Jewgenija Timoschenko: Nicht ohne meine Mutter

Sie ist ihrer Mutter doch sehr ähnlich, auch im Geiste: Jewgenija Timoschenko kämpft um die Freilassung der Politikerin

Jewgenija Timoschenko

Was für ein Lachen!

Auf dem antiken Schreibtisch der Ex-Staatschefin Julija Timoschenko steht ein Porträt ihrer Tochter Jewgenija. Es muss vor einigen Jahren aufgenommen worden sein. Zu einer glücklichen Zeit, denn Jewgenijas Strahlen springt dem Betrachter förmlich entgegen. Erschreckend, wenn man daneben die heutige Jewgenija sieht. In diesen Tagen empfängt sie fast nonstop Journalisten aus aller Welt zu Interviews im Besprechungszimmer ihrer Mutter, das im ersten Stock der Kiewer Zentrale der Partei Vaterland liegt. Nur wenige Meter neben ihrem eigenen Porträt sitzt nun die 32-Jährige und wirkt unfassbar müde. Im lupenreinen Englisch rattert sie ihre Antworten herunter, schildert den kritischen Gesundheitszustand ihrer Mutter, die im Oktober 2011 ihre Gefängnisstrafe angetreten hat und sich seit dem 20. April wegen der Haftbedingungen im Hungerstreik befindet.

Misshandelt? Zu Unrecht inhaftiert? Jewgenija will nicht eher ruhen, als bis ihre Mutter, die Politikerin Julija Timoschenko freikommt.

Der Druck, der auf der zierlichen Jewgenija lastet, ist hoch. Der Hungerstreik und die demnächst beginnende Fußball-EM im Juni rücken das Schicksal von Julija Timoschenko weiter ins Zentrum der Berichterstattung. Umso mehr staunen Beobachter, wie sie die Rolle der Politkämpferin angenommen hat. „Sie macht das sehr gut. Innerhalb weniger Wochen hat sie sich profiliert“, sagt Andreas Umland, Politologe an der Mohyla- Akademie in Kiew, zu "Gala". Mittlerweile trägt Jewgenija ihre Haare blond - wie ihre Mutter, die 2004 mit ihrem geflochtenen Kranz um den Kopf zur Ikone der Orangenen Revolution in der Ukraine wurde. Dabei hatte Jewgenija nie politische Ambitionen. Sie habe nie verstanden, erzählt Jewgenija, warum ihre Mutter, die in den Neunzigerjahren als Gas-Unternehmerin zur Multimillionärin aufstieg, sich ehrgeizig in das unsichere Politikgeschäft stürzen musste. Überhaupt die Eltern. Das Verhältnis zu ihrer Übermutter und ihrem Vater Olexander, einem scheuen Geschäftsmann, galt als distanziert. Das Paar schickte ihr einziges Kind mit 14 auf ein Eliteinternat in London. Dort studierte Jewgenija später an der School of Economics, machte den Abschluss in Politikwissenschaft und Philosophie. Sie galt weder als Überfliegerin, noch als schwerreiches Töchterchen, das die Nächte durchfeierte. Nie drängte sie in die Öffentlichkeit. Nur 2005 fand sie sich in der Presse wieder, als sie in Kiew den elf Jahre älteren britischen Rockmusiker Sean Carr heiratete. Die beiden hatten sich in einem Luxushotel in Sharm El Sheikh, Ägypten, kennengelernt. Vielleicht war das ihre wilde Phase, ein Ausbruchversuch. Sie nahm den Namen Carr an, um Distanz zwischen sich und ihre Eltern zu bringen. Der Sänger verschwand jedoch schnell wieder von der Bildfläche. Laut der lokalen Presse soll das Paar geschieden und Jewgenija mit einem ukrainischen Unternehmer liiert sein. Jetzt trägt sie jedenfalls wieder ihren Familiennamen.

Was steckt hinter ihrer Kämpferrolle? Was treibt sie an? Der Ernst der Lage muss Jewgenija bewusst geworden sein, als sie vor knapp einem Jahr im Gerichtsaal saß und erlebte, wie ihre Mutter für einen Gas-Vertrag, den sie als Regierungschefin abschloss, zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde. Sie weiß, dass sie in der Öffentlichkeit die stärkste Waffe für ihre Mutter ist. Ihr Vater musste nach Tschechien flüchten, sie ist, neben dem Anwalt, die einzige Person, die Julija Timoschenko in der Frauenstrafkolonie 54 in Charkow (dort bestreitet am 13. Juni das DFB-Team das Vorrundenspiel gegen die Niederlande) besuchen kann. Wenn jemand der 51-Jährigen zur Rettung verhelfen kann, dann sie. Und auch die Vaterland-Partei sieht ihren Vorteil. „Im Oktober sind Parlamentswahlen, und es ist sicher gut, nun auch die Tochter als markantes Aushängeschild zu haben“, meint Experte Andreas Umland. Auf dem Schreibtisch in der Parteizentrale stehen neben dem Foto kleine Figuren. Sie schauen aus wie Ritter aus dem Mittelalter. Einen starken Schutzpanzer wird auch Jewgenija Timoschenko für die kommenden Wochen brauchen. Hauke Herffs, Andreas Ehrmann

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