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Jennifer Hudson "Sie sind bei mir"


Schwere Wochen für Jennifer Hudson: Nach gut drei Jahren startet der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder ihrer Familie, dabei wird sie wieder mit der traurigen Vergangenheit konfrontiert. "Gala" schildert, wie die Sängerin den schweren Verlust verarbeitet

Dreieinhalb Jahre.

Das klingt nach einer langen Zeit. Aber die Wunden sind noch nicht geheilt. Was Jennifer Hudson Ende Oktober 2008 erleben musste, wird sie wohl ihr Leben lang begleiten wie ein dunkler Schatten - der gewaltsame Tod ihrer Mutter Darnell, ihres älteren Bruders Jason und ihres siebenjährigen Neffen Julian. Alle drei wurden damals ermordet. Kaltblütig erschossen. Aus Rache und Eifersucht. Der Fall sorgte weltweit für Aufsehen und wird jetzt wieder Schlagzeilen machen, denn in dieser Woche beginnt in Chicago, der Heimatstadt von Jennifer Hudson, der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter. Ein schwerer Moment für die Sängerin. Muss sie doch die schrecklichen Erlebnisse ein weiteres Mal durchmachen - und erleben, wie neue Details an die Öffentlichkeit kommen.

Was war damals passiert? 2008 schien zunächst ein weiteres Jahr des Glücks für Jennifer Hudson zu werden. Nachdem sie mit der TV-Casting-Show "American Idol" bekannt geworden war und 2007 für ihre Rolle in dem Film "Dreamgirls" sogar einen Oscar gewonnen hatte, entwickelte sich ihr Album-Debüt zum Chartstürmer und sie selbst zur heißen Kandidatin für die anstehenden Grammys. Jennifer mit der starken Mezzosopran-Stimme, tiefgläubig, aufgewachsen in Chicagos Problembezirk Englewood, gerade glücklich verlobt mit dem Profi-Wrestler und Juristen David Otunga - das war die klassische "Vom Tellerwäscher zum Millionär"-Geschichte. Doch dann zerstörte ein Mann alles: William Balfour, der Ehemann von Jennifers älterer Schwester Julia. Seit rund zwei Jahren war die Schulbusfahrerin mit dem Typen aus der Nachbarsfamilie verheiratet. Balfour hatte wegen Autodiebstahls und versuchtem Mord im Knast gesessen, war auf Bewährung draußen, und die Ehe hatte von Beginn an für Streit bei den Hudsons gesorgt. Seit Anfang 2008 kriselte es: Julia hatte einen neuen Freund, wollte sich trennen. Wie die "Chicago SunTimes" kürzlich berichtete, soll Balfour seiner Ehefrau gedroht haben, erst ihre Familie und dann sie umzubringen, falls sie ihn verlassen würde. Julia lebte mit Sohn Julian und Bruder Jason, einem Mechaniker, in dem dreistöckigen weißen Haus ihrer verwitweten Mutter Darnell an der Yale Avenue.

Dort tauchte William Balfour am Morgen des 24. Oktober nach einer durchzechten Nacht auf. Das Paar geriet in Streit, Balfour verließ das Haus, Julia ging zur Arbeit. Wenige Stunden später waren Mutter Darnell und Bruder Jason tot, die Leichen wurden von einer Polizeieinheit gefunden. Von Julias Sohn fehlte jede Spur, erst drei Tage später wurde sein Leichnam in dem gestohlenen Wagen von Jason entdeckt. Alle drei waren mit der Handfeuerwaffe Kaliber 45 getötet worden, die dem Bruder gehört hatte. Kurz darauf wurde Balfour festgenommen. Bis jetzt saß er in Untersuchungshaft. "Eine lange Zeit, aber das ist nicht ungewöhnlich", sagt Michael P. Schmiege, Strafverteidiger aus Chicago, zu "Gala". "Unsere Stadt hat eine hohe Mordrate, dadurch zieht sich alles hin." Jennifer war es, die damals die Polizei alarmierte, wie sich nun herausstellte. Zur Tatzeit war sie nicht, wie ursprünglich geplant, bei ihrer Familie, sondern begleitete ihren Verlobten zu einem Wrestling-Kampf nach Miami. Das habe ihr das Leben gerettet, sagte sie vor wenigen Wochen dem "Ebony"-Magazin. Die "Chicago Tribune" berichtet aus den Untersuchungsunterlagen, dass die Sängerin ihre Mutter jeden Morgen anrief, um zu überprüfen, ob alles in Ordnung sei. Als sie an dem besagten Tag niemanden erreichte, hatte sie sofort ein ungutes Gefühl. Bitter: Laut Nachbarn hat Jennifer oft versucht, ihre Mutter von einem Umzug in eine sichere Gegend zu überzeugen. Aber die 57-Jährige habe ihr Viertel nicht verlassen wollen.

Neues Glück: Mit ihrem Verlobten, dem Wrestler David Ottunga,31, hat Jennifer Hudson den Sohn David Daniel Jr., 2.
Neues Glück: Mit ihrem Verlobten, dem Wrestler David Ottunga, 31, hat Jennifer Hudson den Sohn David Daniel Jr., 2.
© Splashnews.com

Wie verarbeitet man eine solche Tragödie? Wenn man Jennifer Hudson heute trifft, hat man eine schlanke (rund 36 Kilo hat sie abgenommen), sanfte und in sich ruhende Frau vor sich. Die Ereignisse haben sie geprägt, aber nicht gebrochen. Mittlerweile ist sie selbst Mutter geworden, im August 2009 kam ihr Sohn David Daniel Jr. zur Welt. Nachdem sie zwei Jahre in Florida lebte, ist sie 2011 wieder nach Chicago gezogen. Auch um näher bei ihrer Schwester zu sein, die den Tod ihres Sohnes verkraften musste. Die Erinnerungen an die Mutter helfen. "Ich war ein Mamababy. Bis ich 15 war, habe ich bei ihr im Bett geschlafen. Sie war mein Vorbild. Eine stille, weise, aufmerksame Frau", erzählte Jennifer "Gala" vor knapp einem Jahr im Interview. "Meine Mutter hat mir immer gesagt: Du musst in allem das Positive sehen. Ich höre sie und meinen Bruder jeden Tag in meinem Kopf. Sie sind bei mir, unterstützen mich." Ihr Verlobter, den sie bald heiraten will, und ihr Sohn geben ihr Kraft, sorgen dafür, dass sie "jeden Tag ein Lächeln auf dem Gesicht trägt". Hudson zu "Gala": "Mein Sohn ist der Grund, warum ich weitermache. Ich sage zu mir selbst: Wow, ich habe alles verloren - aber schau, was ich gewonnen habe. Es ist bittersüß, aber ich blicke nicht zurück. Und wenn ich nach vorn schaue, sehe ich nur Gutes."

Starke Worte einer starken Frau. Und stark müssen Jennifer Hudson und ihre Schwester Julia auch in den nächsten Wochen sein. William Balfour, dem lebenslängliche Haft droht (Illinois hat 2011 die Todesstrafe abgeschafft), plädiert auf unschuldig. Jennifer steht auf der Zeugenliste, Julia (noch) nicht, weil ihre Aussage von der Verteidigung blockiert werden könnte, denn in den USA gelten Gespräche zwischen Ehepartnern als vertraulich. Ob Jennifer wirklich in den Zeugenstand treten muss, ist noch offen. Ein solcher Prozess sei für Angehörige "extrem traumatisch", so Experte Schmiege, "denn alle Einzelheiten des Mordes werden detailliert geschildert". Rund drei Wochen, schätzt er, wird das Verfahren dauern. Wie haben die Geschehnisse Jennifer Hudson verändert? Was sind ihre Ziele und Träume für die Zukunft? Auf diese Fragen antwortete sie "Gala": "Ich will, dass mein Sohn so eine Mutter hat, wie sie mir geschenkt wurde. Wenn ich mal nicht mehr bin, will ich, dass er das Gefühl hat, dass noch genug von mir da ist, damit er weitermachen kann. Wenn man das erlebt hat, was ich erleben musste, denkt man über solche Sachen nach." Die Schatten der Vergangenheit werden Jennifer Hudson nie verlassen. Aber es ist gut zu sehen, dass sie ihre Seele nicht verdunkelt haben. Das Haus ihrer Familie an der Yale Avenue steht übrigens leer. Jennifer Hudson soll vergebens versucht haben, es zu verkaufen. Hauke Herffs Mitarbeit: Anna-Barbara Tietz, Julide Tanriverdi

gala.de

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