Wie es ihm seither ergangen ist? So viel vorab: Jochen Schropp lernt gerade für seine nächste Hauptrolle. Vom 17. März bis 21. April steht er in der Berliner Komödie am Kurfürstendamm in dem Stück "Monsieur Pierre geht online" auf der Bühne. Darin verliebt er sich unsterblich in eine Frau. Und privat? Hat er jetzt auch sein Glück gefunden. 

GALA: Schon aufgeregt vor der Premiere am Theater?

Jochen Schropp: Es fühlt sich wie mein Bühnendebüt an. Zuletzt habe ich an der Schauspielschule Theater gespielt. Da war ich einer von vielen. Jetzt kommen die Leute auch wegen mir, weshalb ich mir Druck mache.

GALA: Im vorigen Jahr haben Sie viel moderiert, wie steht es um Ihre Routine als Schauspieler?

Schropp: Tatsächlich fehlt mir ein wenig die Routine. Man kann mich nachts um zwei Uhr wecken, und ich moderiere locker etwas runter – und fühle mich dabei sicher. In dem Theaterstück gibt es viele Comedy-Elemente. Da brauchte ich meine Zeit.

GALA: Hat sich seit Ihrem Outing beruflich etwas verändert?

Schropp: Ich habe nicht das Gefühl, dass es nach meinem Outing besser oder schlechter für mich lief. Ich war natürlich im Gespräch, weil ich etwas Neues und Wichtiges zu erzählen hatte. Seitdem habe ich als Moderator beim "Sat.1 Frühstücksfernsehen" angefangen und spiele nun Theater. Aus meiner Warte würde ich sagen: Mein Outing hat mir keine Probleme bereitet. Aber ich glaube, dass es für andere Menschen immer noch größere Konsequenzen haben kann. Als Moderator bin ich freier als das vielleicht ein  Schauspieler ist, dessen Karriere auf der Rolle des Herzensbrechers basiert.

GALA: Fühlen Sie sich insgesamt befreiter?

Schropp: Ich darf so sein, wie ich bin. Dafür bin ich auch dem "Frühstücksfernsehen" sehr dankbar. Zu kontroversen Themen, beispielsweise dass Homosexuelle kein Blut spenden dürfen, darf ich meine Meinung äußern.

GALA: Wie offen schwul leben Sie heute im Vergleich zu früher?

Schropp: Ich gehe mit einem anderen Bauchgefühl schwul aus, weil ich weiß, dass nichts dabei ist, wenn ich meinen Freund in der Öffentlichkeit küsse oder ihm die Hand auf sein Bein lege.

GALA: Sie sind also in festen Händen?

Schropp: Ja, ich habe einen Freund.

GALA: Wie lange sind Sie schon zusammen?

Schropp: Seit einem Dreivierteljahr. Wir hatten vor fünf Jahren ein Blind Date zum Mittagessen. Und wir hatten uns wirklich nichts zu sagen. (lacht) Das war eine der längsten Stunden für uns beide. Als wir zahlen wollten, hatten wir beide kein Bargeld dabei und mussten noch gemeinsam zum Geldautomaten laufen. Der erste war kaputt, der zweite noch mal zehn Minuten weiter. Erst dann war ich ihn los. (lacht) Nach fünf Jahren haben wir uns durch Zufall in Kapstadt wiedergesehen. Da war es dann nicht Liebe auf den ersten Blick, sondern wir haben uns langsam ein zweites Mal kennengelernt – und statt eines verpatzten Mittagessens mit einem schönen Abendessen begonnen.

GALA: Kommt Ihr Freund aus der Showbranche?

Schropp: Nein. Aber er hat viel Verständnis für meine verrückten Arbeitszeiten  und dass ich während der Berlinale vier Nächte in Folge auf dem Sofa einschlafe. Ich glaube, dass es auch schwierig sein kann, wenn man mit jemandem aus der Branche zusammen ist. Bei Mann und Frau mag das anders sein, aber wenn ich jetzt einen Freund hätte, der Schauspieler wäre und man sich womöglich um Rollen streiten muss – das fände ich anstrengend. Dann spielt Neid eine Rolle. Trotz allem muss ich sagen, er hat extrem viel Witz und ist oft der Mittelpunkt eines Gesprächs, sodass ich am Anfang gedacht habe: "Nee, der bekommt mehr Aufmerksamkeit als ich, der ist nichts für mich." (lacht) 

GALA: Dann stand Ihr Freund Ihnen auch während des Outing zur Seite?

Schropp: Als mein Wunsch kam, dass ich mich outen werde, kamen wir gerade zusammen. Und es war natürlich ein riesiges Thema in meinem Leben. Er hat sich da extrem viel Mühe gegeben, hat sich meinen offenen Brief, den ich veröffentlicht habe, vorher mehrfach durchgelesen. Er hat mir auf Fragen geantwortet, sich dabei aber nie in den Mittelpunkt gedrängt, sodass ich nie das Gefühl hatte, er will jetzt das Ruder übernehmen oder mit reinreden. Er hat mir sehr viel Kraft gegeben.

GALA: Wie viele Beziehungen hatten Sie schon?

Schropp: Also, wenn ich sage, da war ich wirklich verliebt und es ging länger als drei Monate, dann waren es drei Beziehungen. (lacht)

GALA: Wurde es in den Beziehungen jemals zum Problem, dass Sie nicht geoutet waren?

Schropp: Nein. Ich habe meine Freunde immer auf Veranstaltungen mitgenommen. Ich habe sie als meine Partner vorgestellt. Ich habe nie Lügengeschichten erzählt. Nur standen meine Partner nie mit mir zusammen im Rampenlicht.

GALA: Wird sich das jetzt ändern?

Schropp: Das kann sicherlich mit der Zeit passieren, momentan steht das für uns allerdings nicht im Vordergrund. Die ganzen Kollegen und Kolleginnen, die ihre Partner nach drei Monaten vor die Kamera zerren und kurz danach das Aus verkünden – das finde ich schwierig. Auch wenn ich hier ein sehr privates Interview gebe, möchte ich den Leuten nicht das Gefühl geben, mich nur im Gespräch zu halten, weil ich alle vier Monate einen neuen Freund aus dem Hut zaubere.

Selbstbewusst und witzig muss Schropps Traumpartner sein. So wie Birthe Wolter, 36 – nur halt als Mann. Die Schauspielerin und der Moderator sind beste Freunde und haben immer viel Spaß zusammen, wie hier beim "Fashion Hub" in Berlin 

GALA: Wie malen Sie sich Ihre Zukunft aus: Hochzeit, Kinder – können Sie sich das vorstellen?

Schropp: Ich war im vergangenen Sommer mit meinem Freund auf einer Hochzeit eines schwulen Pärchens in Italien. Es war einfach wunderschön, wie der Bund der Ehe dort zelebriert wurde, und die Unterstützung, die das Paar von Freunden und Familie erhielt. Eine eigene Hochzeit kann ich mir also irgendwann sehr gut vorstellen. Über Kinder spreche ich eher mit meiner besten Freundin Birthe - tatsächlich haben wir schon darüber geredet, wie es wohl wäre, wenn wir zusammen ein Kind hätten. Humor hätte es. (lacht)

GALA: Was raten Sie Menschen, die mit ihrer Sexualität hadern?

Schropp: Ich bekomme viele Nachrichten. Ich sage immer, du musst dir die Zeit nehmen, die du brauchst. Aber dass sie keine Angst vor den Menschen haben sollten, die sie lieben. Denn die werden sie danach immer noch lieben. Und wenn dem nicht so ist, dann besteht ein grundsätzliches Problem. Mir haben ein paar junge Männer geschrieben, die sich aufgrund meines Briefes getraut haben, sich zu outen. Für sie ist es sehr positiv verlaufen. Ich finde es schade, dass es generell für so viele Leute noch ein Problem ist, sich zu outen. Aber ich hoffe, dass sich das für sie so positiv entwickelt wie für mich.

Jochen Schropp im Interview

Die Reaktionen auf sein Outing

Jochen Schropp
Vor knapp einem Monat outete sich Jochen Schropp als schwul. Während die Promis darauf ausnahmslos positiv reagieren, sind die Kommentare im Netz nicht immer nett. Eine Situation, mit der Jochen aber umgehen kann. Mehr zu dem Thema finden Sie in der neuen GALA (ab Donnerstag, 12. Juli, im Handel)!
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