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Jenny Elvers "Entzug ist nichts für Feiglinge"

Jenny Elvers
© Action Press
Jenny Elvers war in derselben Klinik wie Jan Ullrich. Sie weiß genau, wovon es abhängt, ob seine Suchttherapie gelingt  

Sie hat vieles von dem, was Jan Ullrich, 44, in diesen Tagen und Wochen erlebt, hinter sich. Den körperlichen Entzug, den Seelen-Striptease, die demütigende Gepäckkontrolle beim Check-in in die Klinik, das Pusten in das Alkoholtestgerät, wenn man die Einrichtung mal kurz verlassen hat.

Jenny Elvers drückt Jan Ullrich fest die Daumen

Eindrücklich berichtet Jenny Elvers, 46, in GALA von ihren Erfahrungen in der "My Way Betty Ford Klinik" in Bad Brückenau. Die Schauspielerin, deren Autobiografie "Wackeljahre: Mein Leben zwischen Glamour und Absturz" Anfang September im mvg-Verlag erscheint, findet es genau richtig, dass Ullrichs Ehefrau Sara und deren Bruder Tobias schweigen. "Nur er selbst kann sich seinem Problem stellen", sagt sie. Andere Wegbegleiter erzählen derweil Details aus dem Drama, das vergangene Woche einen Tiefpunkt erreichte: Nachdem Ullrich in einem Frankfurter Hotel eine Prostituierte gewürgt haben soll, wurde er festgenommen, kam zunächst in die Psychiatrie und dann nach Bad Brückenau. 

GALA: Was ist an dieser Klinik so besonders? 

Jenny Elvers: Gerade für Prominente oder Leute aus der Wirtschaft ist diese Privatklinik besonders gut, weil Diskretion großgeschrieben wird. Man darf dort mit seinem Handy keine Fotos machen, es gibt einen Sichtschutz – man checkt sogar mit falschem Namen ein, wenn man will. Aber es kommt am Ende darauf an, ob man sich wirklich helfen lassen will und ob man einen Therapeuten findet, mit dem man kann und der es schafft, einen zu knacken und einem vor Augen führt, warum es eigentlich so weit gekommen ist. 

Wie sieht der Tagesablauf aus? 

Ganz individuell. Zunächst einmal findet der körperliche Entzug statt. Der war bei mir sehr schmerzhaft, weil ich auch viel mehr körperlich als geistig vom Alkohol abhängig war. Und was viele nicht wissen: Ein Entzug ist sehr gefährlich. Der Alkoholentzug sogar am schlimmsten. Es drohen Schlaganfall, Herzinfarkt, Organversagen. 

Am Boden: Ex-Radprofi Jan Ullrich hat sich vergangene Woche nach diversen Abstürzen in den Entzug begeben 
Am Boden: Ex-Radprofi Jan Ullrich hat sich vergangene Woche nach diversen Abstürzen in den Entzug begeben 
© Getty Images

Wie muss man sich die Therapie vorstellen? 

Es wird viel gegraben und Ursachenforschung betrieben. Es gibt Gesprächstherapien, Einzeltherapien, Musik-und Sporttherapie. Da muss jeder seine Therapieform finden. Man lernt, sein Leben neu zu strukturieren, das seelische Übergepäck abzulegen und ganz wichtig: sich selbst zu verzeihen. Man schämt sich fürchterlich für die vermeintlich hausgemachte Krankheit. Dabei ist diese Krankheit nicht hausgemacht, sondern hat mit vielfältigen äußerlichen Einflüssen zu tun. 

Wie lange waren Sie in der Betty-Ford-Klinik? 

Zwölf Wochen. Ich glaube, das ist das Maximum. Und je näher der letzte Tag rückte, desto größer wurde auch die Angst vor dem Leben in der alten Umgebung. Ich musste lernen, mich komplett neu zu sortieren. Wer glaubt, man geht aus einer Therapie und in sein altes Leben zurück, der ist komplett auf dem Holzweg. 

Wann kann ein Entzug gelingen? 

Wenn man nur dem Druck von außen oder dem Druck der Familie nachgibt, bringt ein Entzug überhaupt nichts. Man muss es selbst wollen. Daher sage ich auch: Entzug ist nichts für Feiglinge. Und wer glaubt, er macht mal nur ne Woche und ist dann wieder aus der Klinik raus, der ist genauso schnell wieder drin. Ich drücke Jan fest die Daumen. Ich glaube, er hat sich sehr verloren. In meinen Augen sind seine Kinder sein größter Ansporn wieder gesund zu werden. 

War Ihre Autobiografie auch eine Form von Therapie? 

Es ist kein Suchtbuch, sondern wirklich meine Lebensgeschichte, in der natürlich der Alkohol eine Rolle spielte. Ich bin jetzt im September im sechsten Jahr trocken und habe heute eine andere Sicht auf mein Leben.

Gala


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