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Jens Büchner stirbt an Lungenkrebs Fünf Fragen, die sich jetzt stellen

"Goodbye Deutschland"-Star Jens Büchner (1969-2018)
"Goodbye Deutschland"-Star Jens Büchner (1969-2018)
© Action Press
Jens Büchner starb am 17. November 2018 mit 49 Jahren an Lungenkrebs. Ein Umstand, der Fragen aufwirft - und deren Antworten GALA bei Dr. med. Vera van Ackeren, Oberärztin des Lungenzentrum am Marienkrankenhaus Hamburg, sucht

"Mit großem Bestürzen teilen wir mit, dass Jens Büchner nach kurzem, aber schwerem Kampf am Samstagabend friedlich eingeschlafen ist." Diese offizielle Mitteilung schockierte vor wenigen Tagen TV-Zuschauer, Fans und Wegbegleiter des "Goodbye Deutschland"-Stars. Einen Tag später gibt Büchners Manager bekannt: Es war Lungenkrebs, der ihm das Leben genommen hatte.

1. Jens Büchner erfuhr am 5. November, dass er krank ist. Am 17. November ist er gestorben. Warum hat man den Krebs nicht früher erkannt?

"Die merklichen Symptome von Lungenkrebs sind Husten, blutiger Auswurf, Gewichtsabnahme und eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes", sagt die Oberärztin. Das Problem: Diese Symptome treten dann auf, wenn der Krebs schon fortgeschritten ist. Heißt dementsprechend: Die meisten Patienten haben lange keine Ahnung von ihrem Leiden. Erschwerend kommt hinzu, ergänzt van Ackeren, das manche Symptome auch verkannt werden. "Bei einem Menschen, der unter 50 Jahre alt ist, wird man oft annehmen 'Der hat sich überanstrengt' , 'Der Husten ist eine Lungenentzündung' oder 'Der Husten liegt am Rauchen'". Tumore im Frühstadium werden demnach oft nur per Zufall entdeckt. 

2. Hat sich Jens Büchner vor seinem Tod nicht genug geschont?

Büchners Manager sagte der "BILD"-Zeitung einen Tag nach der Todesmeldung, Jens Büchner habe mit seiner Krankheit niemandem zur Last fallen wollen. Deshalb habe er so lange geschwiegen, obwohl er schon länger für sich gemerkt habe, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Dass sich der TV-Auswanderer bis fünf Wochen vor seinem Tod nicht schonte und äußerlich hin nach dem Motto "The show must go on" agierte, zeigt ein Blick auf seine letzten Auftritte. Und nicht nur das. "Seit gut 2 Jahren ist er nur am Rennen, Auftritte, Stress, Hin- und Hergefliege, Café, Großfamilie etc.", schreibt Büchners Ex-Freundin Jennifer Matthias auf Instagram wenige Tage vor seinem Tod. "Sein Körper zieht die Notbremse und zwingt ihn zum Stillstand!" Doch kann so ein stressiger Lebenswandel Lungenkrebs begünstigen? Ja, sagt van Ackeren. Daneben spielen Rauchen (Jens Büchner war Raucher), Alkoholkonsum, familiäre Vorbelastung und berufliche Belastung mit Feinstaub eine Rolle. 

3. Hätte der Entertainer gerettet werden können, wäre er früher zum Arzt gegangen?

Mögliche Behandlungen von Lungenkrebs, je nach Stadium, sind Operation, Chemotherapie und Bestrahlung. Und selbst dann liegt die Überlebenschance der Patienten in den ersten fünf Jahren nur bei 60 bis 70 Prozent, sagt van Ackeren. "Ein Mensch wie Jens Büchner, der auf so vielen Hochzeiten getanzt und sich so viel Stress ausgesetzt hat, der hat sich sicherlich ein gutes Maß an Verdrängung gehabt hat. Der wollte vielleicht zu lange gar nicht wahrhaben, dass es ihm nicht gut geht." Doch es gibt noch andere Faktoren, die die Überlebenschancen beeinflussen. "Selbst wenn der Lungenkrebs lokal nicht weit fortgeschritten ist, aber jemand beispielsweise Metastasen im Hirn hat, kann man nicht mehr viel machen", erklärt die Lungen-Expertin. Es sei jedoch "sehr spekulativ" zu sagen, ob Jens Büchner zu spät zum Arzt gegangen sei, um gerettet werden zu können. Dazu fehle der Einblick in die Krankenakte.

Dr. med. Vera van Ackeren, Oberärztin des Lungenzentrum am Marienkrankenhaus Hamburg
Dr. med. Vera van Ackeren, Oberärztin des Lungenzentrum am Marienkrankenhaus Hamburg
© (c) Marienkrankenhaus Hamburg

4. 2013 erhielt Jens Büchner schon einmal die Diagnose Lungenkrebs, allerdings irrten sich die Ärzte damit. Wie lässt sich das erklären?

Was nach dem Tod Büchners wieder ins Bewusstsein gelangt ist ein Gespräch, das er im Januar 2017 in der TV-Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" mit Fußballer Thomas Hässler führte. "Mir haben drei Ärzte gesagt, ich hätte Lungenkrebs. Da habe ich mich total aufgegeben. In drei Monaten habe ich 7.000 Euro versoffen", erzählte Büchner damals sichtlich bewegt am Lagerfeuer. Nach der Diagnose habe er sich in die Hände von Nuklearmedizinern in Palma begeben. Die schlimmste Zeit seines Lebens sei das gewesen. Nach anderthalb Monaten in dem Glauben, schwer erkrankt zu sein, habe er er am 27. Januar 2014 eine überraschende und erleichternde Nachricht einer anderen Ärztin erhalten: Er habe doch keinen Lungenkrebs. Mit-Kandidat und Fußballer Thomas Hässler kann nicht glauben, was Büchner erzählt: Drei Ärzte, dreimal eine Fehldiagnose? Es sei so gewesen, bestätigt das TV-Sternchen. 

Dr. Vera van Ackere erklärt GALA: "Es gibt radiologische Befunde, die zwar aussehen, als hätte der Patient Lungenkrebs. Tatsächlich aber zeigen sie den Zustand nach einer Entzündung oder einen gutartigen Tumor, der anderweitig behandelt werden kann als durch eine Operation. Da ich die Krankenakte von Herrn Büchner aber nicht kenne, ist es schwierig zu sagen, was 2013 genau passiert ist." Ihrer Einschätzung nach würde allerdings kein Arzt einen Patienten ohne eine vorherige Biopsie mit bösartigem Befund einer nuklearmedizinischen Behandlung unterziehen. "Wenn man auf diese Art therapiert, ist die Wahrscheinlichkeit schon sehr hoch, dass ein positiver Befund vorliegt." Eventuell hat aber auch eine ganz andere  Lungenerkrankung damals zur Bestrahlung und sogar deren Heilung geführt . Dies  kann man aber rückwirkend nicht beurteilen.

In diesem Zusammenhang berichtet die Oberärztin  von einer interessanten Beobachtung aus ihrem Umgang mit Patienten: Wenn Krebs an Stelle A im Körper ausbricht und Metastasen an Stelle B bildet, sind sie geneigt, von einer neuen Krebsart an Stelle B zu sprechen. Obwohl das so nicht stimmt und es sich um ganz unterschiedliche Erkrankungen handelt. Konkret heißt das laut van Ackeren: "Die Ärzte können zum Beispiel einen Lymphknotenkrebs feststellen, der auch im Bereich der Lunge zu Veränderungen führt. Und die Patienten gehen dann nach Hause und sagen: 'Ich habe Lungenkrebs", obwohl sie Lymphknotenkrebs haben und es in ihren Augen alles der gleiche Krebs ist". 

5. Litt Jens Büchner insgeheim seit fünf Jahren an Lungenkrebs?

Angenommen, die Diagnose Lungenkrebs wäre 2013 doch korrekt gewesen und die Behandlung in Annahme einer Fehldiagnose abgebrochen worden: Könnte es sein, das der Krebs im Körper von Jens Büchner vier Jahre lang wucherte? "Die Wahrscheinlichkeit, dass Herr Büchner Ende 2013 einen fortgeschrittenen Lungenkrebs hatte und erst fünf Jahre später daran stirbt, ist sehr unwahrscheinlich", sagt Vera van Ackeren. 
Die Nachricht über den Verdacht auf Lungenkrebs erhielt Jens Büchner laut seiner Beichte im Dschungelcamp am 9. November 2013. Fast auf den Tag genau fünf Jahre später, am 5. November 2018, sollten ihm die Ärzte wieder eine schlechte Nachricht überbringen. Diesmal ist der Lungenkrebs kein Irrtum, sondern sein Todesurteil. 

Verwendete Quellen: eigene Recherchen

Gala

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