Jenny Elvers-Elbertzhagen: "Lebe jetzt, zahle später"

Sie galt nie als Kind von Traurigkeit - doch jetzt muss sich Jenny Elvers-Elbertzhagen in einer Suchtklinik behandeln lassen. Wie die Schauspielerin sich im Nachtleben verlor

Vielleicht hatte sie schon ein Geschenk besorgt.

Womöglich hatte sie sich bereits überlegt, was für ein Kleid sie tragen, was sie mit ihrem Mann später am Abend unternehmen würde. In den Berliner Promi-Restaurants "Borchardt" oder "Grill Royal" etwas essen? Dann noch in die Bar des "The Grand"? Doch am kommenden Wochenende, wenn ihr Gatte Goetz seinen 53. Geburtstag hat, wird Jenny Elvers-Elbertzhagen nicht dabei sein. Sie wird nicht feiern, sie wird fehlen - denn seit vergangener Woche befindet sich die Schauspielerin in einer Suchtklinik, nachdem sie sich völlig betrunken in der NDR-Talkshow "DAS!" kaum auf dem Sofa halten konnte. Das Video der Sendung, in dem Jenny sich geistesabwesend und kichernd durch ihre Sätze stammelt und versucht, eine Kette auf einem Blatt Papier zu skizzieren, kennt mittlerweile jeder.

Tragische Schicksalsschläge

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Es ist der traurige Tiefpunkt in der Karriere der 40-Jährigen, die einst als Heidekönigin gestartet war und sich vom Blitzlichtluder der Nation schließlich zur Schauspielerin entwickelt hat. Dieser Absturz hatte sich in den vergangenen Monaten angekündigt: Jenny, deren Vorname angeblich von der Seeräuber-Jenny aus der "Dreigroschenoper" stammt, war schon immer als Partygängerin bekannt, doch zuletzt war alles außer Kontrolle geraten. In der Berliner Szene hatte fast jeder eine verrückte Story über sie parat. Jenny, wie sie nachts barfuß durchs "Borchardt" flitzt, sich auf Events in ihren knappen Kostümen verheddert oder morgens mit müden und überschminkten Augen bei PR-Terminen schon die Flasche Champagner in der Hand hat. Solche Sachen halt. Dass sich hinter derlei Klatschgeschichten und skurrilen Anekdoten ein ernsthaftes Suchtproblem verbarg, hatte wohl keiner wahrhaben wollen. "Sie hat gern mal was getrunken, aber nicht übermäßig" oder "Es ist gut, wenn sie nun einen Entzug macht", das sind Sätze, die nun viele bemühen, wenn man anruft. Fragt man Ehemann Goetz Elbertzhagen, wirkt er ratlos und verzweifelt. Seine Frau habe innerhalb der vergangenen acht Monate "eine Wesensveränderung" durchgemacht, sagt er. Dann beendet er hastig das Gespräch.

Mit Ehemann Goetz Elbertzhagen und Sohn Paul im Mai bei einem Event in Palma de Mallorca.

Eine Wesensveränderung. Wie ist es dazu gekommen? Seit 2003 sind Goetz Elbertzhagen und Jenny Elvers verheiratet. Es sei keine kalkulierte Ehe gewesen, weder von seiner noch von ihrer Seite, die beiden seien glücklich, sagt eine Person zu "Gala", die das Paar seit Jahren kennt. Elbertzhagen kümmere sich mit "aller Liebe" um Jennys Sohn Paul, der 2001 aus einer kurzen Beziehung mit dem "Big Brother"-Teilnehmer Alex Jolig stammt. Man steht finanziell gut da, lebt abwechselnd im Anwesen in der Nähe von Bonn und in einer gemieteten Altbauwohnung im Westen Berlins. Und Jenny, die anfangs vom Establishment eher belächelt wurde, konnte sich im Lauf der Zeit als ernsthafte Schauspielerin etablieren, überzeugte 2006 in dem Kinofilm "Knallhart" und auf der Theaterbühne. Angeblich soll sie jetzt im Gespräch dafür sein, in dem Filmprojekt "Angeklagt" Leni Riefenstahl zu verkörpern. Auf Nachfrage bei der Produktionsfirma will man das weder bestätigen noch verneinen. Verständlich bei der momentanen Lage. Jenny Elvers ist eigentlich dort angekommen, wo sie immer hinwollte. Im Blitzlicht, jeder kennt sie. Schon zu ihrer Jugendzeit in ihrem Heimatdorf Amelinghausen, das nahe Hamburg in der Lüneburger Heide liegt, liebte sie es, im Mittelpunkt zu stehen. "Sie war schon damals sehr präsent, als Teenager hat sie sich sehr auffällig gekleidet mit Leggings und hohen Schuhen", erzählt "Gala" jemand, der nur ein paar Straßen vom Haus ihrer Eltern entfernt lebt. Jenny sei immer Gesprächsthema gewesen. Und in diesen Tagen, obwohl sie schon lange nicht mehr zu Besuch war, ist sie es wieder.

Nicht leicht für ihre Angehörigen. Ihr jüngerer Bruder Denny, der als Paketfahrer bei UPS arbeitet, und ihre Eltern Ursel und Gert leben immer noch in dem Ort. Das Familienhaus steht versteckt hinter einer großen Steinmauer und vielen Büschen, "Elvers" steht in Handschrift am Briefkasten. Idyllisch ist es hier, viele würden sich in dieser Umgebung spontan zu Hause fühlen. Auf viele wiederum - und dazu gehörte auch Jenny Elvers - kann die friedliche Stille aber eher lähmend wirken. Als "Gala" an ihrem Elternhaus klingelt, öffnet Jennys Mutter. Sie hat blond gefärbtes Haar, ist geschminkt, sieht traurig und verunsichert aus. Zu der momentanen Situation ihrer Tochter will sie nichts sagen.

Vieles ist ja auch bekannt. Früher war Jenny eine Dorfschönheit, bei der die Jungs Schlange standen, um ein Date zu kriegen. Doch sie spürte früh, dass sich diese Verehrer zwar für ein Geplänkel eignen - das, was sie wirklich wollte, konnte ihr jedoch keiner geben: Berühmtheit. Glam. Ein Dasein auf der Sonnenseite. "Lebe jetzt, zahle später" wird ihr Motto, wie sie später im Interview sagt. Mit 18 Jahren kürt man sie, proper und äußerst adrett, zur Heidekönigin. Ein Krönchen kriegt sie aufs toupierte Haar gedrückt, die Medien berichten erstmals über sie. Jetzt kann das echte Leben beginnen. Ihren etwas hämischen Spitznamen hat sie von da an weg: "Marilyn Monroe der Lüneburger Heide" ruft man die kleine Elvers, damals Dekorateur-Azubi in einem Textilfachgeschäft. Auffällig in den Schilderungen der Menschen: Viele erinnern sich an Jennys freundliches und fröhliches Wesen, andere lästern über ihre Jungsgeschichten.

1998 begleitete Jenny Elvers ihren damaligen Partner Heiner Lauterbach zum Deutschen Filmball nach München.

Aus Jungs- wurden Männergeschichten. Auf einer Schlagerparty in Hamburg landet die üppige Blondine im VIP-Bereich und später in den Armen von Udo Jürgens. Später begeistert sie Heiner Lauterbach, mittlerweile trockener Alkoholiker. "Heiner war noch viel krasser als sie", so Lauterbachs Ex-Manager David Rienau zu "Gala" über die wilde Zeit des Paars, in der sie Dauergäste im Hamburger "Zwick" waren und häufig bei Wirt "Wolle" übernachteten. "Heiner hat es nur dank seiner Frau Viktoria geschafft", so Rienau. "Ich hoffe für Jenny, dass ihr Mann Goetz sie jetzt nicht fallen lässt." Goetz Elbertzhagen, der seine Frau laut Freunden "abgöttisch liebt" und ihr noch kürzlich zum 40. Geburtstag ein großes Fest spendierte, war oft dabei, wenn sie über die roten Teppiche Berlins tippelte. Er war allerdings nicht immer dabei, wenn sie manchmal im Anschluss an solche Events durch die Nacht zog und sich irgendwann in ihr verlor. Sie wurde nur noch wahrgenommen als Dauergast auf allen Partys. Aus Schauspielerin Jenny Elvers-Elbertzhagen wurde erneut Jenny, die Fetenhummel. Große Theaterrollen, wie die der Mrs. Robinson in "Die Reifeprüfung", und Filme, in denen sie brillieren konnte, kamen nicht. Dabei sah es nach "Knallhart" endlich so aus, als würde sie nicht nur wahr- sondern auch ernst genommen. Regisseur Detlev Buck schwärmte von ihr ebenso wie Christoph Schlingensief. Ihre "Jedermann"- Regisseurin Brigitte Grothum, mit der sie 2004 und 2007 zusammenarbeitete, lobt am Telefon gegenüber "Gala" Jennys Professionalität. "Aber vielleicht war auch gerade dies das Problem von Jenny", sagt eine alte Weggefährtin zu "Gala". "Sie musste plötzlich diesem Anspruch auch gerecht werden. Es kann ein unheimlicher Druck sein, wenn man immer gut sein muss. Sie wollte, aber sie war sicherlich überfordert." Charakterdarstellerin, das war gut fürs Ego, aber auch eine Bürde. Vielleicht aus Unsicherheit wandte sie sich wieder der leichteren Muse zu. Gastauftritte in TV-Serien, Schmuckdesign - und Alkohol. "Jenny ist nicht die Erste, bei der die Sucht nach Aufmerksamkeit in eine andere Sucht mündete", so

Stark: Als alleinerziehende Mutter überzeugte Jenny 2006 neben David Kross in dem Jugend-Drama "Knallhart".

Eine Sucht, der keine Grenze gesetzt wird, vor allem wenn in der Hauptstadt jeden Abend eine Party ist und die Gläser der VIPs nie leer werden. Promis und Gastronomen, bei denen "Gala" nachfragt, wiegeln ab, wollen nichts sagen, haben nichts bemerkt. Auch beim NDR will man vor dem desaströsen Auftritt nicht bemerkt haben, dass Jenny Elvers-Elbertzhagen alles andere als nüchtern war. Nicht beschwipst, nicht angeheitert, sondern: sturzbetrunken.

Natürlich hinterlässt so etwas Spuren in einer Beziehung. Ein Freund des Paars erzählt "Gala", dass Elbertzhagen immer wieder versucht hat, die Dinge unter Kontrolle zu kriegen, aber nicht zu seiner Ehefrau durchdringen konnte. "Jenny bat mich, folgendes Statement zu posten: Ich möchte mich bei allen entschuldigen, die ich enttäuscht habe. Besonders bei meiner Familie. Ich versuche jetzt, gesund zu werden, und habe hoffentlich die Kraft dazu", schrieb der PR-Manager in einer Nachricht auf Facebook. Das Statement klingt zwar nicht hoffnungslos, aber doch skeptisch. Jetzt - nach dem Zusammenbruch - scheint Jenny zumindest ihre Sucht akzeptiert zu haben und stellt sich ihr in einer Therapie. Dieser Schritt, gerade von einer prominenten Persönlichkeit, ist sehr wichtig, findet Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr: "Für uns ist die Alkoholsucht schon länger ein wichtiges Thema, das wir genauso ernst nehmen wie den Kampf gegen die Zigaretten oder Ähnliches", sagt er am Rande des Dreamballs zu "Gala". "Wichtig ist es, bei den Kindern und Jugendlichen anzufangen, denn vor allem im Wachstum kann der Alkohol bleibende Schäden anrichten. Bekanntere Persönlichkeiten, wie Jenny Elvers- Elbertzhagen, dienen vielleicht als abschreckendes Beispiel." Wie geht es nun weiter? Die Therapie wird einige Woche dauern, in der ersten Phase muss die Patientin für sich sein. Keine leichte Zeit für die Familie. Der größte Wunsch, den Goetz Elbertzhagen in diesen Tagen hat, ist sicherlich, dass seine Frau eines Tages gesund zu ihm zurückkehrt. Hauke Herffs, Bettina Luke

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