Jean Dujardin: Der bescheidene Verführer

Da kommt was zu auf Hollywood: Jean Dujardin lässt Frauen schwärmen und Kollegen erblassen. Auf dem Weg in den Schauspiel-Olymp muss der Franzose nur noch ein Hindernis überwinden ...

Jean Dujardin

Manchem wurde es bereits nachgesagt -

doch dieser Typ könnte wirklich ein Konkurrent für George Clooney werden. Als Schauspieler, das zeigt sein Golden Globe, den er wie Clooney vergangene Woche gewonnen hat. Und als Mann, das sieht jede Frau. Die Haare grau meliert, die Lippen sinnlich, der Blick sanft. Oh, là, là, so viel ist klar: Jean Dujardin wird in Hollywood für Wirbel sorgen. Seit seiner grandiosen Darstellung des Stummfilmstars George Valentin in "The Artist" gilt der Franzose im internationalen Filmbusiness als Mann der Stunde.

Schon optisch hat Jean Dujardin, 39, alles, was man in Hollywood braucht. Dass er dazu auch Talent besitzt, beweist er in "The Artist": Der Film über den Stummfilmstar George Valentin startet am 26. Januar im Kino.

In seiner Heimat steht er auf der Liste der am besten verdienenden Schauspieler schon lange ganz oben. Bekannt wurde er vor über zehn Jahren mit der Sitcom "Un gars, une fille". Den Durchbruch brachten Kinofilme wie "Cool Waves - Brice de Nice" oder "OSS 117 - Der Spion, der sich liebte", eine Agentenfilm-Parodie. In Frankreich lockte jeder von ihnen mehr als vier Millionen Zuschauer in die Kinos. Internationale Beachtung bringt ihm nun ein Film, in dem er kein Wort spricht - dafür aber so gekonnt Mimik und Gestik einsetzt, dass mit einem Zucken der Augenbraue alles gesagt ist. Der Sprung über den großen Teich dürfte für Dujardin allerdings eine große Herausforderung werden. Denn er spricht kaum Englisch, wie der Gala-Reporter bei seinem Interview im Londoner Hotel "The Dorchester" am Hyde Park kurz vor der Globes-Verleihung feststellt. Begrüßt man ihn mit "Bonjour", wechselt sein Gesichtsausdruck sofort von charmanter Hilflosigkeit zu freudigem Optimismus. "Sie sprechen Französisch", strahlt er, ganz Stummfilmstar George Valentin. Leider Fehlanzeige. "Schade, aber Ihr Akzent klingt sehr französisch." An diesem Tag ist die attraktive Simultanübersetzerin seine wichtigste Verbündete. Der Erfolg kam einfach zu rasant, da blieb keine Zeit, eine Fremdsprache zu lernen. "Ich habe nie gesagt, ich werde Schauspieler", erklärt er. Eigentlich hatte er viel bescheidenere Pläne. Erst mit Mitte zwanzig beschließt er, zum Film zu gehen. "Ich habe vorher auf dem Bau als Schlosser und Glaser gearbeitet, dann kam der Militärdienst." Das klingt sympathisch bodenständig: Trotz der vielen Verlockungen, die in Hollywood lauern, muss man sich um den Mann wohl keine Sorgen machen.

Zweite Ehe: Für Kollegin Alexandra Lamy, 40, verließ Dujardin 2003 seine erste Frau Gaëlle, mit der er zwei Söhne hat,

Langsam versinkt die Sonne hinter den Bäumen des Hyde Parks. Im Licht der blauen Stunde genügt ein Blick in sein klassisch schönes Gesicht, um die Vierzigerjahre aufleben zu lassen. Jean Dujardin wurde einfach im falschen Zeitalter geboren. Als die Schauspieler so aussahen wie er, war Kino noch größer als das Leben, Leinwandhelden waren Götter und Männer noch Männer. Diese Ausstrahlung in Kombination mit warmherziger Bescheidenheit ergibt einen seltenen Mix, der gerade auf Frauen unwiderstehlich wirkt. Ob seine weiblichen Fans sich wohl noch Hoffnung machen dürfen? Jean Dujardin ist für einen Moment irritiert. In Frankreich sind Schauspieler Heilige, die man verehrt, aber auf keinen Fall mit Neugier belästigt. "Ich bin sehr, sehr verheiratet. Und sie wird mich nicht mit anderen teilen." Dann lächelt er und zeigt stolz den Ehering an seinem Finger. Sie, das ist Schauspielerin Alexandra Lamy, seine Partnerin aus "Un gars, une fille". Es scheint nur eine Frage der Zeit und eines Englisch-Intensivkurses zu sein, bis wir Jean Dujardin in seiner ersten großen Hollywood-Produktion erleben. Doch er geht auch dies, wie alles in seinem Leben, gelassen an: "Wenn ein tolles Drehbuch kommt, warum nicht. Aber ich warte nicht drauf." Wir schon. Christian Aust, Tatjana Detloff

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