Jaqueline Kennedy: Das letzte Wort hat sie

JFK war der charismatische Mann, den alle liebten. Doch erst Jacqueline Kennedy machte ihn dazu, wie ein neues Buch beweist

Jacqueline Kennedy, John F. Kennedy

Es muss für sie jedes Mal wie ein Stich ins Herz gewesen sein

. Jeder Blick, jedes Zwinkern, mit dem John F. Kennedy, genannt Jack, alle schönen Frauen in seiner Umgebung bedachte. Und dabei blieb es ja nicht immer. Die Gerüchte um die Affären des charismatischen US-Präsidenten sind Legende, Marilyn Monroe ist da nur der berühmteste Name. Trotzdem: Jacqueline Kennedy, das feinsinnige Mädchen aus dem Bouvier-Clan, hielt ihrem Mann die Treue. Nie verlor sie öffentlich ein schlechtes Wort über ihn.

Das Präsidentenpaar Kennedy im April 1962 vor dem Weißen Haus. Jackie starb 1994.

Auch deshalb warten viele gespannt auf ein Buch, das diese Woche weltweit erscheint: "Gespräche über ein Leben mit John F. Kennedy", Jackies Interviews mit Arthur Schlesinger. Stundenlang sprach sie 1964, nur Monate nach dem tödlichen Attentat auf JFK, mit dem Historiker. Einzige Bedingung: Nichts dürfe zu ihren Lebzeiten veröffentlicht werden … Würde sie etwa bei dem Vertrauten ablästern? Ihrem Unmut Luft machen? Vom Podest stößt Jackie ihren Gatten jedenfalls auch posthum nicht. Als es um die legendären Künstlerpartys im Weißen Haus geht, sagt sie: "Jack mochte Eleganz, schöne Frauen, und das meine ich im besten Sinne des Wortes." Punkt. Die Art, wie sie sich mal naiv gibt, mal dezent stutenbissig gegenüber anderen Frauen, aber immer loyal gegenüber JFK, zeigt ihren Anspruch. Die Nachwelt soll ihn in bester Erinnerung behalten.

Ihre eigene Bedeutung versucht die Frau, die damals als größte Stil-Ikone galt, gering zu halten. "Er liebte mich und meine Schwester und unsere Welt, die nichts mit Politik zu tun hatte. Er liebte uns alle. Und wissen Sie, ich bin nicht eifersüchtig. Sein Leben bestand aus lauter verschiedenen Bereichen, und das Wunderbare daran ist, dass jeder einzelne Mensch in seinem Bereich bereit war, alles für ihn zu geben."

Geradezu stolz spricht sie über das traditionelle Rollenverständnis in ihrer zehnjährigen Ehe. "Jack verlangte ganz klar von den Frauen, dass sie sich in einer Beziehung dem Mann unterordneten. Es war in der Tat eine ziemlich viktorianische oder asiatische Beziehung, die wir hatten." Ende der Fünfziger-, Anfang der Sechzigerjahre allerdings auch nicht unüblich. Dabei war es ihr Mann, der sich manchmal offenbar unterdrückt fühlte. "Ich habe ihn gefragt - und das hat mich sehr gerührt -, was er sich wünschen würde, wenn er auf sein Leben zurückblickt", erzählt Jackie ihrem Gesprächspartner. "Er sagte: ,'Ich hätte mein Leben gern mehr genossen.'"

Sweet Caroline: Vater und Tochter Kennedy im Sommer 1963, wenige Monate vor dem Attentat von Dallas.

Jacqueline Kennedy: "Gespräche über ein Leben mit John F. Kennedy". Mit einem Vorwort von Caroline Kennedy. Hoffmann und Campe, 416 S., 24,99 Euro.

Regelrecht in Rage redet sie sich, wenn es um Frauen geht. Indira Gandhi zum Beispiel, Indiens größte Politikerin. Jackie zickt: "Eine echte Pute - mürrisch, taktlos, eine furchtbare Frau." Und in den Tagen der Kubakrise, als der Kalte Krieg zwischen Ost und West 1962 fast zu einem Weltkrieg führte, machte sie in ihrem Umfeld zwei Frauentypen aus: Heroen-Gattinnen und ängstliche Hühner. Sie habe nicht verstanden, mokiert sich Jackie, dass einige Politiker- Ehefrauen fluchtartig aus Washington abreisten und damit die Männer "im Stich ließen". Sie selbst hätte das nie getan. An einer Stelle der Tonband-Interviewprotokolle kommt neben Jackie und Schlesinger plötzlich ein Dritter ins Spiel: John-John, der damals dreijährige Kennedy- Sohn. Fröhlich kräht er dazwischen: "Nimmst du John auf?" Spätestens in diesem Moment wird aus der Präsidentengattin die Mutter. Und man versteht, woher diese Frau so viel Kraft nahm. Bettina Klee

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