Jenny Jürgens: Tochter spricht über den Tod von Udo Jürgens (†)

Jenny Jürgens hat sich jetzt im Rahmen eines Interviews zu dem Tod ihres Vaters Udo Jürgens (†) geäußert. Dieser verstarb am 21. Dezember 2014 an Herzversagen

Jenny Jürgens, 49, hat jetzt gegenüber der Schweizer Tageszeitung "Blick" ein Interview gegeben, in dem sie sich auch ausführlich zu ihrem berühmten Vater Udo Jürgens (†) äußert. Sie beschreibt ihn generell als Vater und geht auch auf den plötzlichen Tod des großen Entertainers ein.

Jenny Jürgens über ihren Vater Udo Jürgens (†)

Auf die Frage, wie präsent ihr Vater in ihrem Leben noch sei, antwortet die Münchnerin: "Sehr präsent. Gestern beispielsweise habe ich mir ein Schinkenbrot mit Essiggurke gemacht. Da dachte ich plötzlich an ihn, weil er das auch so gerne gegessen hatte."

Die Momente, in denen sie ihn am meisten vermisst, beschreibt sie folgendermaßen: "Da gibt es ganz viele Momente. Udo war ein leidenschaftlicher Restaurantgänger. Wir haben unzählige Abende in Lokalen verbracht, Rotwein getrunken und uns unterhalten. Diese Abende vermisse ich. Oder, wenn grosse Ereignisse die Welt durchschüttelten. Dann haben wir stundenlang telefoniert. Die vielen Gespräche waren eine ganz hohe Qualität unserer Beziehung. Papa philosophierte gerne über das «Leben und seine schweren Folgen», wie er es nannte."
Zudem sagt sie: "Die Musik, die Konzerte – das war sein Lebenselixier. Aber er wollte nicht als Tattergreis im Scheinwerferlicht enden. Er sagte oft, dass er sofort aufhören würde, wenn es peinlich werden sollte. Ich glaube nicht, dass er gewusst hat, dass er so schnell sterben wird. Aber er hat wohl geahnt, dass er diese riesigen Tourneen nicht mehr lange so würde meistern können."

Über seine Vaterrolle

Ob der Chansonnier ein guter Vater war, will Jenny nicht endgültig bewerten: "Was bedeutet es denn, ein guter Vater zu sein? Ist das einer, der sich durch viel Präsenz auszeichnet? Ich will darüber nicht richten. Natürlich hat Udo viele wesentliche Momente unseres Lebens verpasst. Er war nicht die Art Vater, der uns jeden Morgen den Schoppen gab und die Windeln wechselte." Und weiter: "Wir lebten ständig in einem Zyklus: Papa geht auf Tournee, dann macht er eine Platte. Dann geht er wieder auf Tournee. Das alles hatte für ihn oberste Priorität. Wir kannten ihn auch nie anders. Aber die Zeit, die wir dann doch zusammen verbracht haben, war überaus intensiv, sein Umgang mit uns Kindern liebevoll. Wir konnten uns auf ihn verlassen. Er war eine ruhige und sichere Instanz. Wenn wir ihn brauchten, war er für uns da. Und das ist doch das Wichtigste. Ich glaube nicht, dass ein Mann so erfolgreich sein kann wie er, wenn er gleichzeitig ständig zu Hause auf die Kinder aufpassen muss. Das ist einfach nicht möglich."

Autoritär war ihr Vater im Umgang mit den Kindern zudem nie: "Im Gegenteil! Er führte uns nicht mit Verboten, sondern mit Verständnis. Udo war ja selbst sehr antiautoritär. Und das war für uns Kinder natürlich toll. Auch wenn uns etwas Strenge bisweilen gutgetan hätte. Doch mein Vater war kein konfliktfähiger Mann.

Über den Ruhm ihres Vaters möchte sie sich auch nicht beschweren: "Ach, das wäre doch Jammern auf hohem Niveau. Natürlich ist der Schatten meines Vaters riesig, ich werde ihn nie hinter mir lassen können. Und das habe ich schon sehr früh erkannt und akzeptiert. Nur schon wegen meines eigenen Seelenheils. Ich bin ein sehr pragmatischer Mensch." Und weiter: "Auch wenn ich mir meine eigene Karriere aufgebaut habe, wusste ich immer, dass mein Vater ein wesentlicher Grund dafür ist, weshalb man mich kennt. Und dass ich ihn bisweilen auch benutzt habe, um bekannt zu werden. Ich hätte mich ja auch Hösendödel nennen und durch Kleintheater tingeln können. Aber das wollte ich nicht. Ich wollte Jenny Jürgens heissen, also muss ich auch die Konsequenzen tragen."

Über seinen Tod

Der Tod im Allgemeinen war zwischen Vater und Tochter ein Thema: "Ja. Aber das war ein sehr sensibles Thema. Ich glaube, dass Kinder generell nicht gerne mit den Eltern übers Sterben reden. Udo hatte in den letzten Jahren eine starke Alterssentimentalität entwickelt. Er merkte ganz klar, dass der Blick nach vorne kürzer wird. Und das stimmte ihn sehr traurig.
Dass sie sein plötzlicher Tod auf dem falschen Fuß erwischt hat, verhehlt sie keineswegs: "Oh ja. Und ich denke, dass dieser schnelle Tod ein Geschenk für ihn war. Udo durfte gehen, ohne zu leiden. Seine größte Angst war es, einen Schlaganfall zu haben und dann noch jahrelang unwürdig dahinzusiechen. Als Kind beobachten zu müssen, wie ein Elternteil immer mehr verschwindet, ist einfach nur entsetzlich."
Die Frage nach dem Jenseits beantwortet sie hingegen recht nüchtern: "... Udo war Atheist. Ich bin es ebenfalls. Da hat seine Erziehung hundertprozentig Früchte getragen. Ich habe meinen Vater auf dem Totenbett gesehen. Da war nichts mehr. Das Licht war erloschen. Aber Udo lebt trotzdem weiter. In unseren Herzen. In unseren Erinnerungen. Zum Glück haben wir sein unfassbar großes Werk zum Andenken. Das ist so viel mehr, als von den meisten Menschen bleibt. Was mich mit großer Dankbarkeit erfüllt."

Jennys Lieblingserinnerung an ihren Vater

Udo Jürgens

Sein Leben in Bildern

5. März 1966  Der am 30. September 1934 in Klagenfurt geborenen Jürgen Udo Bockelmann erobert sein Publikum als Komponist, Pianist und Sänger unter dem Künstlernamen Udo Jürgens.
5. März 1966  Mit dem Lied "Merci, Chérie" gewinnt Udo Jürgens 1966 für Österreich den "Eurovision Song Contest" (im Bild mit Vorjahressiegerin France Gall). Es ist bereits seine dritte Teilnahme am Wettbewerb und sein internationaler Durchbruch.
21. Januar 1967  Auch vor seinem Sieg beim 11. "Grand Prix Eurovision de la Chanson Européenne" ist Udo Jürgens sehr erfolgreich. Seine erste internationale "Goldene Schallplatte" erhält der Künstler bereits 1965 mit "Walk Away".
6. April 1967  Auch in Wien kann sich Udo Jürgens über eine goldene Schallplatte freuen, die nicht die letzte bleiben soll.

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"Diese Nacht vor zwölf Jahren, als er in Köln den Deutschen Fernsehpreis bekam. Nach der Show hatte er einen Riesenhunger. Wir fuhren im Taxi zu einer Wurstbude irgendwo am Stadtrand. Papa trug einen Smoking, ich ein Abendkleid. Der Chef dort ist fast umgekippt, als wir um zwei Uhr früh reinkamen. Ich muss heute noch lachen, wenn ich so unbedeutende Promis mit Bodyguards sehe. Die hatte mein Vater nie gebraucht. Er war sehr nahbar. Er war nie arrogant mit Leuten. Und das haben sie an ihm auch so geliebt."

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