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Jannik Schümann "Ich bin schwul, und es macht keinen Unterschied"

Nachwuchs-Schauspieler Jannik Schümann ist spätestens seit der TV-Serie "Charité" ein Star.
Nachwuchs-Schauspieler Jannik Schümann ist spätestens seit der TV-Serie "Charité" ein Star.
© imago images
In der neuen TV-Serie "Sisi" spielt Jannik Schümann den österreichischen Kaiser. Eine Traumbesetzung mit wichtiger Botschaft.

Sisi kehrt zurück: Das Leben der legendären Kaiserin (sie schrieb sich tatsächlich mit nur einem s) erscheint in der Neuauflage moderner, schnörkelloser, aber nicht minder von romantischen Hoffnungen beflügelt. Jannik Schümann, 29, verleiht Sisis Mann, Kaiser Franz-Joseph, ganz neue Facetten. In GALA spricht der Schauspieler über die Herausforderungen seiner Rolle – und über seinen Lebensgefährten Felix, den er voriges Jahr der Öffentlichkeit vorgestellt hat.

Jannik Schümann im GALA-Interview: "Ich finde es wichtig, dass wir die damalige Realität zeigen"

GALA: Was mussten Sie für die Rolle des Kaiser Franz-Joseph alles lernen?
Jannik Schümann: Fechten. Und höfische Etikette. Zwei Monate vor Drehstart wurde es dann so richtig intensiv; ich bekam Einzelunterricht im Reiten. Am Set in Lettland konnte ich dann sogar schon frei galoppieren, ein wirklich atemberaubendes Gefühl.

Sie sind nie vom Pferd gefallen?
Glücklicherweise nicht. Für aufwendige Galoppszenen gab es aber auch Doubles. Und ein "Fake Horse" für Nahaufnahmen: Das ist ein Plastikpferd, das auf den Anhänger eines Autos gestellt wird. Dank eines Motors wippt es auf und ab – wie beim Galopp. Man denkt, wir reiten durch die Landschaft, dabei sitzen wir nur auf einer Attrappe. 

Franz & Sis(s)i 2.0: Der Sechsteiler überzeugt mit tollen Schauspielern wie Jannik Schümann als Kaiser Franz-Joseph und Dominique Devenport als Sisi. Ab 12. Dezember bei RTL+, und am 28., 29., 30. Dezember ab 20.15 Uhr im Free-TV auf RTL.
Franz & Sis(s)i 2.0: Der Sechsteiler überzeugt mit tollen Schauspielern wie Jannik Schümann als Kaiser Franz-Joseph und Dominique Devenport als Sisi. Ab 12. Dezember bei RTL+, und am 28., 29., 30. Dezember ab 20.15 Uhr im Free-TV auf RTL.
© RTL / Story House Picture / Lukas Šalna

Sie wirken im Film extrem durchtrainiert. Wie schafft man es, so fit zu werden?
Ich glaube, die Macher haben vorher die Serie "Bridgerton" geguckt – auf jeden Fall waren unendlich viele Oben-Ohne-Szenen geplant. Ein paar konnte ich ihnen ausreden. (lacht) Und für den Rest habe ich mich mit einem Personal Trainer gestählt. Leider sehe ich aktuell nicht mehr so aus.

Oh, was ist passiert?
Während des Drehs habe ich komplett auf Kohlenhydrate wie Brot und Kartoffeln verzichtet. Alkohol, Zucker und Milchprodukte waren auch tabu. Mit Vorbereitungszeit erstreckte sich das über ein halbes Jahr. Dementsprechende Gelüste hatte ich am Ende. Nach meiner letzten Oben-Ohne-Szene habe ich mir direkt einen Kaiserschmarrn gegönnt und dazu ein Hefeweizen getrunken.

Franz-Joseph ist als Mann seiner Zeit dargestellt, geht ganz selbstverständlich zu Prostituierten.
Ich finde es wichtig, dass wir die damalige Realität zeigen. Als Sisi schwanger wird, bekommt er eine Mätresse, weil der mögliche Thronfolger nicht gefährdet werden sollte, der Beischlaf des Mannes im 19. Jahrhundert jedoch als wesentlicher Bestandteil seiner Gesundheit zählte. Es wäre falsch, diese Seite der Geschichte auszublenden.

Der Schauspieler gibt seine Liebe bekannt

Ende vorigen Jahres haben Sie sich zu Ihrer Liebe bekannt und bei Instagram ein Bild von sich und Ihrem Freund Felix gepostet.
Ja. Ich fühle mich seitdem wahnsinnig frei.

Ich habe diesen Schritt gewagt, weil sich in der Gesellschaft etwas verändern muss.

Mit 14 Jahren, als ich mir für mich eingestanden habe, dass ich auf Männer stehe, hätte ich eine Person wie mich gebraucht. Jemanden, der als Schauspieler in die Öffentlichkeit geht und sagt: Ich bin schwul, und es macht keinen Unterschied. 

Hatten Sie Angst vor Auswirkungen auf Ihren Job?
Nein. Wenn Menschen mit mir nicht arbeiten mögen, weil sie nicht einverstanden sind, mit wem ich lebe, möchte ich auch nicht mit ihnen arbeiten.

Wie war die Resonanz auf Ihr öffentliches Coming-out?
Es gab keine einzige negative Bemerkung. Es fühlte sich an wie eine wunderbare Welle von Liebe, die über mich schwappte.

Werden Ihnen jetzt vielleicht sogar spannendere Rollen angeboten?
Mag sein.

Ich habe das Gefühl, ich habe durch mein Bekenntnis eine andere Glaubwürdigkeit bekommen.

Ich spiele Franz, und aktuell gerade einen absoluten Macho, werde also nicht auf einschlägige Parts festgelegt. Das kann anderen als Ermutigung dienen.

Eine Hochzeit kann sich der "Charité"-Star vorstellen

Mit Ihrem Freund Felix haben Sie einen Hund: Truman heißt er.
Felix hat ihn mit in die Beziehung gebracht. Ich kann einen Hund nicht wirklich mit meinem Lebensstil vereinbaren, wollte aber immer einen haben. Insofern ist Truman perfekt. Der Name stammt nicht von dem Film "Die Truman Show" wie viele denken, sondern von Truman Capote.

Klingt sehr harmonisch. Können Sie sich eine Hochzeit vorstellen?
Auf jeden Fall. Heiraten finde ich ein sehr schönes Symbol der Liebe.

Gala

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